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Teil 2 - vier ereignisreiche Wochen in Battambang

Mein Aufenthalt in Battambang wurde vor allem durch meine neue Kamera aufgewertet, durch die ich ab und zu kleine Touren durch die Stadt unternehmen wollte, um diese Momente, die Battambang ausmachen, einfangen zu können. Es war ein kleiner Versuch, nicht komplett im Bett oder in der Hängematte zu versauern. Ich wollte einfach offen sein für alles, was so passierte. Ich wollte Leute ansprechen und um eine Fotoerlaubnis fragen und in Restaurants, die mir gut gefielen, Fotos vom Essen machen und diese auf Google Maps hochladen (LOCAL GUIDES Programm von Google Maps). Ich war beispielweise mehrmals im „About The World“. Es war das erste Restaurant, in dem ich nach meiner Ankunft hier etwas gegessen habe und die Freundlichkeit der Leute, denen es gehörte, brachte mich dazu, immer wieder dort essen zu gehen. So kam es, dass ich durch den Vorschlag, das Essen zu fotografieren, gefragt wurde, ob ich ihnen bei etwas behilflich sein konnte. Und natürlich wollte ich helfen. An einem Sonntag half ich also den Kindern des Inhabers und wir redeten gemeinsam über die Bewertungen der für ein Restaurant äußerst wichtigen Internetseite TripAdvisor. Es war super interessant und ich habe ebenfalls etwas dazugelernt. Sie erzählten mir auch wie die Schule in Kambodscha so abläuft und ich muss sagen, dass es schon sehr unmenschlich klingt, zumal ich weiß, dass die Räume spärlich eingerichtet und dort keine Klimaanlagen installiert sind. Jedenfalls konnten wir gemeinsam zwei Ansätze erarbeiten, mit denen die Familie ihr Restaurant verbessern kann. In meinen Augen ist es eines der tollsten Restaurants in der Stadt, am allermeisten durch die überaus freundliche Art dieser Menschen. Ich habe mich sooo wohlgefühlt an diesem Fleck. Der Papa erzählte mir beim vorletzten Besuch seine Geschichte, die ich aufschrieb, damit ich demnächst einen weiteren Artikel in der Kategorie „Menschen meiner Reise“ veröffentlichen kann. Ich möchte schon mal vorwegnehmen, dass es wirklich bewegend ist und auch ein bisschen traurig.

Durch mein Vorhaben, den Leuten in Battambang durch Fotos bei ihrer Internetpräsenz zu helfen, kam ich auch zu einem Tattoostudio, vor dem zwei sehr junge Kerle saßen und mit Spraydosen ihr neues Werbeschild sprühten. Ich erfuhr, dass sie es gerade erst eröffnet hatten, aber schon seit mehreren Jahren tätowierten. Ich half ihnen dabei, ihr Tattoostudio überhaupt erstmal in Google Maps einzutragen, sodass es andere finden können. Sie fragten mich, wieso ich das für sie tat. Ich antwortete: „Ich helfe gern. Mehr nicht“. Es war das erste Mal, dass überhaupt jemand wissen wollte, wieso ich meine Hilfe anbiete. Wir kamen in ein Gespräch in holprigem Englisch, in dem wir zusammen eine Tattooidee ausarbeiteten, die ich schon seit längerem hatte. Und so kam es, dass ich zwei Tage später sehr aufgeregt das Studio betrat und mich wirklich von einem Khmer-Jungen im Alter von 19 Jahren tätowieren lassen wollte. Natürlich war ich unsicher und nervös, doch ich vertraute dem, was ich gesehen hatte und ließ mich darauf ein. Zwei Stunden später war ich sehr erleichtert und freute mich, denn es sah wirklich gut aus. Er hatte mich beeindruckt. Das Tattoo, das nun auf meinem linken Unterarm ist, hat mich 25$ gekostet, was ich sehr günstig finde.


Die zwei Kinder von Sarin, der das "About The World" führt.
Die zwei Kinder von Sarin, der das "About The World" führt.

