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Die Angst vor den Menschen

Das Thema dieses Posts beschäftigt mich schon seit Anfang der Reise. Im Grunde sogar schon, als ich noch in Deutschland war. Da gab es viele Menschen, die es gut meinten und Ratschläge geben wollten. Die mich darauf hinwiesen, dass es ja in Myanmar oder Thailand immer wieder Ausschreitungen gebe, Kämpfe gegen das Militär oder die Hetze gegen Religionsgruppen. Dass ich besonders auf all mein Hab und Gut Acht geben sollte. Ich wusste natürlich sofort, dass mein Rucksack dann mein ganzes Leben sein wird. Ich schreibe dazu später noch etwas. Ich habe auch all die Informationen vom Auswärtigen Amt zu den südostasiatischen Ländern durchgelesen und hatte jedes Mal das Gefühl, die wollen gar nicht, dass man sich in diesen Ländern herumtreibt. Es klang so dermaßen schlecht und die Liste schien gar nicht mehr aufhören zu wollen mit all den schlechten Dingen und Menschen, die einem Schlechtes wollten. Natürlich entstand dadurch auch schon ein gewisses erstes Bild in meinem Kopf, einfach weil ich noch nie in diesen Ländern gewesen bin. Ich hatte allerdings auch einiges Gutes gehört und wie nett die Menschen sein sollten. Davon wollte ich mich gern überzeugen lassen.

Nun bin ich bereits über 3 Wochen in Südostasien, vor allem in Thailand, unterwegs gewesen. Und ich möchte mich vor allem mit der Angst vor den Menschen auseinandersetzen, die mir im Vornherein von den Medien und manchen Bekannten eingepflanzt wurde. Ihr müsst euch aber auch vorstellen, dass mich die Angst nicht vollkommen einnimmt und sie auch nicht immer vorhanden ist. Aber es gab mittlerweile viele Situationen, in denen sie mich ereilt hat und mir jedes Mal bewusstgeworden ist, wie schlecht ich mich dabei eigentlich gefühlt habe. Ich weiß noch, als ich in Bangkok das Hits Hostel gesucht habe. Ein Thai wollte mir helfen, ich habe ihm den Namen des Hostels genannt und dann auf Google Maps gezeigt, wo es liegt. Er wollte genauer schauen und nahm mein Handy in die Hand. In diesem Moment überkam mich der Gedanke: Was, wenn er jetzt gleich mit meinem Handy wegrennen will? Es stellte sich heraus, dass er ein Tuktuk-Fahrer war und mich die 300 Meter fahren wollte, doch dass ich so schlecht von ihm denke, gab mir ein schlechtes Gewissen. Ich hatte mich auf Koh Kood mit Tobi, dem anderen Lehrer aus Deutschland, darüber unterhalten und er meinte, er hatte ebenfalls schon des Öfteren genau dieselben Gedanken gehabt. Er hatte dann auch immer ein schlechtes Gewissen gehabt. Wir merkten einfach beide immer wieder, dass dort ganz normale, nette und hilfsbereite Menschen gegenüberstanden, die uns helfen und nicht schaden wollten. Da kann man nur ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man in diesen Situationen denkt, man hätte einen Gauner vor sich.

Solche kleinen Situationen passierten immer wieder. Beispielsweise empfand ich es als total unangenehm, meinen Rucksack einfach neben meinem Bett in meinem Hostel stehen zu lassen. Dort konnte im Grunde jeder ein- und ausgehen. Die Wertsachen konnte man einschließen, was ich auch tat, aber allein die Möglichkeit, jemand könnte an meinem Rucksack interessiert sein, gab mir ein Gefühl der Unsicherheit und des Misstrauens. Doch ich sagte zu mir: Hier sind alle in derselben Situation. Keiner will einen geklauten Rucksack, also werden auch alle darauf achten und keiner wird etwas klauen. Ich nehme das Ganze noch anders wahr, als jemand der 2 Wochen im Urlaub ist und einen Koffer im Zimmer hat. Für mich ist mein Rucksack mein Leben und er beinhaltet alles, womit ich leben kann. Als ich im Bus nach Kambodscha saß, hatte ich die ganze Zeit Angst, mir könnte mein Rucksack aus dem Bus geklaut werden (in der Zeit, als ich den Stempel fürs Visum holte). Ich hatte bereits Geschichten gehört, in denen jemand wirklich ALLES in seinem Rucksack gehabt hat und der dann aus dem Bus geklaut wurde. Da wurde mir klar, dass ich das allerwichtigste an meinem Körper trug (Reisepass und Kreditkarte). Und wenn mein Rucksack weg wäre, würde ich eigentlich gar kein Problem haben. Ich konnte überall in der Welt Rucksäcke kaufen. Dann hätte ich vielleicht keinen Laptop mehr zum Schreiben, aber an sich kein Problem. Ich hätte dann einen viel kleineren Rucksack und viel weniger Last zu tragen. Wäre vielleicht sogar ganz angenehm, wenn man das mal so betrachtet. Aber Angst, dass mein Rucksack geklaut wird, habe ich nun nicht mehr. Das wollte ich mal gesagt haben, mit einem Lächeln.

