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Die Bremerbrüder - 2 Wochen Malaysia - Teil 2

Titel: Dem Elefanten auf der Spur

Die letzten zwei Wochen war ich auf meinem Blog nicht wirklich aktiv. Umso mehr habe ich mich auf die Zeit mit meinem Bruder konzentriert, der mich für 2 Wochen hier in Malaysia besucht hat. Es war eine unglaubliche Zeit, über die ich nun etwas mehr erzählen möchte. Zuerst waren wir nämlich im ältesten Regenwald der Welt, im Taman Negara Pahang. In der zweiten Woche flogen wir noch nach Penang, eine kleine Insel im Norden Malaysias, auf der es mitunter das leckerste Essen des Landes geben sollte. Was wir alles erlebt haben, kann ich dir nicht erzählen, aber im Ansatz beschreiben.

In insgesamt 4 Teilen möchte ich euch von den 14 Tagen erzählen, in denen wir gemeinsam Malaysia unsicher gemacht haben. Freut euch im ersten Teil auf ein echt verrücktes Dschungelabenteuer, dass ihr so sicher noch nicht kanntet.

Hilfe, Hilfe!!!

Mittlerweile war es stockduster. Wir hatten ein Smartphone mit Licht und zwei kleine LEDs an den Walkie-Talkies, die uns nun nicht nur einmal das Leben gerettet hatten. Trotzdem gaben sie kaum Licht. Überall waren verrückte Geräusche zu hören. Und nirgends sonst war eine Lichtquelle zu entdecken. Stefan hatte schon vor einer Weile ein paar angelnde Menschen entdeckt, doch sie waren zu weit weg um nach ihnen zu rufen und ich vermutete, es waren Ureinwohner eines der im Regenwald liegenden Dörfer, die eh nicht helfen konnten. Also beschlossen wir etwas zu entspannen. Ich sprang von der schwimmenden Plattform aufs Festland, um ein paar Fotos von den Sternen zu machen. Das leise Plätschern des Flusses wurde unterbrochen, als wir gerade so richtig dabei waren, unsere Kameras auf die Finsternis einzustellen. Auf einmal huschte ein Lichtstrahl übers Wasser. Da! Noch einer! Wir rannten schnell auf die schwimmende Holzplattform zurück, dann hörten wir auch das Motorrauschen. Als das Boot in Sichtweite kam, riefen Stefan HELP HELP und direkt fiel eines der Scheinwerferlichter auf uns. Ich hatte keine Ahnung, ob das eine so gute Idee war. Bei vollkommener Dunkelheit konnte man nicht erkennen, wer da eigentlich auf dem Boot saß. Es schien doch tatsächlich in unsere Richtung zu steuern. Hoffentlich war das unsere Rettung.

Als es die Plattform erreichte, erkannten wir fünf ältere Herren mit Angelruten. Zu unserem Glück konnten sie Englisch sprechen und so erklärten wir ihnen schnell, wie wir hier gelandet waren. Unsere Hoffnung war es, dass sie uns den 45-minütigen Weg zurückbringen konnten. Doch sie erwiderten direkt, dass es nachts viel zu gefährlich war. So sprangen wir trotzdem mit aufs Boot, obwohl die Männer weiter flussaufwärts in den Norden fahren wollten. Ich hatte noch die Karte im Kopf und wusste, dass da nicht mehr viel kommen konnte. Und um 22 Uhr noch jemanden zu finden, der uns irgendwohin brachte, war auch unwahrscheinlich. Auch, wenn wir nicht wussten, wohin sie uns fuhren und ob wir dort dann besser untergebracht waren, waren wir schon mal sehr erleichtert über unsere Rettung. Die Herren waren extrem nett und boten uns ihr Essen und ihre Wasserflaschen an. Selbst die Angelrouten hatten sie direkt weggesteckt. Nach einer gefühlten Stunde erreichten wir einen Steg, an dem wir alle das Boot verließen. Wir saßen noch kurz mit den Männern zusammen, sie zeigten uns ein Foto von einem Elefanten der auf der anderen Uferseite gesichtet worden war. Dann erklärten sie uns, dass vier der Männer zurück in ihr Dorf fahren würden und wir auf die Ladefläche des Pickup-Trucks springen konnten. Völlig erschöpft, aber positiv überwältigt von der Gastfreundschaft und Güte der malaysischen Männer genossen wir den kühlen Fahrtwind, als wir nach Kuala Tahan fuhren. Die Sterne wachten über uns - so fühlte es sich an. Je näher wir dem Dorf kamen, desto mehr Wolken zogen auf und die Sterne, die uns zur Seite gestanden hatten, verschwanden.

