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Teil 1 - vier ereignisreiche Wochen in Battambang

Nachdem ich zugeben musste, dass ich in der Schule keine große Hilfe bin, wurde ich von Juan zum Royal Hotel gefahren. Dort verbrachte ich die erste Woche in einem klimatisierten Doppelzimmer für etwa 10 Euro pro Übernachtung. Es gab einen Abend, da stand ich so komisch auf, dass ich mit dem verletzten Fuß auftreten musste. Der Schmerz in dem Moment war bedeutend schlimmer als der, den ich beim Unfall verspürte. Ich war traurig über meine Unachtsamkeit und ließ mich am darauffolgenden Tag gleich früh zum Krankenhaus fahren. Nach zwei Röntgenaufnahmen, über die die Angestellten sehr stolz waren und mich fragten, ob ich sie fotografieren wollte, bekam ich Schmerztabletten, eine Knöchelschiene und den Rat, dass ich den Fuß nicht belasten sollte, wenn es weh tat. Das Ganze hat mich 88$ gekostet. Aber ich war nun auch beruhigter, dass es nichts wirklich Schlimmes war. In den nächsten Tagen sollte sich herausstellen, dass mein Bemühen, so gut wie möglich auf meine Wiederherstellung meiner Kräfte zu achten, nicht ausreichte. Im zweiten Zimmer, das ich für 3 Wochen beziehen würde, gabe es einen Ventilator und dieser war nachts bei den vorherrschenden Temperaturen alles andere als ausreichend, sodass mir das Schlafen schwerfiel.

Tagsüber suchte ich Jobs auf einer neu entdeckten Freelancer-Internetseite. Ich habe bisher 5 Jobs erledigt und über alle möglichen Themen geschrieben. Insgesamt habe ich damit meine ersten 22 Euro verdient. Mit weniger als 1 Cent pro Wort lag das Aufwand-Bezahlung-Verhältnis so niedrig, dass ich nach anderen Möglichkeiten Ausschau halte. Ich kann noch voll Freude verkünden, dass ich auf einer Seite für Blogger ein Interview abgegeben habe, um etwas Werbung zu machen und bekannter zu werden. Und über E-Mail halte ich Kontakt mit einem jungen Mann, der mich auf seinem Blog als Gastautor haben möchte. Das finde ich auch sehr cool!

 

Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, ist es äußerst frustrierend jeden Tag von früh bis abends im Hotel zu sein. Es hatte zwar eine Dachterrasse mit Jacuzzi und Hängematten, aber ich musste auch mal raus und woanders hin. In der zweiten Woche machte ich einen Ausflug zur Fledermaushöhle, da ich unbedingt sehen wollte, wie die Millionen Tiere in der Dämmerung ihre Höhle verlassen. Bevor dies geschah, wurde ich mit Motorrad auf die Bergspitze gebracht, auf der ich den Sonnenuntergang aufnahm und ein Video von der dort lebenden Affenfamilie machte. Wieder unten angekommen, setzte ich mich ins Restaurant und wartete, bis die Sonne unterging. Ein auffälliges Kreischen kündigte den Start des schwarzen Flatterstroms an und für viele Minuten hörte dieser nicht auf, aus dem riesigen Loch im Felsen herauszuschießen. Es war nicht sonderlich spektakulär, und viele Leute gingen direkt nach 5 Minuten wieder, doch wenn man genauer hinsah, erkannte man bemerkenswerte Flugmanöver und dass der Strom der Fledermäuse in sich rotierte. Und da stellten sich mir schon einige Fragen: Wohin flogen all die Millionen Fledermäuse? Wie viele Insekten mussten wohl an einem Abend gefressen werden? Haben Fledermäuse eine Reaktionszeit von 0 Sekunden? Wie sprechen sie ab, dass es losgeht, wer zuerst aus der Höhle darf? Sind die letzten an dem einen Abend, die ja erst 20 Minuten später aus der Höhle kommen und damit weniger Chancen auf Beute haben, die ersten am nächsten Abend? Von diesen Fragen fasziniert fuhr ich im Dunkel wieder zum Hotel. Insgesamt kosteten mich die Fahrt zum Berg und die Fahrt auf die Spitze 20$.


