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100 Porträts - Teil 2 von 4

Liebe Leser,

mein Projekt geht in die zweite Runde. Portrait 26 bis 50 warten hiermit auf eure ausführlichen Blicke. Schaut euch jedes Porträt in Ruhe an, insbesondere Bild Nummer 50, das für mich das absolute Highlight des Teil 2 darstellt. Wie immer erkläre ich unter jedem Foto, wie es entstanden ist oder gebe Zusatzinformationen. Lehnt euch zurück und lasst euch nicht ablenken. Jedes Porträt hält so einige Details bereit, die von euch entdeckt werden wollen.

 

Viel Spaß beim Eintauchen in meine Welt der "Menschen meiner Reise".

26 - In Chanthaburi (Thailand) liefen wir abends die Wassermeile entlang. Mit offenen Augen schaute ich nach Fotomotiven. Dann entdeckte ich dieses kleine Mädchen, dass sich gerade wie eine Prinzessin schminkte. Auf Thai habe ich sie gefragt, ob ich ein Foto von ihr machen kann. Sie ist einfach ein kleiner Star gewesen. Ganz schüchtern schaute sie zu ihrer Mama, um eine Erlaubnis zu bekommen. Kaum hat diese grinsend zugestimmt, grinste das Mädchen auch schon wie ein ganz großer Stern an Himmel in die Kamera. Vielen Dank für dieses Foto!

27 - Tan (gesprochen Dan), die Mama dieser Kleinen, ist nun eine gute Freundin von Jah. Über Umwege fanden sie zueinander, als Tan und ihr Mann (auf dem Porträt Nummer 28 zu sehen) auf Koh Kood nach einem Grundstück suchten und Jah als Vermittler fungierte. Sie haben ein tolles Grundstück gekauft und werden nun in den nächsten Jahren nach und nach ein Resort auf Koh Kood aufbauen. Tan wollte abends immer mit mir zusammen Alkohol trinken. Erst dachte ich, wir trinken auf den Abschluss des Kaufes des Grundstücks, dann stellte sich heraus, dass Tan einfach so gern harten Alkohol am Abend trinkt. Da ist sie aber nicht der/die einzige Thai. Sympathisch war sie allemal und eine tolle Mama für ihre kleine Tochter und schon etwas größeren Sohn.

28 - Tans Mann mit ihrer Tochter. Der Mann spricht im Gegensatz zu vielen Thais sehr gut Englisch und hat mich über vieles ausgefragt. Er ist auch viel um die Welt gereist und wusste viel. Etwas verrückt  fand ich, dass er schon über 60 ist (ja, Thais sehen immer viel jünger aus, als sie tatsächlich sind), während seine Frau Tan gerade mal 35 Jahre alt ist.

29 - Tans kleine Tochter. Besonders gefällt mir ihr Blick, ihre glänzenden Augen, die in diesem Porträt so stillstehen, als wäre die Zeit stehengeblieben, damit ich in Ruhe das Foto machen kann. In Wirklichkeit war das ein Schnappschuss, eine Millisekunde, in der sie zu mir geschaut hat. Ich freue mich immer besonders über solche Fotos, da ich meist nur einen Versuch bekomme und diesen Moment dann glücklicherweise einfangen kann. 

30 - Tans Vater. Ich finde, die beiden sehen sich sehr ähnlich. Ihre Eltern helfen beim Aufbau ihres Traums von einem eigenen Gewerbe auf Koh Kood. 

Seht ihr die kleinen Sandkörnchen auf seiner Brille? Ich finde, das ist ein niedliches Detail. Witzig ist auch, dass Tans Mama die Brille genauso aufgesetzt hat wie ihr Papa.

31 - Tans Mama. Ein freundliches Thai-Lächeln aufgesetzt. Tans gesamte Familie ist superlieb und sehr sympathisch. Den Sohn, den ich leider nicht fotografiert habe, fand ich auch klasse. Ich weiß noch, dass wir gemeinsam im Wasser waren, als ich schon wieder besser laufen konnte. Jah hat mir mittlerweile geschrieben, dass er mich vermisst und gerne wiedersehen will.

