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Die Bremerbrüder - 2 Wochen Malaysia - Teil 1

Titel: Blutegel und Walkie-Talkies

Die letzten zwei Wochen war ich auf meinem Blog nicht wirklich aktiv. Umso mehr habe ich mich auf die Zeit mit meinem Bruder konzentriert, der mich für 2 Wochen hier in Malaysia besucht hat. Es war eine unglaubliche Zeit, über die ich nun etwas mehr erzählen möchte. Zuerst waren wir nämlich im ältesten Regenwald der Welt, im Taman Negara Pahang. In der zweiten Woche flogen wir noch nach Penang, eine kleine Insel im Norden Malaysias, auf der es mitunter das leckerste Essen des Landes geben sollte. Was wir alles erlebt haben, kann ich dir nicht erzählen, aber im Ansatz beschreiben.

In insgesamt 4 Teilen möchte ich euch von den 14 Tagen erzählen, in denen wir gemeinsam Malaysia unsicher gemacht haben. Freut euch im ersten Teil auf ein echt verrücktes Dschungelabenteuer, dass ihr so sicher noch nicht kanntet.

Ankunft im Regenwald

Nach ein paar Stunden Fahrt mit dem Bus, vorbei an einem unüberschaubaren Meer an Ölpalmenplantagen, erreichten wir Kuala Tahan - das einzige Dorf am Rand des Regenwaldes. In einem Eco-Resort, das abseits der Touristen lag, buchten wir 3 Nächte im Zelt. Inklusive Frühstück machte das 3€ pro Person pro Nacht. Gleich nach der Ankunft schnappten wir uns ein Kajak und paddelten den nahe gelegenen Fluss entlang. Wir hatten uns so sehr auf die längste Hängebrücke der Welt gefreut, auf der wir auch tolle Fotos machen wollten, doch schon vor dem Erreichen des Nationalparks hatten wir erfahren, dass diese noch einige Monate gesperrt sein würde. Wir ankerten trotzdem auf der anderen Uferseite und liefen ein wenig den Weg zur Brücke, einfach, um unsere ersten Urwaldfotos zu schießen. Die Bäume waren gigantisch groß und prahlten mit ihren weitreichenden Kronen. Überall wuchsen Lianen und Laubblätter, die so groß wie ein A3-Blatt waren, lagen überall auf dem Boden herum. Das erste Mal benutzten wir unsere Walkie-Talkies, aber der wirklich echte "Notfall" traf erst später ein.

Für Fotografen:

Stefan war mit seiner Canon 1D Mk 4 und einem Canon 300mm f4 IS USM ausgerüstet, ich schoss meine Fotos mit meiner Canon 7D und dem 70-200mm f4 IS USM. Die schweren Kameras waren zuverlässig und schossen mit den Qualitätsobjektiven auch knackig scharfe Fotos. Ich lernte in den 2 Wochen extrem viel über Fotografie dazu. Das muss ich Stefan lassen - er kann sein Wissen über Fotografie echt gut weitergeben. Ich war aber auch wirklich extremst interessiert daran und fragte viel nach.

 

Wir kehrten bald zurück zum Resort, da der Donner ein herannahendes Gewitter ankündigte. Der erste Tag endete verregnet, doch das Zelt hielt stand.

Auf in den Dschungel

Nach einer unglaublich unruhigen Nacht im Zelt (die Schlafmatten waren alles andere als bequem, aber für 3€ inkl. Frühstück erwarteten wir nicht mehr) ging es mit dem Jeep über tiefe Furchen im Schotterweg nach Kuala Tahan. Dies ist das Dorf, das direkt am Nationalpark liegt und von wo aus all die Touristen ihre Touren starten. Mit einem Boot wird man dann auf die andere Seite des Flusses gebracht, auf der sich der Regenwald befindet. Vorher schon trafen wir allerdings eine Gruppe Malaysier, die ihre Ausbildung zum Ranger vollendeten. Sie luden uns ein, mit ihnen gemeinsam eine der Strecken zu laufen. Über dieses Angebot freuten wir uns, verließen die Gruppe aber bald, da wir in eigenem Tempo laufen und Fotos machen wollten. So kam es, dass wir zurückliefen und nach etwa 2 Stunden wieder über den Fluss gebracht wurden.

Wir wollten erst einmal etwas zum Mittag essen und dann einen Weg finden, wie wir noch eine coolere Dschungel-Tour angehen konnten. Direkt sprach uns einer der Bootsfahrer an, der uns in den Norden fahren wollte. Das passte uns gut, denn so konnten wir etwa 4-6 Stunden durch den Regenwald laufen und würden vor Sonnenaufgang zurück sein. Noch ein bisschen Proviant gekauft und schon ging es los. Etwa 45 Minuten fuhren wir in einem schmalen Boot und gezückten Kameras flussaufwärts. Außer ein paar kleinen Vögelchen und einem mittelgroßen Fischadler sahen wir aber noch gar kein Wildlife. Safarin - so hieß unser Bootsmann - lud uns an einem Steg ab und direkt gingen wir los. Der Weg schien klar und so wirklich verlaufen konnte man sich nicht - dachten wir. Jedenfalls gab es ab dieser Stelle keinen Empfang mehr und eine Offline-Landkarte hatten wir uns auch nicht heruntergeladen.

