· 

Jah, die Köchin

Ihre Schoko-Bananen-Muffins - die besten, die ich jemals hatte!
Ihre Schoko-Bananen-Muffins - die besten, die ich jemals hatte!

Es kam alles so unverhofft. Ich checkte ins Eve House Hostel auf Koh Kood ein, lernte eine Österreicherin kennen und gesellte mich abends am Secret Beach mit ihr und Spaniern ans Lagerfeuer. Mir wurde zum Frühstück das Coffeeat auf der anderen Straßenseite, gegenüber vom Eve House empfohlen. Ich wollte mal auf die Empfehlung hören und stand am nächsten Morgen erwartungsvoll vorm Coffeeat. Mich begrüßte Dustin, mit dem ich ja später noch so einiges unternahm (hier lesen, was genau). Er erklärte mir, dass er der Inhaberin des Cafés frewillig half, da sie all die Aufgaben allein gar nicht bewältigen konnte. Er bekam dafür ein bisschen Rabatt aufs Essen und kostenlose Unterkunft im Zelt. Ich fand die Idee so toll von ihm, dass ich mir wünschte, auch ich könnte ihr (oder allgemein jemandem) so helfen. Interessanterweise musste er, nachdem er ihr seine Untestützung angeboten hatte, jedoch ihre Entscheidung abwarten, denn sie wollte erst zum Buddha beten und hören, ob er mit Dustins Hilfe einverstanden war. Dustin war ein guter Mensch und Buddha sagte Ja zu Jah, nur gut. (grins)

Ich weiß nicht mehr, was ich zu meinem ersten Frühstück hatte, da ich so vertieft in das Gespräch mit Dustin gewesen bin. Aber als ich Jah's (der Name der Inhaberin des Coffeeat) Muffins entdeckte, fand sie in mir ihren größten Fan. Dann gab es jeden Morgen mindestens 3 davon, zusätzlich ein hervorragendes Chicken Sandwich. Es wurde zu meinem Lieblingsfrühstück, echt richtig lecker, glaubt mir! Es gibt sonst nicht viel Essen, von dem ich so schwärme. Ich weiß noch, dass mir Dustin den Grünen Tee empfahl. Und der war wirklich tief smaragdgrün (ohne Farb- oder Zusatzstoffe) und schmeckte.

Durch Dustin, aber auch durch das leckere Essen verbrachte ich viel mehr Zeit im Coffeeat als im Eve House. Ich bemerkte, dass Jah die Köchin und Bäckerin war, aber sie hielt auch die Zelte in Takt, kümmerte sich um Wäsche, kaufte alle Zutaten ein und erledigte, was sonst noch so anfiel. Dustin war schon eine große Hilfe, auch, wenn sie vieles lieber noch alleine machte. Irgendwann fragte ich, ob ich nicht auch irgendwie helfen konnte. Ich schlug vor, das Grundstück von dem alten, braunen Laub zu befreien und tat das dann auch. Mir macht solche Arbeit sehr viel Spaß. Wenn ich einmal anfange, sprudeln die Ideen völlig über.

Sie erzählte mir, was sie alles noch für das Grundstück plante, auf dem bisher nur ihr Café und 3 Zelte standen sowie ein kleines Duschhäuschen. Der Weg war nur ein paar Meter zementiert. Sie meinte, das würde in naher Zukunft bald erledigt werden. Nachdem ich einen Großteil des Grundstücks gefegt hatte, sah es gleich viel einladender aus. Ihre Idee, den Wegesrand mit leeren umgedrehten Bierflaschen zu säumen, fand übrigens weder Dustin noch ich wirklich gut. Ich hoffe, sie überlegt sich das nochmal.

Jah hat das Cofffeeat gerade mal 5 Monate, davor führte sie ihr eigenes Restaurant. Nach dem Tod ihrer Mutter, die für sie die wichtigste Person in ihrem Leben war, hat sie eine unglaublich schwere Zeit durchgemacht. Irgendwann ging es nicht mehr und mit einem Mal veränderte sich ihr ganzes Leben. SIE veränderte ihr ganzes Leben. Sie fand zurück zum Glauben (Buddhismus) und einen Sinn für ihr Leben. Sie schwor sich, nie wieder Alkohol zu trinken und auch das maßlose Leben hinter sich zu lassen. Sie begann etwas Neues - das COFFEEAT. Vielleicht etwas planlos und nicht komplett durchdacht (wir in Deutschland nennen das wahrscheinlich Konzept oder Business Plan), aber dafür mit treuem Herzen und gutem Willen. In meinen Augen reicht das manchmal vollkommen aus. Vor allem, wenn man anderen Leuten Gutes tun will und nicht das Ziel verfolgt, immer mehr Gewinn zu machen und das Unternehmen zu vergrößern.

Wir grillen gemeinsam mit einigen anderen den Fang unseres Lebens.
Wir grillen gemeinsam mit einigen anderen den Fang unseres Lebens.