Ich denke, dass ich, bevor ich zurück nach Deutschland gehe, auf jeden Fall nochmal für eine Weile in Koh Kood bleiben möchte, da ich dort so viele Leute habe, dass es sich anfühlt wie eine zweite Heimat.

32 - Tans Familie besuchte an einem Vormittag die winzige Schule auf Koh Kood. Ich durfte in die Klassenzimmer schauen und fand es total schön, nur 7 oder 8 Kinder pro Klasse zu sehen. Dieser coole Junge kam in der Pause direkt als erstes auf mich zugerannt und wollte ein Foto machen. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass auf dem Porträt seine Augen überhaupt nicht zu sehen sind. Das liegt an den schweren Lichtverhältnissen, die an diesem Tag vorherrschten. Wenn es in Thailand schwül ist, ist nicht nur der ganze Himmel grau, es scheint, als würde der ganze Himmel grell leuchten. Trotzdem war es ungewohnt dunkel.

Nun ja, schön war zu sehen, wie die Kinder ihre Mittagspause gestalten, ein Ritual abhalten, bevor sie essen und dann die Pommes und Nuggets voller Freude verzehrten.

33 - Ich weiß noch, wie froh ich war, als ich endlich wieder laufen konnte und Pattaya besuchte. Mit Sai (ein Mädchen, das ich über Instagram kennengelernt habe) lief ich am Strand entlang und sie zeigte mir einen Stand, an dem man etwas essen und trinken konnte. Erst am Ende, als wir weiterliefen, kam heraus, dass diese Frau Deutsch sprechen konnte. Sie war jahrelang mit einem Deutschen verheiratet gewesen. Ich fand allerdings nicht schön, dass er von ihr verlangte Deutsch zu lernen, während er kein Interesse zeigte, Thailändisch zu lernen. Ich finde, jeder sollte offen für die Kultur des anderen sein, insbesondere, wenn man verheiratet ist. Das ist doch das Schöne an einer Ehefrau aus einem anderen Land, oder nicht?

34 - Das ist die erste Indonesierin in meinen Porträts. Denn nun war ich schon auf Bali, mit Dustin unterwegs. Sie kam mir einfach entgegen, in ihrem dicken Pullover bei über 30 Grad und ich war erstaunt, dass sie trotzdem so fröhlich aussah. Ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, bei praller Sonne einen Pullover zu tragen. Warum tut sie das also? Man sieht in all den südostasiatischen Ländern die Einheimischen mit dicken Jacken, langen Hosen und eben auch Pullovern durch die Gegend laufen oder auf dem Motorrad. Der Grund dafür ist einfach: Sie wollen sich nicht verbrennen oder dunklere Haut bekommen. Das ist sowieso das Verrückteste: In Indonesien ist das Schönheitsideal genau umgekehrt zu Europa. Während man in Deutschland sehr gern sehr braun sein möchte, wollen die Indonesier so weiß wie möglich bleiben. Es gibt sogar Cremes, die die Haut angeblich heller machen sollen.

Dieser Trend ist schon viele Jahre alt. Könnt ihr euch denken, warum dunkle Haut in Indonesien nicht so angesehen ist? Damals hatten die ärmeren Leute Arbeit, die draußen auf dem Feld stattfand. Die Reicheren arbeiteten im Haus und wurden demzufolge auch nicht so dunkel. Diese Ansicht hat sich bis heute tief in die Köpfe der Indonesier gebrannt, wobei ich das mehr als verrückt finde. Aber um ehrlich zu sein, ist unser Hype um braune Haut, mit all den Solarien und Bräunungscremes, doch genau dasselbe. Ich war am Ende jedenfalls der Meinung, dass braune Haut trotzdem etwas besser ist, denn es bedeutet, dass man Sonnenstrahlen abbekommt, und bekanntermaßen schütten Sonnenstrahlen auf unserer Haut ja Vitamin D aus. Natürlich sollte man die Sonne in Maßen genießen.

