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Ein halbes Jahr Weltgeschichte

Ja, ich glaube es selbst kaum, aber ich habe mich wirklich schon ein halbes Jahr in der Weltgeschichte herumgetrieben. Ich habe 181 Tage in 4 Ländern verbracht. Ich war genau die Hälfte der Zeit durch meine Verletzung verhindert. Aber dadurch habe ich auch zu mir selber gefunden. Ich habe unglaubliche, aber auch unglaublich tolle Menschen kennengelernt. Ich habe den Urwald gesehen mit wilden Affen, ich habe ein Paket um die halbe Welt schicken lassen, aber ich habe noch so viel mehr. Deshalb folgt ein kurzer Überblick jedes Monats von Februar bis August.

Jedes blau markierte Wort führt euch zu einer meiner "Weltgeschichten". Ihr könnt auch einen Abstecher zu meiner To-Do-Liste machen und schauen, was ich in dem halben Jahr schon abhaken konnte.


Viel Spaß beim Lesen!

Februar:

Es fühlt sich alles noch sehr wie Urlaub an. Bin ich bald wieder in Deutschland?

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Bangkoks Verkehr ist super verrückt, Bangkok selbst laut und stinkt.

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Ich sehe den Zug, der durch einen Markt fährt und den Floating Market.

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Ich verbringe 5 Tage bei einem schwulen Thai, verlasse ihn aber vorzeitig.

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Ich fahre nach Koh Mak, lerne Mango kennen und genieße die kleine Insel.

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Es folgt die Insel Koh Kood, wo ich beim ersten Frühstück Jah und Dustin kennenlerne. Wie sich herausstellen wird, werden beide noch eine große Rolle in meiner Reise spielen.

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Nach 2,5 Wochen Reise verletze ich mir meine rechte Wade beim Versuch, Sport zu machen.

Der Krankenhausaufenthalt ist ein wunderschöner, unvergesslicher Moment.

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Mit viel zu kleinen Krücken verlasse ich Koh Kood Ende Februar und falle vom Steg, als ich auf die Fähre möchte (samt Rucksack). Fast!

 

März:

Mit Krücken geht es über die Grenze nach Kambodscha. Was für eine Tortur!

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Ich besuche 2 Tage lang den riesigen Angkor Wat Tempel, mit Krücken. Bin ich verrückt?

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Ich kann aufgrund meiner Verletzung nicht als Freiwilliger in einer Schule helfen.

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Ich wohne 3 Wochen in einem Hotel in Battambang, diese kleine Stadt wird wie eine zweite Heimat. Leider ein teurer Aufenthalt.

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Mein Geburtstagspaket aus Deutschland kommt tatsächlich an - nach 4 Tagen!

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Ich verletze mich an der Achillessehne und bin am Tiefpunkt meiner Reise. Soll ich zurück nach Deutschland?

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Trotz allem sehe ich die Fledermaushöhle, eine Lotusfarm und fahre mit dem Bambuszug.

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Ich entscheide mich dann, zurück nach Thailand, Koh Kood zu gehen und bei Jah zu wohnen, bis ich wieder laufen kann.

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Ich lasse mir ein neues Tattoo stechen.

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Ende März treffe ich Jah in Trat wieder und lerne ihre witzigen Freundinnen kennen.

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Ich kaufe mir einen neuen Laptop, da das kleine Netbook von Windows 10 unbrauchbar gemacht wird.

 

April:

Am 1. April feiere ich meinen Geburtstag mit Jah und einem leckeren Schokokuchen, über all die Anrufe und Nachrichten freue ich mich besonders.

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Trotzdem bin ich sehr traurig, da ich nichts als Herumliegen kann. Meine Stimmung wird noch nicht besser.

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Nach einiger Zeit des Wartens kommt Pong und massiert mit unvorstellbarem Schmerz meinen rechten Fuß - ich kann endlich wieder ohne Krücken laufen!

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Ich kann das Songkran-Wasserfest miterleben.

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Jahs Familie kommt uns besuchen und wir fahren nach Klong Yai, um ihre Familie zu treffen.

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Nach einem Monat ist mein Fuß immer noch nicht komplett geheilt. Ich muss das Visum verlängern.

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In Koh Kood ist nicht viel los. Jah und ich genießen Sonnenuntergänge oder ärgern uns über thailändische Urlauber.

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Einen Tag lang säubere ich alleine einen ganzen Strandabschnitt. Ein besonderer Moment meiner Reise!