 

Nochmal gut ausgegangen

Etwas nach 23 Uhr erreichten wir Kuala Tahan. Ich wollte Stefan gerade vorschlagen, dass wir den 1 Kilometer bis zu dem Eco Resort nun auch noch laufen könnten, als ich Safarin entdeckte, der auf uns zugelaufen kam. Er schien auch die Männer zu kennen, die uns gefahren hatten. Nachdem sie sich echt überaus nett von uns verabschiedeten, folgten wir Safarin ein paar Meter zu einem nächtlichen Warung (so nennt man kleine Imbissbuden in Indonesien und Malaysia), und wir bestellten uns noch etwas zu essen. Safarin hatte wirklich auf uns gewartet. Er erzählte uns, dass er alle Besucher, die aus dem Park kamen, beobachtet hatte und besorgt war, als er uns nicht zurückkehren sah. 

Wir genossen eiskalten Lemon Juice mit Bratreis (Nasi Goreng) und Bratnudeln (Mee Goreng), während wir auf den Fahrer warteten, der uns zum Resort fahren würde. Safarin hatte ihn gefragt. Zu dritt besprachen wir die Ideen für den morgigen Tag. In meiner Vorstellung sah dieser etwas durchgeplanter aus als der heutige. Diesmal wären wir mit einem Guide unterwegs. Es sollte sich aber sowieso herausstellen, dass meine Vorstellung ganz daneben lag.

Als es schon längst nach Mitternacht war, wurden wir noch ein letztes Mal auf einem Jeep durchgeschüttelt. Dann erreichten wir vollkommen kraftlos unser Zelt und schliefen - im Gegensatz zur ersten Nacht - tief und fest.

Am nächsten Morgen war unsere Energie wieder hergestellt und dazu verhalf uns auch das Frühstücksbuffet, bei dem wir ordentlich zulangten. Dann fuhren wir mit einer malaysischen Familie wieder nach Kuala Tahan, besorgten uns Proviant und trafen Safarin. Wir hatten ausgemacht, dass wir den Tag nutzen wollten, um den Elefanten zu beobachten, den wir schon in der vorigen Nacht auf dem Video gesehen hatten. Ich hatte angenommen, dass wir dafür wieder durch den Urwald und durch Matsch und kleine Flüsse waten mussten, doch es kam anders.

 

Die große Wende

Dieser dritte Tag im (oder am) Regenwald war unser letzter kompletter Tag dort. Was uns direkt beim Aufwachen aufgefallen war, war unsere rote Haut. Wir hatten uns extrem verbrannt bei der 45-minütigen Fahrt am Vortag. Sonnencreme hatte ich für den Trip nicht eingeplant, da Regenwald für mich hieß, dass uns Sonnenstrahlen nicht wirklich zum Verhängnis werden würden. Jetzt würden wir sogar eine ganze Stunde nach Norden fahren. Die Morgensonne war zwar noch nicht kräftig, aber nach einer Stunde in den tropischen Breiten war man locker gar gegrillt. Wir versteckten uns unter dem einzigen Tuch, das wir heute mitgenommen hatten.

 

Noch nicht so ganz eingeweiht in Safarins Plan, ließen wir uns witzigerweise genau an denselben Ort bringen, an dem wir gestern mit den Anglern ausgestiegen waren. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir ein paar kleine, bunte Vögel und endlich auch mal etwas Wildlife - zwei Otter, die am Flussufer entlang rannten.