35 - Diesen Mann habe ich nach einem Foto gefragt, weil er mit seinen langen Haaren und den Tattoos ungefähr dem Typ Indonesier entspricht, den man in Bali am häufigsten antrifft. Vor allem die Surfer haben größtenteils lange Haare und sind obercool.

36 - Ja, die coolen Surfer, von denen ich gerade geschrieben habe. Hier ein Exemplar mit langen Haaren, dunkler Haut und einem wohl typischen Handzeichen (um das ich nicht gebeten habe, aber wie ihr gleich sehen werdet ...)

37 - ...macht auch dieser coole Surfertyp genau dasselbe Zeichen, ohne dass ich etwas dazu gesagt habe. Die hellbraunen Haare sind nicht gefärbt, sondern vielmehr von der Sonne ausgeblichen. In Denpasar am bekannten Kuta Beach warten unzählige dieser coolen Boys auf am Strand spazierende Touristen und fragen nach einer Surfstunde. So verdienen sie ihr Geld. Natürlich gehen sie auch mal aus purem Spaß Surfen. Ich habe es leider nicht ausprobiert, da man fürs Surfen wahrscheinlich einen gesünderen Fuß als meinen braucht. Ich wollte mich nicht gleich wieder verletzen, nur weil ich zu übermütig bin.

38 - Ja, Dustin ließ sich die Haare und den Bart von diesem Rockabilly-Typen trimmen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese Brille Gläser hatte oder einfach nur als Accessoire diente. Auf jeden Fall hatte er viele Tattoos und auch ohne lange Haare passte er gut in die Reihe der coolen Bali-Indonesier.

39 - Diesen Angestellten traf ich an einem echt tollen Tag. Er arbeitete im Artotel auf Bali, im Osten von Denpasar. Er war wirklich überdurchschnittlich nett. Wie genau ich zu ihm und dem Hotel kam, war so:

Es gab ein Mädchen, dass ich über Tinder traf, und wir verbrachten einen Nachmittag gemeinsam in Sanur, dem östlichen Teil von Denpasar. Am Strand war es nicht so cool, sodass wir ihre Mitgliedschaft im Artotel, einer noblen Hotelkette, nutzten. So konnte ich ganz umsonst einen Rooftoppool genießen und auch ein paar schicke Fotos schießen. Das Grande Finale war dann abends, als die Sonne unterging und wir uns über den Dächern der sowieso flachen Stadt befanden. Dieser Nachmittag war der Beweis, dass Tinder auch dazu funktionierte, mal ganz spontan mit lokalen Menschen abzuhängen und etwas mehr über das Land, die Insel oder die Menschen zu erfahren.

40 - Oh, wie ich mich freue, dass ich doch noch (halb humpelnd) dieser "Braut" hinterhergerannt bin. Als Dustin und ich im etwas abgelegeneren Affenwald ankamen, lief sie mit dem Bräutigam an uns vorbei. Erst, als sie schon fast nicht mehr zu sehen waren, entschied ich mich, ein Foto von ihnen zu machen. Es stellte sich heraus, dass sie diese Hochzeitstrachten zu Schauzwecken trugen und gerade dabei waren, Feierabend zu machen. So knipste ich ein ganz kurzes Shooting, um wirklich den perfekten Schuss zu treffen.

Man achte bitte auf diese prunkvolle Ausstattung. Nicht nur das breite Halsband und die prachtvolle Krone, sondern auch der extra nachgemalte Haaransatz, das perfekte Make-Up und blaue Kontaktlinsen. Ja, die Augen sind nicht echt blau. Viele Indonesier tragen farbige Kontaktlinsen, weil sie ihre braunen Augen nicht mögen oder um sich von der Masse abzugrenzen. Meistens sieht man aber sofort, dass es Kontaktlinsen sind, da es sehr unnatürlich wirkt. Ich persönlich bleibe ein Fan von tiefbraunen Augen - die sind einfach wunderhübsch!

