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Gedankenkampf

Ich möchte von einer Beobachtung berichten, die dir zu Teilen sicherlich bekannt vorkommt. Ich bin mir sicher, dass wir alle das kennen. Nur dass meine Schilderungen wahrscheinlich bedeutend drastischer ausfallen. Wie der Titel schon ahnen lässt, geht es um Gedanken. Ich möchte verdeutlichen, in welcher Situation sich manche Menschen befinden, ohne dass irgendjemand davon etwas mitbekommt. Vergiss nicht, wie einflussreich deine Gedanken auf dein Leben sind. Das kann positiv und negativ gemeint sein.

Streitgespräch

In einer Beziehung passiert das wohl öfter als bei Singles. Man streitet sich. Bei einem Streit treffen verschiedene Ansichten von zwei verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen aufeinander und reiben. Es erzeugt Spannung, die man ertragen muss, um zu einem "Ergebnis" zu kommen. Es ist nicht leicht zu ertragen, wenn man die andere Person gern hat und Dinge ausspricht, die man nicht so meint. Viele weichen einem Streit aus, doch das Thema, das Reibung erzeugt, ist weiterhin als Knistern zu spüren. Stell dir vor, du streitest dich mit jemandem, der das Gegenteil von dir ist. Während du liebend gern ins Kino gehen willst, sagt er, dass das viel zu teuer ist, und auch sonst nennt er Gründe, die irgendwie sehr rational klingen. Du weißt, es geht darum, die gemeinsame Zeit zu genießen. Du weißt, es geht um die Nähe zum Partner, den du liebst. Und jetzt...

 

Zweigeteilter Kopf

Stell dir vor, dieser gegenteilige Partner, der dich mit seinen Argumenten etwas traurig macht, der sitzt dir gar nicht gegenüber. Stell dir vor, er befindet sich in deinem Kopf. Als wollte ein Teil von dir nicht, dass es dir gut geht. Dabei meine ich nicht den Zweifler, der uns von Erwachsenen, den Medien und der Gesellschaft antrainiert wird, sondern eine Stimme, die lauter ist als deine positiven Gedanken. Noch ein Beispiel:

 

Angenommen, du hast mit jemandem wie deinem Partner ein Treffen ausgemacht, weil ihr gern gemeinsam in den Zoo gehen wolltet. Deinem Partner kommt etwas dazwischen. Und schon während er dir schreibt "Hey du, ich muss dir etwas sagen.", verkrampft sich dein Magen, weil du weißt, was als nächstes kommt. Du atmest kurz durch, denn es ist nichts Schlimmes. Ihr könnt an einem anderen Tag in den Zoo gehen. Alles halb so schlimm. Wenn du so weit bist, sieht es ganz klar so aus, als wärst du im Gleichgewicht. Du kannst dich selbst beruhigen und dir in einer Situation, in der du enttäuscht bist, gut zureden.

 

Selbstzerstörerisch

Doch dann gibt es - zum Beispiel in meinem Kopf - eine Stimme, die sehr sehr traurige Sachen sagt. Zuerst geht es los mit "Nie hat sie Zeit für mich" oder "Am besten wir planen gar nichts mehr, weil es eh nie dazu kommt". Das kann noch weitergehen bis "Wahrscheinlich liebt sie mich gar nicht. Sie weiß gar nicht, was Liebe ist." Glaub mir nicht! Das sind Lügen, die ich mir aus unerkenntlichen Gründen selber erzähle. Vielleicht möchte ich ein Opfer sein. Jedenfalls macht es mich traurig, dass so etwas durch meinen Kopf spukt.

Und mich für diese Gedanken nicht selbst zu hassen, ist die nächste Hürde, die ich nehmen muss. Früher hätte ich diesem Gefühl nicht standhalten können und hätte vielleicht mein neues Smartphone durch den Raum geschmissen oder noch stupider, mir selber weh getan. Das bringt aber nichts außer Schaden und Leid. Heute sage ich zu mir: Das bin nicht ich. Ich muss da nur einmal durch und dieses Es loswerden, dann kann ich wirklich Ich sein.