 

Mai:

Ich bekomme den ganzen Mai über insgesamt 8 schmerzvolle Massagen, bis ich endlich wieder "vernünftig" laufen kann.

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Ich fahre mit Jah nach Chanthaburi, um nach Gold zu suchen - leider vergebens.

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Ich fahre mit Jah nach Koh Chang.

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Ich veröffentliche die ersten 25 Porträts meines Projekts "Menschen meiner Reise"

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Ich habe ein Skype-Gespräch mit Ramon Gartmann, der Seelen sehen kann. Er hilft mir in einer Stunde mehr als jemals jemand zuvor.

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Ich mache mich Ende Mai endlich auf nach Pattaya - und verliebe mich in die Stadt.

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Ich lerne viele Leute kennen, kann endlich wieder tanzen und genieße das bunte Treiben.

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Am 26.5. fliege ich für 2 Tage nach Jakarta und dann nach Bali.

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Dort treffe ich Dustin wieder, und wir starten einen Roadtrip über die viel zu touristische Urlaubsinsel.

 

Juni:

  Nach einer Woche verlassen wir Bali und erkunden die Gili-Inseln und Lombok. Unsere Motorroller warten über 3 Wochen auf uns.

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Wir essen wie die Einheimischen - mit den Händen. Und wir besuchen einen versteckten Wasserfall.

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Ich gehe das erste Mal wieder in ein Fitnessstudio.

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Wir erkunden den Süden Lomboks und finden wunderschöne Strände und eine Gruppe deutscher Mädchen, die ich schon in Bali gesehen habe.

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Ein Goldgräber macht uns ein dreckiges Angebot - wir sind geschockt.

(Näheres dazu erfahrt ihr bald auf REISEGEEK.DE dem Blog meines Schreibfreundes Arjuna)

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Ich lerne, dass man auch ohne einen festen Plan einem Weg nachgehen kann. Jeden Tag ändert sich etwas.

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Wir verlängern unser Visum auf Lombok und wohnen für eine Woche in einem Haus im Dschungel, mit Schwarzaffen als Nachbarn.

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Mit neuem Visum kehren wir nach Bali zurück und trennen uns im Norden. Ich mache eine schreckliche Erfahrung mit Delfin-Foto-"Jägern" und bin sehr enttäuscht.

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Ich mache meinen SSI-Tauchschein und kann nun endlich bis 18 Meter tief tauchen.

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Ich treffe Dustin in Canggu wieder, wo ich weitere tolle Menschen treffe.

 

Juli:

Wir genießen die letzten gemeinsamen Tage und Nächte mit Parties und Rooftop-Pool.

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Am 8. Juli verabschiede ich Dustin, der zurück nach Kanada fliegt.

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Ich fahre nach Lembongan und tauche an 4 Tagen insgesamt 10 mal. Ich sehe wunderschöne Korallen, riesige Mantarochen und einen der extrem seltenen Mola Mola. Ich bin glücklich (unter Wasser).

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Ich verbringe die letzten 6 Tage in Yogyakarta auf Java, Indonesien. Wieder lerne ich tolle Menschen kennen, die mir die laute und verkehrsträchtige Stadt doch noch schmackhaft machen.

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Ich verschicke das erste Mal auf meiner Reise Postkarten - direkt 14 Stück.

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Ich genieße das Spielen in der Timezone, gehe ins Kino und bekomme zwei weitere kleine Tattoos.

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Ich besuche einen kleinen Tempel, nicht die berühmten zwei UNESCO-Welterbe, so wie all die Touristen.

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Mit schwerem Herzen und tränenden Augen verlasse ich Yogyakarta und Indonesien am 25. Juli und fliege nach Malaysia.

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Ich verbringe eine Nacht in Kuala Lumpur - alles kommt mir so europäisch vor.

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Ich fahre nach Kongkoi, wo ich für 2 Wochen als Freiwilliger aushelfe.

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Laub harken, Holz hacken, Rasen mähen - das alles bei 30 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit. Aber ich halte durch und weiß: Ich bin endlich wieder fit!

 

August:

Ich bewerbe mich für ein 1-Jahres-Visum für Australien, da über 70% meines Reisekontingents aufgebraucht sind. Jetzt heißt es warten.