41 - Lenong. Als wir in Amed den Sonnenaufgang beim Barracuda-Fischen genossen, war ja sowieso schon alles perfekt. Aber als wir dann beim Frühstück von diesem Herrn zum Abendbrot am Strand eingeladen wurden, wurde der Tag zu einem perfekten Tag, den ich niemals vergessen werde. Es war einfach unglaublich, dass er einen Tisch vorbereitet hatte und wir wirklich seine Gäste waren, wie in einem Restaurant. Er kümmerte sich um unser Wohlergehen und das war ein tolles Gefühl. Er, in einem von Motten zerlöcherten Hemd kümmerte sich unglaublich fürsorglich um vier Fremde (er hatte noch ein Pärchen aus Frankreich eingeladen). Auch, wenn wir das Essen bezahlten, fühlte es sich an, als hätten wir das alles geschenkt bekommen. Zum gesamten Wohlbefinden trug auch der Vulkan Agung bei, der rötlich von der untergehenden Sonne angestrahlt wurde, sowie das Rauschen der Wellen, die auf den schwarzen Sandstrand trafen, und vor allem das Wichtigste: Das Essen. Es gab fangfrischen Thunfisch und Pasten und Soßen, die ich nicht kannte, aber probierte und überrascht war vom Geschmack. 

Dies war einer der ersten Tage, die mir ganz klar zeigten, dass man das Leben einfach auf sich zukommen lassen kann, ohne zu suchen oder krampfhaft etwas erreichen zu wollen. Was viele denken: Je mehr man loslässt, desto mehr verliert man. Doch es ist genau andersherum. Je mehr du loslässt, desto mehr gewinnst du. Denn dann hat dein Leben den Raum, um alles zu dir zu schicken, dass gut für dich ist.

42 - Dan, der Arme. Keine Ahnung, wie es ihm gerade geht. Er und seine Familie wohnen auf Lombok, in das Dustin und ich uns am meisten verliebten. Leider gab es dort in den vergangenen Tagen und Wochen verheerende Erdbeben, die viele Todesopfer forderten und auch Dans Haus komplett zerstörten. Es beschert mir Gänsehaut und einen Anflug von Trauer, wenn ich die Bilder sehe, weil ich weiß, dass ich genau dort selbst gewesen bin. Ich hatte mich dort so wohl gefühlt. Es war ein großes Haus und großes Anwesen, das jetzt vom Erdbeben zerstört wurde.

 

Wir haben Dan auf Gili T kennengelernt, im schönsten Hostel meiner bisherigen Reise. Es war wie ein kleines Paradies inmitten des bunten Treibens all der Touristen. Mit Pool, einem 3 Monate alten Otter, leckerem Essen und sehr netten Angestellten. Dan war der Coole, der uns mit Kartenzaubertricks verblüffte. Durch seine Einladung, seine Familie auf Lombok zu besuchen, aßen wir das erste Mal wie echte Locals - mit den Händen. Wir sahen außerdem einen versteckten, kaum bekannten Wasserfall, wo ich auch dieses Porträt aufgenommen habe. Ich danke ihm vielmals für die Einblicke in den Ramadan, die muslimische Lebensweise und das Training in einem typisch indonesischen Fitnessstudio.

43 - Als wir nach Lombok zurückkehrten, verbrachten wir eine Woche in einem Dschungelhaus, mit Schwarzaffen als Nachbarn. Diese liebe Frau traf ich, als ich eine Fototour startete. Sie war Angestellte für ein Pärchen aus Amerika, das ebenfalls ein solches Dschungelhaus bewohnte, aber nicht nur eine Woche, sondern ein ganzes Jahr. Sie war sofort sehr nett und wir haben ein bisschen geredet. Sie erinnert mich vom Aussehen stark an eine meiner besten Freundinnen aus Deutschland. Ich fand ja ihr Shirt ganz interessant. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie eine Indonesierin auf Deathmetal abgeht (nicht zu ernst nehmen).

44 - Dieses Porträt ist eines der eindrucksvollsten, das ich jemals geschossen habe, auch wenn mir die Situation gar nicht so vorkam. Ich sah diese Frau am Baum angelehnt sitzen, mitten in Mataram. In aller Seelenruhe schaute sie ins Nichts. Ich wusste, dass ich von ihr ein Foto machen MUSS. Und wie es manchmal so ist, musste ich erst etwas Mut zusammennehmen und nochmal zurückgehen. 

