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Frage und Antwort zu meiner Reise

Dieser Beitrag ist all den lieben Menschen gewidmet, die sich so sehr für meine Reise interessieren, dass sie mich persönlich angeschrieben haben. Ich hoffe, es ist interessant und ihr hinterlasst am Ende einen Kommentar.

 

1. Hast du einen Plan im Kopf, wohin du noch reisen willst? Was du noch alles sehen möchtest?

 

Ich habe keinen Plan, aber eine Liste von verschiedenen Ländern, Orten, Aktivitäten, die du hier nachlesen kannst. Da ich vor meiner Reise viele Informationen eingeholt habe, war Myanmar immer mein Favorit. Nachdem ich aber ein Land besser kennengelernt habe, wollte ich am liebsten in jedem dieser Länder länger bleiben. Das ist also alles ständig im Wandel.

 

2. Wie lernst du dort die Menschen kennen? Über eine Organisation oder über deine Herberge?

 

In Hostels lernt man Gleichgesinnte kennen, aber mit der Zeit ist man es leid, immer dieselben Geschichten zu erzählen und dieselben Fragen zu beantworten. All die anderen Menschen lerne ich im direkten Austausch kennen. Das beginnt beim Mittagessen im Restaurant, bei dem man einfach mit dem Inhaber ins Gespräch kommt. Geht man abends aus, ist die Chance immer hoch, dass man einen interessanten Menschen trifft oder unglaubliche Geschichten erzählt bekommt. Das macht für mich den besonderen Reiz einer Reise aus. Der Kontakt zu den Menschen, die wirklich in dem Land leben. Aber zum Beispiel wollte ich auf Lembongan einfach in Ruhe zu Abend essen, da hat mich ein älterer, angetrunkener Herr begleitet, ohne, dass ich das wollte. Kurze Zeit später hat er mir von seinem Leben erzählt. Dass er 65 Jahre alt ist, davon 40 Jahre lang durch die Welt gereist ist, das letzte Mal vor 5 Jahren zu Hause war und dass er all das Geld dafür mit dem Transport von Drogen gemacht hat. So etwas ist ein einzigartiger Abend!

 

3. Schlägst du dich nur mit Englisch durch oder musstest du auch schon eine andere Sprache/Wörter lernen?

 

Ich habe vor meiner Reise nie durchgängig Englisch gesprochen, Serien eigentlich nie auf Englisch geschaut und nur ein einziges englischsprachiges Buch gelesen. Anfangs war ich deshalb sehr eingeschüchtert und immer gleich genervt, wenn ich ein Wort nicht wusste. Mittlerweile fühle ich mich sehr sicher, auch wenn sich mein Vokabular immer noch sehr begrenzt anfühlt. Ich kann die fehlenden Vokabeln oft sehr gut umschreiben.

In Indonesien habe ich sehr schnell angefangen, die Landessprache zu lernen. Denn Bahasa Indonesia ist super leicht zu lernen. Es gibt weder Zeitformen noch verändern sich die Wörter stark. Und es wird alles geschrieben, wie es gesprochen wird. Ein Deutscher kann also im Grunde fließend Bahasa lesen, auch wenn er davon kein einziges Wort versteht. Saya bahagia! – Ich bin glücklich!

4. Geht es dir besser? Also hat sich das eingestellt, wonach du am Anfang deiner Reise gesucht hast?

 

Ich war anfangs ja auf der Suche nach mir selbst. Im Grunde habe ich aber keine Ahnung, was das überhaupt bedeutet und vor allem, wann ich mich denn endlich selbst gefunden habe. Ich habe allerdings meine 3-monatige Verletzung dafür genutzt, in mich zu gehen, meinen Gedanken und Gefühlen zu lauschen und dann habe ich auch verstanden, dass alles, was passiert, seinen Sinn hat. Ich brauchte zuerst diese Verletzung. Sie hat mir einen unglaublichen Schub an Selbstkenntnis möglich gemacht, sodass ich Indonesien einfach nur genießen konnte. Ich bin aber noch lange nicht dort angekommen, wo ich wirklich fühle, dass ich angekommen bin.