Die erste Schwierigkeit ergab sich dann, als der Weg sich teilte, ohne dass ein Wegweiser uns zeigte, welcher Weg der richtige war. So nahmen wir unsere Walkie-Talkies und teilten uns auf. Mein Weg teilte sich ein weiteres Mal, doch das war noch nicht das Schlimmste. Ich lief, bis ich einen Fluss erreichte, an dem der Weg zu enden schien. Stefan kämpfte sich derzeit durch das Dickicht, um mich zu erreichen. Ekelhafte Blutegel saugten sich an unseren Waden fest. Immer wieder mussten wir mehrere gleichzeitig von den Schuhen und Socken entfernen. Wieder vereint hüpften wir über den schmalen Flussarm und fanden dann doch einen Weg. Das Ganze ging noch eine Weile, bis wir das erste Mal nach etwa 3 Stunden verrückter Dschungelsafari einen Wegweiser entdeckten. Wir glaubten unseren Augen nicht! 3 Mal lasen wir, um auch wirklich sicherzugehen, dass wir es nicht falsch verstanden. Dieses Schild sagte uns, dass wir die ganze Zeit in die falsche Richtung gelaufen waren. Anstatt Richtung Süden zurückzulaufen, waren wir weiter gen Norden gewandert.

 

Die große Wende

Ein bisschen Frust (oder Unverständnis über den komplett falschen Weg) war Stefan anzumerken, ich versuchte es mit Humor zu sehen. Blöd war nur, dass wir die ganze Strecke zurück ja bereits kannten und nichts Neues zu sehen bekamen. Mal ganz davon abgesehen, dass wir bis auf einen Hundertfüßer und übergroße Ameisen überhaupt keine Tiere zu Gesicht bekommen hatten. Nun ging es darum, sich auf dem Rückweg nicht noch mehr zu verlaufen. Immer wieder erkannten wir Stellen, an denen wir auf dem Hinweg vorbeigekommen waren. Da die Sonne mittlerweile relativ tief stand, fiel schönes gelbes Licht durch die Baumwipfel. Wir machten ein paar coole Fotos auf einem Baumstamm, der über einen Flussarm gefallen war. Dann hörten wir sehr merkwürdige Geräusche, die so laut wie eine Kettensäge waren. Wie sich kurz darauf herausstellte, war es wohl eine Art von Grille oder Zikade, die diese Geräusche verursachte.

Bald kamen wir an einen Punkt im Urwald, der uns nicht so recht bekannt vorkam. Aber etwas anderes als Weiterlaufen blieb uns nicht übrig. Wir konnten nur hoffen, dass uns bald ein Schild sagen würde, ob wir richtig waren. Dann standen wir ganz plötzlich vor einer Lichtung, an der ein Haus auf Stelzen stand, dass wir vorher nicht entdeckt hatten. Nach ein paar Sekunden fiel uns ein, dass wir bereits auf unserem Hinweg einen Ausguck hätten finden müssen. Nach einer kurzen Pause und ein paar Blicken aus dem Häuschen, suchten wir nach einem Weiterweg, doch es schien eine Sackgasse zu sein. Also liefen wir etwas zurück und entdeckten doch tatsächlich einen anderen Weg, der uns schließlich (nach weiteren 30 Minuten) wieder zum Steg führte, an dem wir abgeladen wurden.

 

Das größte Problem war nun eigentlich, dass es keine Boote gab, die uns wieder zurück zum Dorf genommen hätten. Es war zu spät. Anstatt in 5 Stunden bis zum Eingang des Nationalparks zurückzulaufen, waren wir einfach wieder zu unserem Startpunkt zurückgelaufen, der immer noch mehr als 12km vom Dorf entfernt war. Die Hoffnung schwand, dass wir noch am selben Tag in unser Resort zurückfanden und das hieß auch, dass wir kein Frühstück abbekommen würden. Also warteten wir am Steg, aber worauf? Wir saßen auf blankem Holz, mit blutverschmierten Beinen, komplett nassgeschwitzten Shirts. Unsere Vorräte waren fast vollständig leer getrunken und gegessen. Während wir notgedrungen akzeptierten, wahrscheinlich hier schlafen zu müssen, war dieser komplett lichtleere Ort der schönste Platz, um die aufgehende Milchstraße mit dem bloßen Auge betrachten zu können. Trotz all der Hoffnungslosigkeit vertrauten wir dem Leben. Angst machte sich nicht breit. Nur die Ungewissheit, was uns erwartete.

Wie wir die Nacht dann verbracht haben, ob wir vielleicht gerettet wurden oder ob uns im Dunkeln dann doch wilde Tiere begegneten, dass erfährst du in Teil 2 dieser Serie "Die Bremerbrüder - 2 Wochen Malaysia". Trage dich im Newsletter ein und du wirst direkt benachrichtigt, wenn der neue Teil erscheint.


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