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4 1/2 Deutsche und ihr Fang des Lebens

Mir war schon vor meiner Reise klar, dass diese Entscheidung zu reisen heißt, sich für das LEBEN zu entscheiden. Reisen heißt leben. Und in den letzten 2 Tagen ist mir das besonders bewusst geworden. Die letzten 2 Tage kamen mir so lang vor, weil sie gefüllt waren mit Ereignissen, die wir nicht als perfekt bezeichnen, aber genau das ist das Besondere. Es zählt nicht, ob das, was wir tun, auch wirklich gelingt, sondern ob wir es überhaupt tun und dass wir Spaß damit haben.

Es kam, wie es das Leben nun mal vorbestimmt, zufällig von ihm geplant. Mir wurde zum Frühstück das Café empfohlen, das auf der gegenüberliegenden Seite der Straße liegt. Dadurch lernte ich auf direktem Wege Dustin kennen, den bloggenden, Bücher schreibenden Deutsch-Kanadier. Er ist so weltoffen und extrovertiert, dass es eine Freude ist, ihm dabei zuzusehen, wie einfach er neue Leute kennenlernt. Er erzählte mir, er wolle am Nachmittag mit einem anderen Deutschen einen Dschungelpfad erkunden gehen und vielleicht noch Schnorcheln. Später musste er wieder im Café sein, denn er hatte sich freiwillig als Aushilfe angeboten, wofür er einen Schlafplatz bekam. Das zeigte mir schon das erste Mal, dass man einfach überall helfen kann. Man braucht nicht unbedingt Internetseiten oder Apps, um die Welt zu erkunden. Man kann auch einfach drauf los starten und sich überraschen lassen.

Der Dritte im Bunde heißt Tobi, und wie es das Leben eben so gern hat, ist er Lehrer und im selben Alter wie ich. Ich muss sagen, dass beide recht unterschiedliche, aber dennoch wundervolle Charaktere sind und ich mich sehr wohl gefühlt habe in unserer 3er Kombination. Wir fuhren also zum Pfad und liefen sogleich über eine winzige Hängebrücke (die nur ein paar Zentimeter hoch über einen flachen Graben führte) in den Dschungel. Unsere Erwartungen waren hoch, wir stellten uns vor, wie wir Schlangen sahen, regenbogenfarbene Vögel und mehr. In der Realität war es einfach ein steiniger, etwas steiler Weg durch einen wilden Wald. Gar nichts Besonderes. Man konnte sich auch gar nicht verlaufen und nach ein paar hundert Metern war er bereits zu Ende. Doch wir nahmen es mit Humor, wie fast alles, was uns bisher passiert ist, liefen zurück und sahen dann sogar doch noch ein wildes Tier: Einen bemerkenswert großen Schmetterling (etwa 10 Zentimeter Flügelspannweite).

Als nächstes wollten wir Schnorcheln und liehen uns Ausrüstung im Hostel. Diese sah in etwa so aus, als hätte sie als letztes eine süße Spinne in Benutzung gehabt. Flossen gab es nur ein Paar und die waren auch schon kaputt. Wir fuhren mit den Motorrollern zu dem schönsten Strand, an dem ich jemals gewesen bin. Man konnte gefühlte 50 Meter ins Wasser laufen und es ging einem noch nicht mal bis zum Bauch.

 Ich muss dazu vielleicht erwähnen, dass man auf Koh Kut unbedingt einen Roller braucht, um alles Wichtige zu erreichen und vor allem, um all die bildschönen Sandstrände zu besuchen. Gerade zu dritt macht es sehr viel Spaß über die hügeligen Straßen zu flitzen und die Freiheit zu spüren. Da kam in jedem von uns der Wunsch hoch, Zuhause ein eigenes Motorrad oder einen Roller zu besitzen.

An diesem Tag waren die Wellen deutlich höher als normalerweise. So machte es mehr Spaß, ins Wasser zu gehen, aber das Schnorcheln hatte sich eigentlich erledigt. Zudem verlor ich den Schnorchel, den ich mir ausgeliehen hatte. Wir fuhren gleich weiter zu einem anderen Strand (der war auch wirklich sehr schön!) und ich wollte es nochmal probieren. Dann verlor ich aber auch noch meine ausgeliehene Taucherbrille. Ich musste kurz über diese „Dummheit“ lachen und grinse auch, während ich das schreibe. Wir genossen noch ein leckeres Mittagessen, das in thailändischer Gemütlichkeit auf sich warten ließ, es lohnte sich aber sehr.