 

5. Wie organisiert man so etwas vorab?

 

Diese Frage sprengt eigentlich den gesamten Rahmen. Jedoch kann ich kurz zusammenfassen, was das Wichtigste für jemanden ist, der auch so eine Reise unternehmen möchte:

Zuerst solltest du Geld ansparen. Rechne mit 1000 Euro pro Monat, egal, wie sparsam du bist, egal, wie billig Südostasien ist. Es kommen Kosten dazu, die man vorher nie weiß. 10.000 Euro bedeuten also 10 Monate Reise. Es gibt aber Möglichkeiten, diese Zeit zu verlängern.

Dann solltest du wenigstens ein paar Informationen über die möglichen Länder einholen. Währung, Flora und Fauna, Religion. So bekommst du ein ungefähres Gefühl, was dich erwartet. Es wird sowieso niemals so, wie du es dir vorstellst.

Du kannst dir Apps wie Skyscanner, Booking.com oder Maps.me herunterladen.

Die wohl beste Vorbereitung ist, sich mit jemandem zusammenzusetzen, der das persönlich erlebt hat. Deshalb beantworte ich auch supergern all diese Fragen.

Am allerwichtigsten ist meiner Meinung nach der Mut. Denn wenn man nicht mutig genug ist, diesen einen wichtigen Schritt raus aus dem Alltag, aus der Wohlfühlzone zu machen, wird all die andere Vorbereitung auch nichts bringen. Hab keine Angst, es wird sich lohnen und du wirst niemals allein dort draußen sein.

 

6. Musstest du bisher arbeiten, um über die Runden zu kommen? Bekommst du Geld oder ist es „Unterkunft gegen Arbeit?

 

Die Möglichkeit, irgendwo zu arbeiten, kann die Reisedauer bedeutend verlängern. Genau das hatte ich auch vor, doch durch meine Verletzung konnte ich bisher nicht arbeiten. Ich hatte aber Glück und durfte in Thailand ganze 2 Monate bleiben, ohne für die Unterkunft zu bezahlen. In Südostasien verdient man auch kein Geld. Es ist ein Austausch mit Unterkunft und manchmal auch Mahlzeiten. Hier in Malaysia mache ich das nun das erste Mal. Ich bleibe voraussichtlich 2 Wochen an diesem Ort, bekomme Unterkunft und 3 Mahlzeiten und im Austausch dafür helfe ich mit Holzarbeiten, Streichen, Rasenmähen und ähnlichem. Ich bin gespannt, wie die Zeit werden wird.

 

7. Wieviel Freizeit hast du? Wofür nutzt du sie? Wandern, Natur, Kultur, Baden, oder nur Party?

 

Bisher war jeder Tag für mich Freizeit. Es war ein Mix aus Urlaub und Leben. Je länger ich reise, desto mehr fühlt es sich wie Leben an. Zeit, die Wochentage, alles verliert an Wichtigkeit, verschwimmt und verblasst. Etwas anstrengender sind die Tage, an denen man an einen weiter entfernten Ort weiterreist. Durch meine Verletzung waren 2 Monate meiner Reise durch Herumliegen geprägt. Kulturell bin ich nicht so versiert, war aber im Angkor Wat Tempel in Kambodscha. Dafür habe ich sehr viel meiner Zeit mit Motorroller fahren verbracht, was mir einfach ungeheuren Spaß bereitet. Ich habe lange in die Sterne geschaut, an Stränden Sonnenuntergänge genossen, Städte erkundet, Massagen bekommen, so viel Essen gegessen, so viele frisch gepresste Säfte getrunken, in Indonesien habe ich Partys genossen und getanzt, ein paar Fitnessstudios besucht, Billard gespielt und nicht zu vergessen: Fotografiert.

 

8. Welche kulturellen Besonderheiten gibt es im jeweiligen Land zu beachten?

 

Wie ich schon angesprochen habe, sollte man sich im Vornherein darüber informieren. Es gibt Seiten im Internet, die das alles ausführlich erklären. Ich habe bisher mitbekommen, dass die Religion der wichtigste Faktor für Benimmregeln ist. In Thailand gehören fast alle dem Buddhismus an, die meiner Meinung nach einfachste Religion. Man sollte respektvoll mit den Mönchen umgehen, der Kopf gilt als heilig. Und man sollte niemals laut streiten mit einem Thai. Dies gilt auch in anderen asiatischen Ländern als Verlust der Würde und kann zu großen Problemen führen. Ich habe das selbst aber nie erlebt. Wenn du nach Thailand gehst, solltest du einfach mal so ein Gebet mitmachen. Auch die chinesischen Tempel dort sind sehr interessant. Probiere das Stäbchenorakel aus.

