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Die Bremerbrüder - 2 Wochen Malaysia - Teil 3

Titel: Vom Leben geleitet

Nach einem ruhigen Wochenende in Kuala Lumpur buchten wir den Flug nach Penang. Ich hatte Stefan bereits darauf eingestimmt, dass wir dort Fotos machen würden. So einen richtigen Plan hatten wir allerdings nicht. Auch eine Unterkunft wollten wir nicht im Vornherein buchen. Um 7:20 Uhr ging unser Flieger, den wir fast verpasst hätten. In letzter Minute erreichten wir das Gate. Nach nicht einmal 40 Minuten in der Luft, die Stefan schlafend verbrachte, erreichten wir noch 9 Uhr die kleine Insel im Norden Malaysias.

Penang, mit seiner UNESCO-Weltkulturerbe Hauptstadt George Town, sind die wohl wichtigste Gegend für die historische Entwicklung des Landes. Denn hier landeten die meisten der europäischen Segler und Entdecker. Truppen aus England, den Niederlanden und Portugal sollten in all den letzten Jahrhunderten diese Insel erobern, verteidigen und florieren lassen. So lässt sich auch ein großer Einfluss auf die Architektur finden. Für Stefan und mich immer wieder interessant, vor allem, wenn wir mit unseren Zoomlinsen bestimmte Ausschnitte eines Gebäudes fokussieren. Wir wollten direkt nach Georgetown, denn da gibt es interessante Streetart zu entdecken, die vom litauischen Künstler Ernest Zacharevic im Jahre 2012 zum George Town Festival angefertigt wurden. Sie sind mittlerweile das einzige, was die Touristen überhaupt nach George Town zieht. Ziemlich traurig.

 

Fotografen auf Hochleistung

Uns war die reine Street Photography aber deutlich wichtiger als irgendwelche Touristenattraktionen, sodass wir uns überraschen lassen wollten und uns keine Karte mit den Streetart-Orten besorgten, ganz nach der Devise: Würden wir auf die Streetart stoßen, dann würden wir auch Fotos davon machen. In der Stadt angekommen, legten wir direkt los und unsere Kameras liefen heiß bei all den Motiven, die wir entdeckten. Besonders auffällig waren all die älteren Herren, die auf dem Moped durch die City düsten. Ansonsten kam uns die Stadt wie eine Miniversion von Kuala Lumpur vor. Es war extrem heiß an dem Tag und wir schwitzten beim Gehen und brauchten immer wieder Schatten oder eine kühlende Klimaanlage. Wir aßen bestimmt vier Eis an dem Tag. Als wir ein Hostel fanden, fragten wir zwar nach dem Preis für eine Übernachtung, aber liefen erst einmal weiter. Man weiß ja nie.

 

 

Wir erreichten das Meer, das aber - wider unseren Erwartungen - leider ohne Strand war und auch nicht wirklich sauber. Wir probierten Polfilter und wechselten ständig von Weitwinkel zu Zoomobjektiv und wieder zurück. Manchmal wären 2 Kameras pro Person wohl effektiver gewesen, aber das zählten wir zu Luxus.

Spontan (er)leben

Wir entschieden bald, mit Grab mehr in den Westen zu fahren. Stefan wollte dem Affenstrand einen Besuch abstatten. Am Nachmittag erreichten wir Teluk Bahang, ein kleines Dort, das direkt am kleinsten Nationalpark Malaysias liegt. In diesem Nationalpark befand sich auch der Affenstrand - also wieder mitten im Dschungel. Zuerst jedoch wollten wir schauen, ob das Tony's Guesthouse, das wir als Ziel ausgewählt hatten, auch eine ordentliche Unterkunft für uns im Angebot hatte. Der Preis war jedenfalls super (10€ insgesamt), sodass wir uns entschieden, die eine Nacht dort zu schlafen. Für eine Tour zum Strand war es allerdings schon zu spät. Der Inhaber empfahl uns ENTOPIA, eine Schmetterlingsfarm, und wir packten unsere Sachen und fuhren mit den Fahrrädern, die wir kostenlos ausleihen durften, direkt dorthin. Die Fahrräder waren allerdings totale Schrottmühlen und es war sehr witzig damit durch die Gegend zu fahren. Vor allem, weil uns die Einwohner grüßten und zuwinkten. Auch wurden wir einmal von Kindern auf Fahrrädern überholt. Ein Dorf wie dieses war allemal anders als die große Hauptstadt. Die Freundlichkeit der Leute überstieg nochmal um einiges das, was ich bereits seit längerem gewohnt war.