Es ging weiter auf unserer Tour in das östliche Fischerdorf der Insel. Dort sollte es jemanden geben, der mal einen verletzten Affen gerettet hat und ihn noch besaß. Erst einmal schien uns keiner zu verstehen, doch dann fragte Tobi einen Jungen, der etwas Englisch konnte. Und wie es das Leben so wollte, war genau dieser Junge derjenige, den wir suchten. Er führte uns zum Affen, doch es war eher ein trauriges Erlebnis, da der Affe an einer nicht mal 50 Zentimeter langen Kette festgemacht war. Scherzhaft sagten wir zum Abschied, wir würden nachts nochmal wiederkommen, um ihn zu retten. Ich glaube, wir alle drei wünschten uns insgeheim, dass wir es wirklich taten.

Ich erkundigte mich an diesem Tag noch nach einem Tauchkurs, doch mit umgerechnet 400 Euro für den 3-Tage-Kurs war mir das Angebot eindeutig zu teuer. Ich halte weiter Ausschau. Wenn jemand einen Tipp hat, kann er mir gerne weiterhelfen.

 

Insgesamt war dieser Tag echt ereignisreich und super abenteuerlich. Wir nahmen uns vor, am nächsten Tag eine Fischertour zu machen.


Der zweite Tag, von dem ich euch erzählen will, hat den vorherigen sogar noch übertroffen. Am Morgen wurde ich vom Leben erneut überrascht. Ich habe mich mit Dustin lange übers Bloggen und Schreiben ausgetauscht, er hat mir erklärt, wie man online mit Schreiben Geld verdienen kann, welche Seiten Freelancer-Angebote bereithalten (Angebote für Freiberufler) und noch so einige interessante Kleinigkeiten mehr. Wir haben uns auch gegenseitig unsere Bücher gezeigt und über e-Book-Möglichkeiten gesprochen. Ich war in dem Moment so froh darüber, dass wir uns getroffen haben. Es scheint einfach dauernd so, als sollte das alles genau so sein.

Bevor wir uns aufmachten, haben Dustin und ich der Inhaberin des Cafés (ihr Name ist Ja – gesprochen Dscha) auf ihrem Grundstück geholfen. Er hat den Rasen mit einem rostigen Trimmer gemäht und ich mit einem Besen altes Laub zusammengefegt und Palmenblätter beseitigt. Es war ein tolles Gefühl, einem wundervollen Menschen zu helfen, der gerade erst ein Geschäft aufbaut und dies ganz alleine führt (Café, Unterkünfte, Wäsche, etc). Es hat Spaß gemacht und demnächst werden wir ihr wohl noch öfter helfen.

Um 3 Uhr nachmittags starteten wir zu fünft unsere große Fischertour. Es gesellten sich noch Benjamin und Stefan zu uns. Die beiden sind ebenfalls Deutsche und mit ihren Familien zum Urlaub auf Koh Kut.

Zu fünft über die Insel zu cruisen war ein super Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir kauften uns noch ein paar Snacks und Getränke, dann ging es bis in den Norden der Insel zum Fischerdorf. Dort angekommen führte uns der Kapitän zum Boot, das mir im ersten Moment viel zu klein vorkam. Wie sollten darauf 7 Männer (wir 5 und 2 Thais) Platz haben und dann noch Angeln können? Doch wider Erwarten funktionierte es super und so tuckerten wir mit gleichmäßigem Vibrieren etwa 2 Kilometer hinaus aufs Meer. Als der Anker auf dem Grund ankam, warfen wir total aufgeregt unsere Angeln aus, deren Haken mit kleinen Tintenfischen bespickt waren. Es dauerte überhaupt nicht lange, bis die erste Angelspitze zuckte und das aufgeregte Brüllen von 7 Männern ganze 5 Stunden lang nicht aufhören sollte. Es war so cool und besonders für alle von uns. Tobi angelte überhaupt das erste Mal in seinem Leben und für Dustin und mich war es das erste Mal auf offenen Meer. Mir passierte etwas sehr Krasses: Als ich einen Fisch an meiner Angel hatte, der richtig doll zog, war ich schon ganz gespannt, was für ein Monster ich gleich herausholen würde. Doch auf einmal blieb das heftige Ziehen aus und ich war schon enttäuscht. Ich zog den Haken raus, an dem trotzdem irgendetwas hing. Und zwar war das der Kopf von dem Fisch, der angebissen hatte. Der Rest wurde wohl von einem deutlich größeren Barracuda mitten beim Rausziehen aufgefressen. Beängstigend, wie gerade und sauber der Biss war. 