Ich nehme es an dieser Stelle schon mal vorweg: Einen Elefanten haben wir an diesem Tag leider nicht zu Gesicht bekommen. Ich bin mir sicher, dass weder Stefan noch ich das wirklich hätten genießen können. Denn während wir vergeblich auf ihn warteten, erzählte uns Safarin, dass er wahrscheinlich von seiner Herde ausgestoßen wurde. Vielleicht hatte er sich mit dem Anführer der Herde angelegt oder er war krank. Auf dem Video, das uns gezeigt wurde, sah er zumindest klein und abgemagert aus. In meinen Augen kein Motiv, dass ich unbedingt vor meiner Linse haben musste.

Da wir nun aber schon mal hier waren, warteten wir. Insgesamt waren es glaube ich an die 6 Stunden, die wir dort verbrachten. Wir aßen wieder leckeren Reis und Nudeln, holten uns aufgrund der unterträglichen Hitze bestimmt an die 4 Stieleis pro Person und machten Fotos von allem, was sich sonst so als interessant erwies.

Als die Nachmittagshitze auch Safarin zu Kopf stieg, setzten wir uns in sein Boot und fuhren ein kleine Stück flussaufwärts, um in einen Seitenarm des Flusses zu gelangen. Diesem konnten wir aber nur ein paar Meter bis zu einer Hängebrücke folgen, da der Wasserstand extrem niedrig war. So sammelten wir wenigstens noch ein paar Fotos auf einer Hängebrücke, die wir uns so sehnlichst gewünscht hatten. Die längste Hängebrücke der Welt (so spektakulär wie es auch klingt) war nämlich schon seit einer Weile gesperrt und unzugänglich für Besucher. Nach diesem Besuch fuhren wir zurück, um noch an einer anderen flachen Stelle des Flusses zu baden. Das war endlich eine ordentliche Abkühlung.

 

Mit leichter Enttäuschung ging es dann flussabwärts wieder nach Süden nach Kuala Tahan. Während Stefan die Fahrt genoss, schoss ich noch das ein oder andere sehr beeindruckende Foto.

Fazit nach dem Dschungelabenteuer

Safarin setzte uns direkt an unserem Resort ab, das ja auch am Dschungelfluss lag. Über all die Stunden und mehr oder weniger gemeinsamen Erlebnisse hatten wir uns doch recht gut mit ihm unterhalten und vieles gelernt und erfahren. Ich glaube, ich kann für uns beide sprechen, dass uns dieser Fährmann ans Herz gewachsen ist. Die Verbindung zu ihm war alles andere als touristischer Natur, wie wohl bei den meisten anderen Besuchern, die er einfach umherfährt und über den Regenwald erzählt.

Stefan und ich wollten diesen etwas anderen Tag nicht als Niederlage anerkennen und haben folgendes Fazit unseres Dschungelaufenthaltes gezogen:
Wir haben weder Elefanten, noch Tiger, noch andere große Regenwaldbewohner entdecken können und waren auch nicht so wirklich tief im Dschungel. Es war unsere erste Erfahrung mit dem ältesten Regenwald der Welt und mit Sicherheit nicht die letzte. Wir nehmen das als Anstoß, um irgendwann nochmal hierherzukommen und dann mit Safarin tiefer in den Dschungel vorzudringen. Dann haben wir auch mehr als nur Walkie Talkies zum Überleben. Auf jeden Fall einen Kompass, um Norden und Süden unterscheiden zu können (schmunzel).

Am 4. Tag sind wir wieder zurück nach Kuala Lumpur gefahren, was übrigens eine sehr witzige Fahrt gewesen ist.

In Teil 3 der Serie "Die Bremerbrüder - 2 Wochen Malaysia" machten wir uns auf den Weg nach Penang. Diese kleine Insel im Norden Malaysias ist berühmt für unglaublich leckeres Essen und Street Art, die im Zentrum Penangs Hauptstadt verteilt sein soll. Welches Essen uns besonders gut schmeckte und ob wir alle (oder überhaupt irgendwelche) Motive der Street Art entdeckt haben, erfährst du im nächsten Teil!


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