 

Allgemein gilt auch in jedem südostasiatischen Land, dass man seine Schuhe vor der Haustür lässt.

9. Wie ist das Essen? Gibt es Essen, an das du einfach nicht herankommst?

 

Das Essen ist sehr, seeeehr lecker! Bisher habe ich kaum ein wirklich ekliges Essen entdeckt. In Bangkok sieht man allerhand. Ich erinnere mich an einen Abend, als wir in Indonesien von einer Familie zum gemeinsamen Zusammensitzen eingeladen wurden. Sie boten uns Essen an, dass ich nicht probieren wollte. Es war bräunlich, matschig und sollte irgendwelches Fleisch darstellen. Es sah eher so aus, als würden nicht mal Hunde dieses Gericht anrühren. Ich mag allgemein kein glibberiges Essen, auch kein rohes Fleisch. Seafood ist also nichts für mich. Der Geruch von gebratenem Tintenfisch ist mir bis heute unangenehm. Die Krabben tun mir außerdem ungeheuerlich leid, wenn ich sehe, wie ihre Gliedmaßen abgerissen werden für ein paar Gramm Fleisch. So bleibe ich bei Hühnchen oder vegetarischen Gerichten.

 

10. Wie ist deine allgemeine Gefühlslage? Frei und erholt? Gestresst und besorgt um die Zukunft?

 

Ich könnte nicht entspannter sein. Ich fühle mich sehr erholt, seelisch zumindest. Körperlich ist es immer etwas anstrengend bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit. Ich denke manchmal daran, wie ich mich fühlen würde, wenn ich jetzt nach Deutschland zurückgehen müsste. Es wäre ein Zwang, ohne gute Aussichten. Ich hätte gerade keine Grundlage und keine gute Idee, kein Gefühl für den passenden Job. Das gibt mir ein unangenehmes Gefühl der Unsicherheit, aber dann sehe ich wieder, dass sich neue Wege auftun, die von Deutschland wegführen, auch wenn das Geld knapp wird. Also folge ich mit sicherem Gefühl dem neuen Weg, weil es sich richtig anfühlt.

 

11. Wie gehst du vor, wenn du nun neu in Malaysia bist? Wo findest du Anschluss?

 

Ich habe in Indonesien eine junge Dame kennengelernt, die in Kuala Lumpur wohnt und sie direkt über das Land ausgefragt. Als ich dann dort ankam, durfte ich nicht nur bei ihr Zuhause schlafen, wir nutzten diesen einen Abend auch gleich für eine Stadtführung. In Indonesien habe ich meine App für Freiwilligenarbeit benutzt und bei einer Art Campingplatz angefragt und da wurde ich direkt genommen. Somit kann ich nun 2 Wochen aushelfen und bekomme dafür freie Unterkunft und Essen.

Eigentlich wollte ich in Malaysia auch tauchen gehen, aber gerade ist die Lust weniger da. Vielleicht kommt sie noch. Auf jeden Fall will ich schauen, ob ich nach Singapur komme, das südlich von Malaysia liegt.

 

12. Wie lange bleibst du genau an einem Ort? Jeden Abend woanders übernachten, auch wenn es die gleiche Stadt ist oder auch mal Monate bei einer Familie?

 

Rein technisch ist es möglich, aber ist es super anstrengend. Denn ich will meinen Rucksack nicht jeden Tag ein- und wieder auspacken. Manchmal habe ich jedoch auch schon innerhalb einer Stadt die Unterkunft gewechselt. Nicht, weil mir etwas nicht gefallen hat, sondern um zu wissen, wie andere Unterkünfte sind und auch aus Geldgründen. Beispielsweise habe ich in Denpasar in über 4 Unterkünften übernachtet.

 

13. Hast du Heimweh?

 

Ich würde es nicht als Heimweh bezeichnen. Ich vermisse ein paar Sachen und Menschen, aber nicht immer und nicht stark. Selbst in der Zeit, als es mir wegen meiner Verletzung schlecht ging, wollte ich nicht zurück. Ich habe mir gesagt: Ich bin jetzt hier. Das hat seine Gründe und die sind richtig. Dass ich nicht so stark vermisse, liegt vielleicht auch an meiner Kindheit und Vergangenheit.