Zentrieren

Mittlerweile spüre ich, dass nicht ich das bin, sondern etwas, dass ich all die Jahre in mir wachsen lassen habe. Es ist aber kein Teil meiner Seele. Und dieses Wissen hilft mir, den Hass und die Wut über die schiere Anwesenheit solch destruktiver Gedanken in meinem Kopf zu bändigen. Mal ganz simpel gefragt: Glaubst du, es gibt eine Macht im Universum, deren einziger Zweck es ist, Zerstörung zu stiften? Ich kann das nicht glauben. Ich sehe es als Test. Es ist Teil des Aufwachens. Die Geißeln, die uns zurückhalten, müssen wir erkennen und loslassen. Erst durch die Fähigkeit des Erkennens wurde mir bewusst, dass ich das nicht bin. Und sobald du erkennst, dass dich etwas leitet, dass nicht du selbst bist, wirst du etwas abkoppeln und diesem Etwas immer weniger Möglichkeiten geben, dir deinen Tag zu versauen.

Ich denke, Zentrieren ist dabei das Werkzeug, das ich nutze und wieder auf neutralem Boden lande. Mich erinnern an die Wahrheit. Tief durchatmen und standhalten gegen das, was da wie ein Unwetter in mir beginnt. Und dann mit einem kräftigen STOP Einhalt gebieten. Denn nichts und niemand außer mir selbst soll über meinen Gemütszustand bestimmen können.

Auflösung

Ramón Gartmann, der mir durch seine Gabe zu mehr Verständnis über meine Vergangenheit verholfen hat, sagte voraus, ich würde in naher Zukunft eine Person treffen, bei der ich mich im Zentrieren behaupten müsse. Ich denke, das ist genau das, was ich jeden Tag tue, um nicht diesen zerstörerischen Gedanken zu folgen. Ich glaube ihnen nicht mehr. Damit gebe ich ihnen immer weniger Macht über mich. Der nächste Schritt wird sein, sie nach und nach aufzulösen. Bis solche traurigen unwahren Gedanken nicht mehr in meinem Kopf vorkommen.

Ich möchte ein Leben führen, indem ich frei von solch einer Selbstmanipulation bin. Das Verrückte an diesem Wunsch ist, dass ich ehrlich gesagt nicht weiß, wie solch ein Leben aussieht. Denn solange ich mich zurückerinnern kann, waren diese Gedanken in meinem Kopf und haben mich geleitet, runtergeputzt, zerstört. Ich habe es als Realität anerkannt und akzeptiert, dass "Leben" so wahrscheinlich aussieht. Darum heißt es: Vorstellen, wie wunderschön es sein kann.

Samen säen

Um es allgemein für alle zu formulieren: Wenn du spürst, dass dich das, was du denkst, traurig macht oder runterzieht und du nur noch Wut, Hass oder ein flaues Gefühl in der Magengegend spürst, dann erinnere dich an meine Worte und wiederhole sie für dich: "DAS BIN NICHT ICH!"

Du bist nicht auf der Welt, um dich von innen selbst zu zerstören. Sieh es als Test an, erkenne diesen destruktiven Teil und lasse ihn langsam aus deinem Leben verblassen. Es wird nicht einfach und du spürst in manchen Momenten vielleicht auch Selbsthass. Dann akzeptiere einfach, dass du auf dem richtigen Weg bist. Dass diese Stimme bald keine Macht mehr über dich haben wird. Und dass Selbsthass nichts bringt, außer diese Stimme zu verstärken. Zeig ihr die kalte Schulter. Vielleicht hilft, wenn du zu dir selber sagst: "Bald bin ich dich los, wirst schon sehen!"

Der Samen, den du einst gesät hast, ist zu einem kräftigen Baum herangewachsen. Doch das heißt nicht, dass du nicht einfach einen neuen Samen pflanzen kannst. Entscheide dich heute für Veränderung und schon bald wird ein großartiger neuer Baum in dir heranwachsen, der sich bedeutend besser anfühlt. 

Du bist auf diesem Weg nicht allein. Es gibt viele Gärtner des Lebens. Ich bin auch einer von ihnen. Ich glaub an dich und deine Kraft zur Veränderung. Du bist nicht allein!

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