 Gerade, weil ich Local Guide bin, wollte ich viele Restaurants und Cafés ausprobieren und eine Bewertung für sie schreiben, Bilder hinzufügen oder eine detailliertere Beschreibung ermöglichen. So kam es, dass ich in den vier Wochen an über 12 verschiedenen Orten Essen war. Und von sehr preiswertem Khmer-Essen für insgesamt 4$ inklusive Getränk bis hin zu westlicher Küche mit Pizza, Pasta und Burgern war alles dabei. Ich war fasziniert von dem „Flavors of India“, wo die Speisekarte einfach nicht mehr aufhören wollte. Oder von den frisch zubereiteten Fruchtshakes im „Battambang Corner“, die wirklich unglaublich gut waren. Ich fand auch die Pasta im „La Casa“ super lecker und habe mir dort auch mal Pizza in mein Zimmer bestellt – Lieferweg etwa 80 Meter. Leider war das Angebot auf der Dachterrasse von meinem Hotel etwas teurer als der Durchschnitt, doch hier musste ich die meiste Zeit verbringen, da ich mit meinem Fuß nicht jedes Mal weite Wege gehen konnte und wollte. Schön an der Dachterrasse waren aber der Whirlpool, den ich ab und zu benutzte, die Hängematten, die ich sehr oft benutzte und die Sonnenuntergänge, von denen ich euch einen nicht vorenthalten will. Deshalb hier ein wundervolles, farbenprächtiges Foto. 

Die Sonne ist untergegangen - Ausblick vom Dach meines Hotels
Die Sonne ist untergegangen - Ausblick vom Dach meines Hotels

Mir ist beim Betrachten der Sonne klargeworden, dass sie der einzige Stern ist, den wir tagsüber sehen können. Und fand es bewundernswert, wie wir so nah an einem Stern sein können ohne zu verglühen. Es ist wirklich ein Wunder, dass die Erde in der richtigen Entfernung zur Sonne platziert ist und wir im Gegenzug dafür auch noch tagtäglich darüber staunen dürfen.

So, nun bin ich am Ende meiner Erlebnisse und all der wundervollen Begegnungen mit Menschen aus Battambang angekommen. Ohne Frage gibt es aber immer noch viele kleine Geschichten, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Jetzt wollt ihr aber endlich wissen, wofür ich mich entschieden habe, meine GROßE Entscheidung. Ich habe … mich … dafür entschieden, … dass ich bleibe.

Aber ich werde den Roadtrip durch Vietnam nicht machen. Ich werde aber auch nicht in Battambang bleiben, weil das auf Dauer viel zu kostenintensiv werden würde. Und ein so kurzfristiger Flug nach Deutschland war mir ebenfalls viel zu teuer – über 500€. Mir ist eingefallen, dass ich zurück nach Thailand gehen und auf Koh Kood bei Jah gesundwerden könnte, bis mein Fuß wieder komplett uneingeschränkt funktioniert. Als ich sie fragte, ob es möglich wäre etwas länger bei ihr zu bleiben, hat sie mir direkt angeboten, dass ich bei ihr kein Geld fürs Zimmer bezahlen müsste. Sie will sich auch um mich kümmern und mir thailändisch Kochen und Meditieren beibringen. So habe ich mich für diese Möglichkeit entschieden, da ich mich auf Koh Kood sehr wohlgefühlt habe. Ich weiß, dass ich Jah gute Gesellschaft leisten kann und sie sich sehr gut um mich kümmern wird. Ich werde dort den ganzen April verbringen und wenn alles gut läuft, möchte ich danach nach Malaysia. Ich kann zwar nicht mehr dem Pärchen im Dschungelhaus helfen, werde aber eine Weile durch den Halbinselteil des Landes reisen und auch auf die Perhentian Inseln gehen, wo ich gern meinen Tauchschein machen möchte. 

 

Mein Vlog von Battambang folgt, sobald ich einen neuen Laptop habe. Mein jetziger ist an der Grenze seiner Schaffenskraft angekommen und lässt mich nicht mal mehr meine Seite ordentlich aufrufen. Scrollt nach unten, um meinen Zusatz zu lesen.

