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Kambodscha - erste Eindrücke

Ich bin nun seit einer Woche in Kambodscha und kann euch die ersten Eindrücke von diesem Land schildern. Als ich ankam, bezeichnete ich es direkt als kleinen Bruder Thailands. Es hat einige Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede zu Thailand aufzuweisen. Ich bin bisher nicht wirklich dazu gekommen, Fotos von dem Land und den Leuten zu machen. Nachdem ich Siem Reap verlassen habe, um in Battambang an der Englisch-Schule zu helfen, ging es mir nicht sonderlich gut, sodass ich einfach nur ausruhen wollte und im Bett lag. Ich hoffe, ich kann in den nächsten Wochen noch einige Fotos und Videos von der Schule und den Kindern machen. Ich möchte euch so gern zeigen, wie die Kinder dort lernen, wie sie ihre Pausen verbringen und wie glücklich sie sind. Jetzt erstmal zu verschiedenen Unterkategorien meine Eindrücke von Land und Leuten.

 

Menschen

Vom Aussehen sind die Kambodschaner kaum von Thais zu unterscheiden, obwohl ich manchmal denke, dass einige gar nicht mehr wie Asiaten aussehen, sondern wie Mexikaner oder Mittel-/Südamerikaner. Alle gemeinsam haben sie dieselbe Hautfarbe, richtig schönes Braun. Kambodschaner lächeln ausgesprochen viel. Sie sind auffallend nett und hilfsbereit. Ich habe in Siem Reap, als ich am Abend ankam, nicht einmal meinen Rucksack tragen müssen (aufgrund meiner Verletzung). Wie von allein kümmerten sie sich darum, dass er auf- und abgeladen und sogar bis ins Zimmer getragen wurde. Das gab mir sogleich ein sehr willkommenes Gefühl und zauberte auch mir ein Lächeln aufs Gesicht. Auch, wenn die Tuktuk-Fahrer vielleicht etwas zu hohe Preise verlangen, so verstehe ich durch Vy zumindest, warum sie das machen (Hier nachlesen, wer genau Vy ist). Kambodscha ist ein sehr armes Land, das hauptsächlich vom Tourismus lebt. Das bedeutet, dass vor allem in der Nebensaison viele Menschen große Geldprobleme haben.

Kambodschaner l(i)eben den Dominoeffekt. Gibt es jemanden, der in einer Straße beispielsweise ein neues Kleidungsgeschäft eröffnet, so werden sich gleich Freunde und Bekannte anschließen und ebenfalls Kleidungsläden eröffnen - direkt daneben, mit exakt denselben Artikeln. Anscheinend hat sich dieses Prinzip auch beim Kauf eines Motorrollers bewährt gemacht, sodass in Kambodscha (Siem Reap und Battambang) nur eine Marke anzutreffen ist: HONDA. So gibt es maximal 2 Modelle von dieser Marke zur Auswahl. Es gab wohl auch mal einen Kambodschaner, der wollte einen Graben auf seinem Grundstück ziehen. Genau den Teil, der sich an der Straße befindet. Alle haben es ihm gleich getan, sodass die Landstraßen oft links und rechts tiefe Rinnen vorweisen. Nun findet das der ein oder andere gar nicht so praktisch und spart Geld, damit er das Loch wieder mit Erde füllen kann. Mit Sicherheit werden das dann auch wieder alle in feinster Dominomanier nachmachen. Sehr amüsant, in meinen Augen wenig effizient, aber dafür umso sympathischer.

Die Kambodschaner sprechen viel besser Englisch als die Thais. Ich habe auch schon viel mehr Schulen und Schüler gesehen als in der ganzen Zeit in Thailand. Für die Kambodschaner ist Englisch das Tor zum Geld. Wer sehr gutes Englisch spricht, hat die Chance auf gut bezahlte Jobs als Touristenführer. Hier wissen die Kinder also wirklich, wofür sie sich anstrengen und lernen.

Überall im Land fällt eins besonders negativ auf: Der Müll, der wirklich an jedem Ort einfach herumliegt. Vor allem Plastik. Schon an der Grenze sah ich, wie verschmutzt der Fluss war, da einfach alles an Müll dort reingeworfen wird. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Ich habe mir bereits Gedanken gemacht, ob es eine Möglichkeit gibt, vielleicht ein Müllsammelprojekt zu starten, um Kambodscha endlich umweltfreundlicher und für Touristen attraktiver zu machen. Es gibt aber leider noch zu wenige Kambodschaner, die an Nachhaltigkeit interessiert sind. Und die Regierung, so wurde mir erzählt, ist an so etwas überhaupt nicht interessiert. Sie haben genug damit zu tun, wieder gewählt und dann reich zu werden. 