Als ich in Lamnarai war bei Sarakom hatte ich von Anfang an das Gefühl, er könnte vielleicht versteckte Kameras installiert haben, um Fotos von mir zu machen. Oder anderer paranoider Kram. Es war für mich ja das erste Mal bei einem Fremden, der zudem noch aus einem komplett anderen Kontinent stammt und total andere Sitten hat. ABER! Sarakom war zu jeder Zeit bemüht, mir alle Wünsche zu erfüllen und mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. (Wer lesen will, was ich mit ihm erlebt habe, HIER klicken)

Auf Koh Kood ist mir etwas Anderes total deutlich geworden. Ich habe es bereits in einem früheren Post erwähnt (wer nochmal nachlesen will, HIER klicken). Auf dieser Insel scheinen die Menschen gar keinen Betrug zu kennen. Sie haben keine Angst beklaut zu werden, weil sie das selber nicht tun würden. Sie lassen Wertgegenstände herumliegen oder den Schlüssel im Motorroller stecken. Dustin erzählte mir, beim Exchange Service (Geldwechselstube) lag das komplette Geld einfach auf dem Tisch, es gab nicht mal Überwachungskameras. Das Vertrauen in die Menschen ist an manchen Orten also bedeutend größer als die Habgier und das Streben nach Gewinnmaximierung. Um ehrlich zu sein, ist es ein wunderbares Gefühl, an einem Ort zu leben, an dem man keine alltägliche Angst haben muss. Für uns Deutsche ist das normal und wir nehmen das gar nicht wahr. Aber ich habe mich schon manchmal gefragt, warum wir in Deutschland überhaupt Fahrräder anschließen müssen und dass das KEINESFALLS normal sein sollte.

 

Wir haben ja auch Angeln ausgeliehen bekommen, die wir weder bezahlen sollten noch dafür ein Pfand hinterlegen. Sie haben uns einfach vertraut, dass wir sie zurückbringen. Und wenn man solch ein Vertrauen in fremde Menschen legt und dazu noch weiß, dass alle genauso denken, dann ist so eine Geste schon gar nichts Besonderes mehr. Für mich jedoch ist es eine Geste, die ich hoch anrechne. Die mir ewig in Erinnerung bleiben wird, als gutes Beispiel, wie ich selbst sein will. Natürlich gibt es Menschen, die einen abzocken oder Schlechtes wollen. Aber wenn wir das einfach hintenanstellen und in erster Linie so gut zu anderen sind, dass wir nur Gutes in die Welt geben, dann werden wir uns mit Menschen umgeben, die genauso sind. Wir werden immer öfter Gutes mit anderen Menschen erleben und immer weniger Lügen und Tricksereien. Und dann kann es vielleicht mal passieren, dass man von einem Gauner übers Ohr gehauen wird, aber das ist dann nicht schlimm und man regt sich nicht mehr darüber auf. Man weiß dann, es ist Karma und man hat im Guten gehandelt. Wenn die Zahl dieser Menschen, die so handeln, mehr wird, haben die anderen weniger Chancen. Vielleicht ändert es sich nicht auf der ganzen Welt, aber wie am Beispiel von Koh Kood kann es in bestimmten Regionen so sein. Ich glaube, das hängt sehr davon ab, wie groß das Gefälle von Arm und Reich ist. Wie genau ich das meine, könnt ihr ja vielleicht selbst herausfinden. Ich für meinen Teil will die Angst immer mehr ablegen, weil ich mit jedem Tag lerne, dass diese Welt hier von guten Menschen nur so voll ist, die nicht nur für Geld helfen, sondern weil wir alle Menschen sind. Weil sie wissen, wie es ist, fast nichts zu haben und trotzdem zu geben. Nicht einfach bequem zu werden und auch nicht geizig, sondern einfach Mensch zu sein und Menschen sind von Natur aus hilfsbereit und ehrlich. Ich wünsche mir diese Veränderung sehr für die Welt und ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen.

Danke, dass ihr euch mit diesem Thema befasst und euch die Zeit genommen habt. Vielleicht habt ihr auch eine Meinung dazu. Ich würde sie gern erfahren, schreibt mir also etwas in die Kommentare!

 

Euer Martin

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