Zusatz: EINMAL

 

Einmal wurde ich von einem Taximoped nach Hause gefahren. Auf den gerade mal 200 Metern haben wir kurz geredet. Der Fahrer wollte erst 1000 Riel (25 Cent), als er mich ablud, hatte er seine Meinung geändert und ist ohne Bezahlung wieder weitergefahren. Das fand ich total toll!

 

Einmal war ich beim Friseur und hatte Angst, er würde mir alle Haare samt Bart abrasieren. Ich habe auch so schon immer das Gefühl, dass selbst deutsche Friseure nicht wissen, was ich will und mein kambodschanischer Friseur konnte nicht mal richtig Englisch. Alles hat geklappt. Er wollte danach "Two". Ich fragte: "Two Dollar?" Er schüttelte den Kopf. Ich meine, selbst 2 Dollar waren schon mega wenig, aber meinte er etwa ...? Ja, "Two thousand Riel." Das waren umgerechnet dann nur noch 50 Cent, sodass ich kurz lachen musste. Ich gab ihm 6000. Nicht Dollar, Riel!

 

Einmal ging ich mit meinem Tuktuk-Fahrer im Supermarkt Essen kaufen. Das macht anscheinend sonst nie ein Tuktuk-Fahrer. Ich konnte seine freien Hände allerdings sehr gut gebrauchen.

 

Einmal traf ich im indischen Restaurant einen Inder, der mir eindeutig ZUUU nett war und das war mir so suspekt, dass ich mich nicht traute, ihn noch einmal zu treffen. Hahaha!

 

Einmal fragte ich meinen Lieblingsmitarbeiter im Hotel, den ich auf 18 oder 19 Jahre schätzte, wie alt er wäre. Er sagte, er sei 32. Ups!

 

Einmal saß ich im Whirlpool mit einem älteren Franzosenpärchen und die Luftblasen füllten dauernd meine Badehose mit Luft. Immer, wenn ich sie rausdrückte, dachten die beiden wohl, dass ich heftige Blähungen hatte. Sagte mir zumindest ihr Blick!

 

Einmal habe ich ganz achtsam meinen Obstteller gegessen und es war atemberaubend, wie ich in dem Moment einfach nur die Konsistenz und Beschaffenheit des Obstes beobachten konnte. Es war, als würde ich zum ersten Mal Papaya, Mango, Drachenfrucht, Apfel und Banane essen. Ich empfehle es jedem!

 

 

Danke fürs Lesen! Ich hoffe, euch haben meine zwei Beiträge gefallen und ihr könnt euch nun meinen Aufenthalt etwas besser vorstellen. Natürlich dürft ihr euren Senf dazugeben oder Fragen stellen. Ich freue mich darüber!


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Kommentare: 3
  • #1

    Jana und Andreas (Mittwoch, 28 März 2018 19:21)

    Hallo Martin, das hast du sehr interessant und lustig geschrieben. Vor allem die EINMAL - Beiträge. Es ist schön, so viel von dir zu lesen. Vielen Dank dafür , wir freuen uns immer drauf. Nun wünschen wir dir noch schöne letzte Tage, bevor du nach Koh Kood aufbrichst. Werd schön gesund. Wir denken ganz doll an dich. :)

  • #2

    Rita und Lutz (Mittwoch, 28 März 2018 21:27)

    Hallo lieber Maddin,
    wir freuen uns über deine Entscheidung zu bleiben sehr.
    Werde erst mal richtig gesund und habe dafür viel Geduld, dann wird sich alles weitere finden. Meine Mama hat mir oft gesagt "...und 1. kommt es anders und 2. als man denkt".
    Danke für die tollen Beiträge und die schönen Fotos...
    Alles Gute und baldige Genesung...
    Bei uns verpasst du nichts... nass und kalt!
    Liebe Grüße aus Cottbus

  • #3

    Lui (Mittwoch, 28 März 2018 21:41)

    Ich finde du triffst die richtige Entscheidung! Gib nicht auf und erhol dich gut, auf das du schnell gesund wirst!
    Toller Beitrag, schöne Geschichten!

    Liebe Grüße von meinem letzten Prüfungstag :P