Ich habe das Gefühl, in nur wenigen Tagen hat sich zwischen uns Dreien - Jah, Dustin und mir - eine ganz besondere Freundschaftsbeziehung entwickelt. Gerade durch die Verständigung, die mir manchmal wie hundert kleine Rätsel, verteilt über den Tag, vorkam, und die positive Energie der Insel und von uns, fühlte ich mich ganz besonders wohl. Zum Ende hin, weil ich nun auch wie Dustin im Coffeeat wohnte und auch durch meine Verletzung (hier lesen, was passiert ist), bekochte uns Jah zum Abend, ohne dass wir dafür bezahlen mussten. Es war ein ständiges Bedanken und Geben. Wir gaben von Herzen, was wir konnten und sie dankte es uns, in dem sie gab, was sie konnte. Die Tage waren gefüllt mit Dankbarkeit. Dankbarkeit an diesem Ort wohnen zu dürfen, Essen zu bekommen und all die Kleinigkeiten zu erleben, die noch so passierten. Sie half uns den riesigen Fisch unserer Angeltour zu braten, sie zeigte mir, wie sie Mango und anderes Obst zubereitete, kochte Tom Yam (Hot Pot) für uns und versorgte meinen Fuß die ganze Zeit mit Eis. Ich bedankte mich an einem Abend, in dem ich den beiden zeigte, wie man Paracord-Anhänger herstellte. Sie war so stolz und stattete all ihre Schlüssel mit einem Anhänger aus. Für mich ein kleines Wunder, denn sie wird lange an diesen Abend denken und sich an mich erinnern. Dieser Gedanke macht mich glücklich.


Schau in meine Vlogs

Wie ich nach Kambodscha kam



Jah hat uns mächtig beeindruckt, als sie uns ihr Alter verriet. Während wir sie auf 35 Jahre schätzten, war sie schon 48 Jahre alt. In Echt hat man das wirklich nicht einschätzen können! Sie klagte auch mal über Rückenschmerzen, als wir gemeinsam dinierten. So kam es, dass wir ihr am nächsten Tag eine Massage schenkten und auf ihr Café aufpassten, während sie statt 1 Stunde sogar 2 Stunden wegblieb. Wir freuten uns so sehr, ihr diese Freude machen zu können, und dass sie diese auch wirklich annahm.

 

Jah ist eine Köchin mit Herz für ihre Gäste. Ihren Traum hat sie in die Tat umgesetzt: Ein Café zu führen, in dem sie alles selber machen kann. Ihr Bestes zu geben, um die Gäste mit Essen, Getränken, Entspannung und Ruhe glücklich zu machen und vor allem den Touristen ein Gefühl von Zuhause zu geben. Es läuft vielleicht langsam an und ist an vielen Stellen verbesserungswürdig. Aber es geht ja viel mehr darum, dass sie es hat. Und jeder Tag ist ein weiterer kleiner Schritt, sich selbst und andere Menschen glücklich zu machen. Mein Wunsch, sie wiederzusehen und ihr dann wirklich helfen zu können, ist sehr groß. Ich will so gern ein wenig von meinem Organisationstalent einfließen lassen und ihr unter die Arme greifen. Ich muss ehrlich gestehen, dass dies eine Tätigkeit für mich wäre, die ich mir für einen längeren Zeitraum vorstellen könnte. Am besten ihr schaut euch mal den Vlog über Koh Kood an, dann könnt ihr euch in etwa vorstellen, wie schön es sein könnte, auf dieser tollen Insel zu arbeiten.

 

Damit ihr Café bekannter wird und der wirklich exzellente Kaffee mehr Gäste glücklich machen kann, haben Dustin und ich für Jah ein wenig Social Media Arbeit geleistet und brachten ihr Facebook Profil auf Vordermann. Ich habe dazu auch noch ein kurzes Werbevideo (mit den Mitteln, die ich habe) erstellt, über das wir uns drei alle gleichermaßen doll gefreut haben.
Ich danke Jah für die wundervolle Zeit auf der Insel, für die Hilfe und Unterstützung aufgrund meiner Verletzung und vor allem über den kostenlosen Schlafplatz, OBWOHL ich letztlich gar nicht richtig helfen konnte. Ich werde wiederkommen und ihr helfen, so gut ich kann und weiß, dass mir das viel Spaß machen wird.

 

DANKE!

Zusatz: An einem der letzten Abende schenkten wir Jah dieses süße Kuscheltier. Sie hatte bereits einen Bär zum Kuscheln und wir wollten beide, dass sie jemand beschützt, wenn wir nicht mehr da sind. Also suchte Dustin die ganze Insel ab und fand schließlich dieses Häschen. Zuerst dachten wir, es wäre schwierig einen Namen zu finden. Oder einen Namen aus Dustin und Martin zu kombinieren. Doch ein Geisteblitz durchfuhr meine grauen Zellen und ich sagte: "Klar doch, TINTIN. dusTIN and marTIN." Was für ein passender Name. Jah war hin und weg und knuddelte den Hasen gleich durch.

Seitdem erhalte ich immer wieder Fotos von ihm, damit ich auch weiß, dass es ihm (und ihr natürlich auch) gut geht. Die Begegnung mit Jah war die erste richtig intensive Reisebekanntschaft und sie hat mich in einigen Bereichen geprägt und vorangebracht. Durch sie habe ich mich überwunden, Hilfe anzunehmen. Für mich war das immer ein Unding und ich hatte sogleich das Gefühl, ich würde jemanden ausnutzen. Doch es gibt Situationen, in denen muss man sich eingestehen, dass man die Hilfe von anderen benötigt.

 

DANKE für alles!

 

Für alle Interessierten gibt es nun noch die Möglichkeit, sich mein höchst professionelles, BOMBASTISCH CINEASTISCHES Werbevideo vom Coffeeat anzuschauen, einfach den Button klicken! (Nicht zu viel erwarten ;) )

 

Wer Jah und ihr COFFEEAT unterstützen will, kann auch bei Facebook die Seite liken!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Jana (Samstag, 10 März 2018 18:49)

    Eine sehr schöne Geschichte über eine starke Frau und eine tolle Freundschaft. Das wäre ja wirklich ganz prima, wenn du später nochmal auf die Insel fährst und ihr hilfst. Schöne Idee. Mir hat das Video von Koh Kood auch am besten gefallen. Würde ich gerne mal hinreisen. Vielleicht bleibst du ja wirklich mal länger da, dann besuchen wir dich.
    LG von Mama :)