 

14. Wünschst du dir manchmal, dass jemand die Dinge, die nur einmal passieren, mit dir zusammen erlebt?

 

Ja, sehr! Vor allem, weil unglaublich viele Reisende Pärchen sind. Ich denke da direkt an Sonnenuntergänge. Viele habe ich nicht allein angeschaut (zum Beispiel mit Jah oder Dustin), aber es war trotzdem nie dieses Gefühl, dass ich dort mit der richtigen Person bin. Mir fehlt auf jeden Fall eine Person, mit der ich gemeinsam durch die Welt reisen kann. Mit der ich über die Dinge reden kann, die mich wirklich beschäftigen. Die genau versteht, warum ich so fasziniert von den Sternen bin. Mit der ich verrückte Sachen erleben kann, tanzen, lachen, singen, springen kann. Wer wünscht sich das nicht? Ich glaube manchmal reicht es schon, wenn man seine Faszination jemandem mitteilen kann, der sie genauso erlebt wie man selbst. Oder von der man ohne Worte weiß, dass sie dasselbe fühlt und denkt. Trotz allem genieße ich es, alleine zu reisen.

 

15. Was hast du auf deiner Reise gelernt?

 

Zum Abschluss meine Lieblingsfrage! Vor allem, weil ich das selber gar nicht so mitbekomme, was ich alles lerne, durch diese Frage aber sehr viel gefunden habe.

Ich habe meine inneren Ängste gesehen. Und daraufhin habe ich gelernt, mich immer weniger um die eventuellen Reaktionen anderer zu kümmern und mein Ding zu machen.

Ich habe gelernt, dem Leben zu vertrauen und geduldiger zu sein, auch wenn das als Widder immer noch schwerfällt. Alles kommt zu seiner Zeit.

Ich habe gelernt, dass es keine Zufälle gibt und dass jeder Mensch in meinem Leben einen besonderen Sinn hat. So weiß ich auch, dass es das Beste war, was mir passieren sollte, als ich meinen Unfall hatte.

Ich habe verstanden, welchen positiven Einfluss ich auf die Menschen zu Hause hatte, was ich damals nie gesehen habe.

Ich habe Indonesisch gelernt, habe mein Englisch verbessert und viele neue Wörter gelernt.

Ich habe gelernt, dass dort mehr Vertrauen in die Menschheit zu finden ist, wo weniger Reichtum vorherrscht. Und dass der Anteil der Kriminalität mit dem Wohlstand zusammenhängt.

Ich habe gelernt, dass ich auch ohne Plan und ohne direktes Ziel nicht verloren gehe.

Ich habe Tauchen gelernt.

Ich habe viel aus meiner Kindheit aufgearbeitet und gelernt, dass die kleinsten Dinge zu tiefem, völlig unbegründeten Selbsthass führen können. Und dass es Menschen gibt, die einem bei dieser Aufarbeitung besser helfen können als jeder Psychologe. Danke an Ramon, den ich im Grunde schon vor 4 Jahren in meinem ersten Roman über das Seelenerbe beschrieben habe.

 

Das ist nur eine kleine Auswahl von all dem, was ich in dem halben Jahr über mich und andere gelernt habe.

 

Ich bedanke mich bei den neugierig Fragenden und ihrem großen Interesse und hoffe, dass ich mit meinen Antworten ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann. Solltet ihr weitere Fragen haben, mailt mir oder schreibt mir bei Whatsapp, Instagram, Facebook.

DANKE für euer großes Interesse!

 

 

Euer Martin


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Kommentare: 1
  • #1

    Lutz & Rita (Mittwoch, 01 August 2018 16:24)

    Hallo Maddin,
    die Fragen und deine Antworten sind auch für uns sehr interessant. Vielen Dank für deine aufschlussreichen Antworten. Deine Sehnsüchte, alles mit einem seelenverwandten Menschen zu teilen, können wir beide gut nachvollziehen. Alles zu seiner Zeit! Irgendwann begegnest du diesem Menschen...und dann ist alles anders....
    Wir hoffen sehr, dass deine Reisekasse noch gut gefüllt ist und du so lange du möchtest, reisen kannst. Wir wünschen es dir!
    Alles Liebe und Gute für DICH und deine REISE.....
    Es grüßen Lutz und Rita aus Cottbus (z. Z. bei 30 Grad an der polnischen Ostsee)