Einer der uralten Bäume der Angkor Wat Anlage - beeindruckendes Farbenspiel der Sonne
Einer der uralten Bäume der Angkor Wat Anlage - beeindruckendes Farbenspiel der Sonne

Stadt und Verkehr

Die Städte sind super belebt, überall sind Märkte zu finden, auf denen frisches Obst, Gemüse, Fleisch und sonstige Kuriositäten verkauft werden. In der Stadt vermischen sich die verschiedensten Gerüche, von verbranntem Fleisch über Abgase bis hin zu dem Müll, der in der prallen Sonne liegt. Oft empfand ich es als unangenehm von einem Gestank in den nächsten zu geraten, aber im Grunde gibt es auch viel schlimmere Gerüche. Die Straßenränder sind gesäumt mit Handyläden, Kleidung hängt an jedem zweiten Shop. Auch oft anzutreffen sind Motorrad/Motorroller-Verkaufshäuser. Wie schon erwähnt, haben im Grunde alle Kambodschaner einen Motorroller von Honda. In Kambodscha ist es übrigens üblich, gegrillte Ratten zu essen. Diese werden in der Trockenzeit mithilfe von Fallen in Reisfeldern gefangen und sind mit den Ratten, wie wir sie kennen, nicht zu vergleichen. Sie sind "sauber".

In Kambodscha herrscht (wieder) Rechtsverkehr, was mir nach 3 Wochen Thailand total komisch vorkam. Ich habe mich auch gefragt, wie das an der Grenze abläuft, wenn der Linksverkehr zum Rechtsverkehr wird. Ich war leider so im Stress, dass ich das nicht herausbekommen konnte. In der Stadt fließt der Verkehr annähernd so verrückt über die Straßen wie auch in Thailand. Da Kambodscha aber deutlich weniger Einwohner hat, ist das Gedrängel nicht so groß. Trotzdem habe ich beobachtet, dass der Verkehr nach dem Prinzip für den Stärkeren verläuft. Zuerst dürfen immer die Busse und LKWs, dann Autos, dann Tuktuks und am Ende Motorroller und Fahrräder die Straße/Kreuzung überqueren. Es gibt fast keine Ampeln, aber sehr viele Kreuzungen. Beim Linksabbiegen wird manchmal einfach abgebogen, egal, ob frei ist oder nicht. Dann fährt ein Tuktuk halt erstmal 20 oder 50 Meter auf der falschen Fahrbahnseite, bis sich eine Lücke auftut, um auf die richtige Spur zu wechseln.

Auf Kambodschas Landstraßen sollte man besonders vorsichtig sein. Hier wird ständig gehupt, nicht, weil man sich über jemanden aufregt, sondern um Motorradfahrern zu signalisieren, dass sich ein schnelles Auto von hinten nähert. Ich habe in der Woche bereits von mehreren Verkehrstoten gehört (darunter auch Kinder, die auf dem Weg nach Hause oder zur Schule waren). Sowas ist hier leider alltäglich. Vor allem die riesigen Trucks, die ihre Ware pünktlich liefern müssen, nehmen keine Rücksicht auf unachtsame Motorrollerfahrer, sodass diese manchmal einfach umgefahren werden (absichtlich). Dass die Hemmschwelle für so ein Verhalten so niedrig ist, liegt vor allem daran, dass ein verursachter Tod im Straßenverkehr mit maximal 2200$ Strafe belegt wird. Schon ein entwürdigender Zustand für jeden, der sich im Grunde im falschen Moment am falschen Ort befindet, echt  traurig.

 

In Kambodscha wird man nur angehalten, wenn man so aussieht, als könnte die Polizei einem etwas Geld abknöpfen, beispielsweise wenn man als Tourist keinen Helm trägt. Aber nach einem Führerschein wird trotzdem nicht gefragt.

Der Ta Phrom Tempel nördlich von Angkor Wat - aufgrund meiner Verletzung konnte ich nicht hinauf oder rein...
Der Ta Phrom Tempel nördlich von Angkor Wat - aufgrund meiner Verletzung konnte ich nicht hinauf oder rein...

 Tempel

Kambodscha ist, wie Thailand auch, hauptsächlich vom Buddhismus geprägt. Auch hier ragen überall wunderschöne Tempel und Pagoden empor. Überall gibt es goldene Gebetsschreine. Der wohl bekannteste Tempel ist der Angkor Wat, der in einer riesigen Tempelanlage mit mehr als 1000 kleineren Tempeln liegt. Diese Anlage ist eines der bedeutendsten Unesco Welterbe und zieht jährlich Millionen von Touristen an. Wie es genau dort aussieht, erfahrt ihr bald in meinem 5. Vlog. Bleibt also gespannt, ich werde euch da auch einige Infos zukommen lassen, um euch auf diese wundervolle Sehenswürdigkeit einzustimmen.