Im Schmetterlingsgarten angekommen, für dessen Eintritt wir pro Person 14 Euro hinblättern mussten, erwarteten uns prächtige, flatternde Schmetterlinge und schon bald waren wir uns einig, dass es das Geld doch wert war. Während wir Schmetterlinge, Echsen, Spinnen, Geckos und so viele andere Tiere fotografierten, lernte ich noch mehr über Fotografie und freute mich sehr darüber. Wir hielten uns bestimmt 2 Stunden dort auf und neben all den Fotos halfen wir auch Schmetterlingen beim Schlüpfen und ihrem ersten Flug, oder genossen die Zeit, wenn sie sich auf unseren Körper setzten.

Als wir alles gesehen hatten und Hunger bekamen, machten wir uns auf den Rückweg, der eigentlich nur 5 Minuten betrug. Doch ganz spontan fuhren wir noch weiter durchs Dorf und entdeckten einen Strandabschnitt. Dort machten wir Fotos von alten Booten und Fischerzubehör. Dann suchten wir den Weg zu einem Steg, um von dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Direkt erschienen ein paar Kingfisher (Vögel von derselben Gattung wie der bekannte Eisvogel) und Stefan konnte herrliche Nahaufnahmen von ihnen einfangen. Am Strand knipsten wir erschreckend schöne Fotos (siehe unten). Bevor es dann wirklich zurück zum Guesthouse ging, genossen wir noch echt leckeres Streetfood.

Ein langer Tag geht zu Ende

Man, der Tag war extrem lang und wir hatten so  viel gesehen, erlebt und erfahren, dass es sich fast wie zwei Tage anfühlte. Am Tisch hatten wir neben etwas zu knabbern die unbrauchbaren Fotos aussortiert, um Speicherplatz für den morgigen Tag freizumachen. Ein paar Tipps bekam ich auch noch von meinem Bruder. Dann wollten wir aber beide wirklich schlafen. Denn am nächsten Morgen wollten wir ja den Affenstrand finden und wer wusste schon, was uns dieses Mal im Dschungel erwarten würde?

Ich ließ all die Stunden nochmal Revue passieren und überlegte, was mir am besten gefallen hatte. Ich war froh, mit meinem Bruder hier zu sein, definitiv. Es war einfach viel zu lange her gewesen, dass wir etwas zusammen unternommen hatten. Und dann hatten wir einfach unserem Leben vertraut und nichts geplant. Wir hatten keine Streetart gefunden, aber das war auch gar nicht schlimm. Dafür hatten wir beeindruckende Fotos von alten Menschen, noch älteren Gebäuden und Situationen, die es so nie wieder geben würde. Wir landeten an einem völlig anderen Ort, hatten eine günstige Unterkunft gefunden und fühlten uns in dieser Gegend sehr wohl.

Ich war besonders beeindruckt von dem Foto des riesigen Fisches, der tot am Strand gelegen hatte, während die Sonne unterging. Ich war sehr gespannt auf morgen. Doch, was wir zu sehen bekommen würden, konnte ich mir an diesem Abend noch nicht vorstellen!


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Kommentare: 1
  • #1

    Lutz&Rita (Freitag, 03 Mai 2019 13:00)


    LG aus der kalten Heimat.
    Ein toller Bericht mit super Fotos...
    Dass ihr beide dort zusammen seid, ist ein schöner Gedanke.
    Bleibt gesund und neugierig...
    Lutz und Rita