Hier ist der Text, den ich bereits auf Instagram gepostet habe, ich finde, es beschreibt einfach alles am besten:

Sie saß dort direkt am Baum, auf der Erde, inmitten einer wirbelnden Stadt mit tausenden von Einwohnern. Ich ging in die Mall und war dort eine ganze Weile. Als ich zurückkam, war sie immer noch dort. Mit einer unerklärlichen Erhabenheit ruhte sie an diesem belebten Ort. Ich weiß nicht mal, ob sie sich ausgeruht hat oder etwas verkaufte. Vielleicht muss ich erst in ihr Alter kommen, um zu verstehen, mit welcher Fülle ihr Sitzen beseelt war. Ihre Augen schimmerten bläulich, sie sah wahrscheinlich nicht mehr viel. Ihre Hände und Füße zeugten von einem Leben mit großer körperlicher Anstrengung.

Leider konnte ich kein einziges Wort verstehen, obwohl ich bereits angefangen hatte, Indonesisch zu lernen. Ich bedankte mich und zog lächelnd von dannen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals so ein Foto mein Eigen nennen darf. Während ich auf meinen Motorroller stieg und weiter die Stadt erkundete, saß sie wahrscheinlich noch einige Zeit dort und blieb der unumstößliche  Teil in dieser bewegten Stadt. Danke!

45 - Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Ich traf sie auf Gili T, der kleinen Insel, auf der man nur Fahrrad fahren oder laufen konnte. Süß, wie die Kleine mit dem Finger die Kette greift. Verrückt, dass sie schon Ohrringe hat, oder? Aber das ist mir auch schon bei einem Porträt in Teil 1 aufgefallen. Schaut mal nach dem kleinen Mädchen, das noch viel mehr Schmuck trägt.

46 - Dieser nette Mann arbeitete an einer Strandbar auf der Westseite von Gili T. Dort gab es viele Bars, aber zu dieser trieb es mich immer wieder. Es lief gute Musik, das Essen war lecker und es gab meinen Lieblingssaft, frisch zubereitet - Erdbeere. Er fragte immer, ob alles gut ist und kümmerte sich um mein Wohlbefinden.

Ich mochte es, dort zu sitzen, den Sonnenuntergang zu betrachten und einfach sitzen zu bleiben, bis der sternenklare Himmel über mir zu sehen war. Manchmal schmunzelte ich über die auf Pferden reitenden Touristen, die unbedingt ein Sonnenuntergangsfoto mit Pferd haben wollten. Als die Pferde ins Wasser liefen, dachte ich mir nur: SEEPFERDCHEN.

47 - In Canggu (Bali) traf ich dann Shamani, die auf die witzigsten Spitznamen hören muss. Von mir bekam sie den Namen EMPORIO SHAMANI, hehe. Ihre Familie kommt ursprünglich aus Indien, wohnt aber schon sehr lange in Malaysia. Durch sie erfuhr ich, dass die Sprachen der beiden Länder (Malaysia und Indonesien) nahezu identisch sind, da sich die ursprüngliche malaysische Sprache auf Indonesien ausgebreitet hat. Außerdem hatte ich durch sie gleich jemanden, der mir ein wenig die Hauptstadt Kuala Lumpur zeigen konnte, als ich nach Indonesien Malaysia besuchte.

Mit ihr bin ich etwa 5 Stunden den Strand entlanggelaufen, habe Blödsinn gequatscht und wieder einmal viel gelernt. Außerdem fanden wir das wohl leckerste mexikanische Restaurant auf Bali. Nur werde ich nie wieder den Cocktail "MADE IN BALI" trinken, der aus Alkohol und Chilipulver bestand und einfach nur nach bitterem Chiliwasser geschmeckt hat. Wer trinkt sowas?!