Ich bekam auch mein lang ersehntes Paket in dieser Zeit zugeschickt und war super froh darüber. Nun habe ich einen großen Haufen an tollen Geburtstagsgeschenken, die noch bis zum 1. April eingepackt bleiben, und meine neue Kamera, mit der ich bisher schon viele tolle Momente einfangen konnte. Es war äußerst spannend, echt teuer und hat sehr lange gedauert, doch am Ende ist es angekommen und das zählt.

 

Dann gab es einen weiteren Vorfall, nachdem ich sauer auf mich war, da ich meinen Fuß zu sehr belastet habe. Ich wollte mich zur Lotosfarm fahren lassen und nachmittags zum Bamboo Train. Die Lotosfarm war nicht wirklich etwas Besonderes, die Blumen an sich aber sehr. Nachdem ein Lotos verblüht ist, wachsen etwa 20 eichelähnliche Früchte in der Fruchtkapsel heran. Geröstet schmecken diese wie Kartoffeln. An der Lotosblume ist aber fast alles essbar. Die Lotosblume hat eine besondere Bedeutung in Asien, vor allem in China, da sie durch den Abperleffekt ihrer Blätter als besonders rein gilt. Ich wollte diese Blumen unbedingt von ganz nah fotografieren und bin dabei mehrmals leicht mit dem Fuß falsch aufgetreten. Ich wollte am Ende nur noch zurück ins Hotel und eine lange Pause genießen. Nachmittags ließ ich mich dann zum Bamboo Train fahren, der mich aber nicht so beeindruckte. Es wurde an den Schienen gebaut und ich hatte statt 40 Minuten Fahrt nur 10 Minuten. Für ein Foto und ein paar kurze Aufnahmen der Landschaft hat es allerdings gereicht.

Die großen Blätter des Lotos sind wasserabweisend und dadurch auch kaum schmutz- und keimanfällig. Eine ganz besondere Pflanze.
Die großen Blätter des Lotos sind wasserabweisend und dadurch auch kaum schmutz- und keimanfällig. Eine ganz besondere Pflanze.

Seit diesem Tag habe ich mir eingestanden, dass ich nicht genug dafür tue, dass mein Fuß wieder gesundwerden kann und war natürlich auch wütend auf mich. Ich wollte nicht noch länger humpeln und herumsitzen und nichts tun können. Aber meine Ungeduld hatte die Vernunft überlistet und mich in der Genesung wieder zurückgeworfen. Deshalb gab es ein paar Tage darauf die wohl bedeutendste Entscheidung meiner bisherigen Reise zu treffen. Ich wusste, dass es einfältig war, den Plan, im April mit Dustin einen Roadtrip durch Vietnam zu machen, da die Chance viel zu hoch war, dass ich meinem Fuß noch mehr schadete. Sollte ich also zurück nach Deutschland und dort erst einmal komplett gesundwerden oder so wagemutig sein und den Roadtrip trotzdem durchziehen?

 

Wofür ich mich nun entschieden habe, könnte ihr direkt morgen lesen. Außerdem werde ich euch noch die ein oder andere Geschichte aus Battambang erzählen, mir ist nämlich noch so einiges Tolles und Verrücktes passiert. Bleibt also gespannt!


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Kommentare: 2
  • #1

    Lui (Mittwoch, 28 März 2018 13:24)

    Ich wünsche dir gute Besserung! Und bin sehr gespannt auf den 2. Teil!

    Fühl dich gedrückt !

  • #2

    Anja R. (Freitag, 30 März 2018 01:15)

    Was ist denn da genau passiert mit deinem Päckchen? Das hast du schon in deinem Vlog nur angedeutet.