Den schwersten Fisch hat Benji gefangen.
Den schwersten Fisch hat Benji gefangen.


Wir fingen sage und schreibe 28 Barracudas und etwa 5 andere Fische. Einer davon war richtig groß und schwer. Der Anzahl entsprechend hatte es auf dem Boot bereits angefangen nach Fisch zu riechen, doch das war kein störender oder ekliger Geruch. Immerhin mussten wir auch tote Tintenfische aufspießen und die gefangenen Fische anfassen. Für Männer ist so etwas eben manchmal ein Muss und erinnert sie an das Kind in sich selbst. Die Hälfte davon schenkten wir den zwei Kapitänen, denen wir sehr dankbar für diesen preiswerten und unvergesslichen Ausflug waren. Auf der Rückfahrt hielten wir an einem Restaurant, in dem Benjamin den Menschen dort ein paar Fische überreichte, weil er ihnen sehr dankbar war. Alle zusammen fanden wir die Geste toll und hätten wahrscheinlich dasselbe getan. Wir hielten kurz darauf an einer Bar, um den Abend ausklingen zu lassen. Und dort sollte uns das Leben das letzte Mal für diesen Tag überraschen. Denn während wir echt schöner Live-Musik lauschten, stellte sich heraus, dass eine Thai-Frau uns die Fische braten wollte. Und so gab es einen großen Topf Reis, scharfe Soße und einige Barracudas für alle, die gerade in der Bar waren. Ich muss sagen, der Fisch hat übertrieben gut geschmeckt. Und Gräten hatte er kaum welche.

Die Grill-Aktion machte diesen Tag vollkommen, wir alle waren wirklich zufrieden, gesättigt und glücklich. Für den Moment waren wir eine GemeinschaftWir haben an diesem Tage einige Sachen zum ersten Mal ausprobiert, viel gelernt und vor allem haben wir uns überraschen lassen. Es gab keinen festen Plan und nur einige Erwartungen. Das hat diesen Tag mit diesen Menschen auf eine wundersame, zufällig vorherbestimmte Art und Weise perfekt gemacht.

Zusatz (süß):

Ich möchte euch nicht vorenthalten, dass es in der Bar 8 Hundewelpen gab und jedes war süßer und flauschiger als das andere. So ein kleines weiches Wesen auf dem Arm zu haben, war zusätzlich zu allem ein wunderschönes Gefühl.

 

Zusatz (makaber):

Ich möchte euch auch nicht vorenthalten, dass Benjamin uns eine weitere traurige Affengeschichte erzählte. Er wusste nämlich nicht, auf was er sich einließ, als er damals in Kambodscha mit Einheimischen jagen ging. Mit Steinschleudern hetzten sie durch den Wald und er war nur darauf bedacht, die Einheimischen nicht aus den Augen zu verlieren, damit er noch lebend zurückkam. Es stellte sich also heraus, dass die Männer über 5 Stunden einem Affen hinterherjagten, ihn dann irgendwann zu fassen bekamen und … (weitere Details lasse ich an dieser Stelle aus). Jedenfalls gab es an diesem Tag für ihn Affe zu essen. Auch das ist Leben, auf eine makabre Art.


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Kommentare: 2
  • #1

    Lutz und Rita (Donnerstag, 22 Februar 2018 20:43)

    Hallo Maddin,
    mit Freude und großer Gespanntheit erwarten wir deine Berichte. Sie sind voller Lebensfreude und Spaß. Du bist eben ein toller SCHREIBER!
    Wir sind fast bei jedem Schritt dabei und verfolgen alles sehr genau...
    Genieße weiter dein Leben und lebe mal eben �
    Es grüßen ganz herzlich bei ca. minus 5 Grad aus Cottbus deine Freunde Lutz und Rita
    P.S. Wir haben nur ein Problem...
    Lutz hat immer mehr Sehnsuch nach seinem geliebten Thailand �

  • #2

    Kristine (Freitag, 23 Februar 2018 08:34)

    Was für eine schmerzvolle Rettung. Ich hätte den Affen befreit! Viel Spaß noch weiterhin.