48 - Ming. Sie arbeitet in einem Hotel auf Nusa Dua, dem südlichen Zipfel Balis. Ich traf sie mit Shamani und verbrachte einen Nachmittag mit den zwei Verrückten. Es entstanden verrückte Bilder, ein verrücktes Video und Erinnerungen. Zum Beispiel die Erinnerung an Foxi, eine fuchsähnliche Hündin, die uns lange am Strand hinterherlief, als wären wir ihre Herrchen, dann aber einfach umdrehte und sich direkt den nächsten Besuchern anschloss, um dasselbe wie mit uns durchzuziehen. Am Ende fragte ich sie einfach auch, ob ich ein Foto machen darf.

49 - In Yogyakarta angekommen, traf ich Esti, die nach dem Getränk benannt wurde, das ihre Mutter bei der Schwangerschaft die ganze Zeit getrunken hatte - Eistee (Icetea - Esti). Sie empfahl mir einen guten Club und wir hatten einen mega guten Abend. Die Musik war hammer, die Tanzfläche etwas zu klein, aber das kümmerte mich nicht, denn sie war süß und der Abend gut. Ich wollte sie unbedingt wiedersehen, sodass wir am nächsten Tag ins Kino gingen und in der Timezone Spiele spielten. Wir gewannen ganz zum Schluss sogar den großen Jackpot am Glücksrad. Sie studiert Geschichte und schreibt gerade ihre Masterarbeit. Sie erzählte mir von ihrer Dozentin, die - ohne ihre Arbeit überhaupt zu lesen - meinte, sie müsse nochmal ein anderes Thema komplett von vorn anfangen. Ich redete Esti sofort zu, sie solle ja das Gespräch mit ihr suchen und nochmal reden. Ihre Dozentin hätte nicht das Recht, die Arbeit von fast einem Jahr nichtig zu machen, nur weil ihr nicht danach war. Esti suchte das Gespräch und alles wandte sich zum Guten.

Leider waren wir beide extrem traurig beim Abschied, da, wie sie es so gut beschrieben hat, "man nie weiß, ob man sich jemals wiedersieht, auch, wenn man es verspricht oder sich so sehr wünscht". Ich hoffe, ich habe ihr genug Kraft gegeben, ihre Masterarbeit fertig zu schreiben und mit Mut ins Leben zu gehen. Ich bin ihr sehr dankbar für die letzten Tage in Indonesien, die ich durch sie hatte.

50 - Mein erstes Porträt eines Malaysiers. Ein Bettler von vielen, die ich in Kuala Lumpur zu sehen bekomme. Es ist echt verrückt, wie sehr deutlich wird, dass an Orten mit großem Wohlstand auch große Armut herrscht. Die Kluft zwischen diesem Gefälle ist einfach spürbar. Auch bei ihm bin ich erst weitergelaufen, habe mich dann zusammengerissen und ihn nach einem Foto gefragt. Eigentlich ist ja auch gar nichts dabei.

Erst am Abend, als ich es mir in Ruhe anschauen konnte, wurde mir klar, wie viele Emotionen in seinem Gesicht vorhanden sind. Je länger ich es betrachte, desto mehr bin ich verwirrt, ob er lächelt oder weint. Sein Ausdruck zeugt von Kampf, unbeugsamem Willen und Wehmut. Als hätte er eine Menge in seinem Leben verloren. Vielleicht seine Ehefrau?

Vielleicht fühlt ihr direkt etwas, wenn ihr dieses Porträt anschaut. Schreibt es mir in die Kommentare.

 

Aber auch sonst, wenn euch etwas berührt oder eine Geschichte besonders ans Herz geht, kommentiert einfach.


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Kommentare: 1
  • #1

    Jana (Sonntag, 12 August 2018 14:28)

    Hallo Martin,
    so viele schöne Porträts und so tolle Geschichten dazu. Ich bin beeindruckt. Man kann so ziemlich gut teilhaben an deiner Reise. Eben nicht nur Landschaftsfotos.... :)
    Am meisten berühren mich die beiden Fotos von den alten Menschen. Bild 50 und besonders das Bild 44. Das hat auch für mich etwas ganz Besonderes. Könnte es nicht in Worte fassen, aber das hast du ja schon gemacht.. :) :)
    Sei lieb gedrückt von deiner Mama