 

Lügen aufgeklärt

Es ist schon witzig, mit welcher Angst vor bösen Tieren und Menschen man hier ankommt. Nur gut, dass man schnell Einheimische und hier Lebende kennenlernt um all die Mysterien aufzuklären. Schon in Thailand habe ich gelernt, dass es gar keine wirkliche Gefahr von Malaria gibt. In Kambodscha gibt es zwar sehr viele Mücken, aber dafür, dass eine von ihnen Malaria überträgt, ist die Chance fast 0. Und selbst wenn, ist es eine Malaria-Variante, die keinesfalls tödlich endet, eher eine Art Grippe, die nach einer Woche wieder verschwunden ist. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie verblüfft ich darauf reagiert habe. Ich finde es so heftig, dass uns solche Angst um diese Krankheit gemacht wird.

Weiterhin meinte Juan, dass es in Battambang Skorpione gibt. Diese seien aber überhaupt nicht gefährlich. Die können zwar stechen, aber sie sind nicht giftig. Ich dachte immer, wenn ich mal einem Skorpion begegne, renne ich so schnell wie möglich weg, weil einfach jeder Stich tödlich sein muss.

Ich möchte vor allem den letzten Teil dieses Beitrags mit einem Zitat von Aldous Huxley abschließen, mit dem ich mich in den letzten Tagen sehr gut identifizieren konnte:

 

"Reisen ist das Entdecken, dass alle Unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken."

  

Einschätzung: Ich merke, dass dies ein armes Land ist und viele Menschen Existenzängste haben (zurecht). Auf der anderen Seite sind die Menschen super zuvorkommend, hilfsbereit und fröhlich. Unglaublich, wie wohl man sich unter all den Leuten fühlt, wenn man über den Markt läuft, die Nase rümpft und trotzdem seinen Spaß daran hat. Dieses Fremde und Ferne hat seinen ganz eigenen Reiz und fasziniert auf eine einfache Art und Weise. Ich würde gern viel mehr von diesem Land sehen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fledermaushöhle, die ich an den kommenden Wochenenden aufsuchen möchte. Vielleicht erkunde ich auch noch ein, zwei Tempel. Vor allem aber will ich in der Schule helfen. Ich hoffe, dass mein Fuß nun endlich gesund wird, damit ich Kambodscha noch in vollen Zügen genießen kann. Wünscht mir schnelle Besserung.

 

Euer Martin


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Kommentare: 5
  • #1

    Jana (Mittwoch, 07 März 2018 19:39)

    Hallo Martin,
    schön, wieder von dir zu lesen. Ganz toll finde ich , dass ich jetzt viel mehr von diesem Land weiß. Prima geschrieben. Man kann es sich gut vorstellen.
    Aber vor allem wünsche ich dir ganz ganz schnell gute Besserung. Genieße die Ruhe im Hotel, werde gesund und dann geht's ab zu den Schülern. Die warten schon auf dich. Wir freuen uns hier alle auf den nächsten Vlog.
    LG von Mama :) :) :)

  • #2

    Stefan (Mittwoch, 07 März 2018 20:04)

    Das klingt echt toll und vorallem das mit Malaria ist ja wirklich überraschend! Hauptsache du bezahlst hier eine sauteure (doch unnötige) Impfung! :D
    Und dann noch eine Frage, ist es eine Existenzangst, wie selbst hier in Deutschland, einem reichen Land, herrscht? Hier hat ja auch jeder Angst um sein Hab und Gut und wenn er gefeuert wird, kann er nicht mehr leben usw.??

  • #3

    Lutz und Rita (Mittwoch, 07 März 2018 21:54)

    Danke für die tollen Infos.... Viel Neues sogar für Lutz den Asien- bzw. Thailandkenner...
    Auch wir wünschen dir, lieber Martin, alles Gute und schnelle Besserung!
    Auf ein baldiges LESEN...
    LG aus Ströbitz

  • #4

    Kimberly (Mittwoch, 07 März 2018 23:21)

    Wow, ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie viel du lernst. Es ist sehr spannend von dir zu hören. Durch dich bekommt man mal eine andere Sichtweise. Pass weiterhin auf dich auf. miss you honey<3

  • #5

    Laura (Dienstag, 03 April 2018 22:06)

    Lieber Heer Bremer wir vermissen sie und ja haben sie noch ein e schöne Reise. LG.21.Grundschule