Kein Tag meiner Reise glich einem anderen. Es stellte sich trotz so mancher Tiefpunkte keine Routine in diesem halben Jahr ein. Es gab außerdem Tage, an denen wusste ich nicht, wo ich abends sein werde. Aber diese Tage habe ich am meisten geliebt. Es war das Freiheitsgefühl und das starke Vertrauen, dass alles gut gehen wird, auch ohne Plan. Ich habe so viele Orte gesehen und Menschen kennengelernt, dass ich nun sagen kann, dass nicht der Abschied das Schwerste ist. Abschied ist das einzig Beständige gewesen in meinem halben Jahr. Und ich habe mich daran gewöhnt, weil ich weiß, dass immer etwas neues Tolles auf mich wartet. Doch das Schwierige daran ist, dass ich mir wünsche, die Menschen wiederzusehen. Aufgrund der Erfahrung, die ich gemacht habe, weiß ich aber, dass es oft nicht mehr dazu kommt. Und das tut dann schon mal weh.

 

Ich habe auch sehr gut verstanden, dass es einen klaren Unterschied zwischen Touristen und Reisenden gibt: Touristen kommen für Urlaub, Komfort, eine gewisse Ladung an Kultur oder Party. Sie setzen sich aber gar nicht so sehr mit dem Land auseinander, in dem sie sind. Ein Reisender erlebt das Land durch die Menschen, die darin leben. Er geht durch die Straßen mit anderen Augen. Und wenn er offen genug ist, empfängt ihn das Leben und der ein oder andere einheimische Gastgeber. So jedenfalls ist es mir unzählige Male passiert, total unverhofft und immer herzlich.

 

Ich möchte nun abschließend, nach diesem sehr groben Überblick und dem kurzen Einblick in meine Gedanken, noch kurz erwähnen, dass ich über meinen Mut und die daraus entstandene Entscheidung, meinen sicheren Job mit guter Bezahlung zu kündigen, mehr als froh bin. Ich bereue nicht eine einzige Sache. Alles hat seinen Sinn. Und jeder Tag weckt in meinem Herzen die wahre Freude übers Leben. Diese Reise ist das Erste und direkt das Beste, was ich in meinem ganzen Leben komplett selbstständig entschieden habe. Es ist eine Zeit der großen Veränderungen. Und damit diese Veränderung für mich und euch sichtbar wird, werde ich den Untertitel meiner Seite "Martin sucht sich selbst" ändern in "Martins Weltgeschichten". Denn ich schreibe Geschichten aus der Welt, die irgendwann ein Buch ergeben werden. Das weiß ich!

 

Ich danke all den Lesern und Interessierten und bin froh, dass es Leute gibt, die das, was ich erlebe mit Freude lesen. Ich bin dankbar für euch und all die Menschen, die mich auf meiner Reise begleiten und unterstützen. Mein Herz ist glücklich, auch dank euch!

 

Euer Martin

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Kommentare: 3
  • #1

    Bärbel (Dienstag, 07 August 2018 15:55)

    Hallo lieber Martin, schön, dass du dich gemeldet hast.
    Wir freuen uns, dass es dir auf deinem Selbstfindungspfad gut geht und du uns daran teilhaben lässt.
    Die wunderschönen Bilder und deine Erzählungen lassen uns ein bischen das Feeling und die Faszination der weiten Welt miterleben.
    Ich bewundere dich, dass du den Mut hattest deinen Traum zu verwirklichen.
    Wenn du dein Visum für Australien bekommst, kannst du dich vielleicht mit Kathrin konsultieren- sie lebt ja schon einige Zeit in Sydney.
    Sicher kann sie dir ein paar Tipps geben.
    Wir wünschen dir noch viele interessante Abenteuer und eine schöne Zeit auf deiner Reise und hoffen, dass wir bald wieder etwas von dir hören.
    Pass gut auf dich auf und bleib gesund.
    Ganz viele liebe Grüsse von den Jänschwaldern Bärbel, Diana, Sven und Chris .

  • #2

    Zamfoto (Freitag, 10 August 2018 20:15)

    Hi Martin,
    Nice to meet you while myself and family camping at Kongkoi. My children keep asking on where were you will be after Kongkoi. Keep update about your great journey.

  • #3

    Luise (Freitag, 10 August 2018 22:48)

    Hallöchen Martin, Wahnsinn wie schnell ein halbes Jahr vergeht! Mir kommt es so vor als wäre dein Abschied erst gestern gewesen. Ein halbes Jahr voller toller und nicht so schöner Erlebnisse und Erfahrungen! Es freut mich, dass du dich selbst gefunden hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß :) bleib gesund, froh und munter!
    Fühl dich gedrückt!