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Mit Krücken über die Grenze

Nachdem Dustin und ich den letzten Sonnenuntergang auf Koh Kood genossen haben, hieß es am 28. Februar: Aufbrach nach Trat. Es hieß, sich vom COFFEEAT zu verabschieden und wieder einmal einen neuen Ort aufzusuchen.

Wenn ich ehrlich bin, mag ich diese Tage nicht, an denen man durch ein Land oder gleich mehrere Länder hetzt, gescheucht wird von Thais und anderen und dauernd auf all sein Hab und Gut aufpassen muss. Und ihr wisst ja, dass es diesmal für mich hieß, das ganze Vorhaben mit Krücken zu meistern. (hier etwas über meinen Unfall lesen) Das machte einfach alles nochmal unnötig komplizierter und vor allem kräfteraubender.

Ich habe am Vortag des Aufbruchs in Trat erstmal herausfinden müssen, wie ich am besten nach Siem Reap komme. Dabei fand ich einige Berichte über Abzocken beim Umtausch in kambodschianische RIEL (1 Euro = 4800 RIEL) und schlimme Geschehnisse während der Einreise nach Kambodscha (z.B. dass man gezwungen würde, teure TukTuk Fahrten zu bezahlen etc). Man sollte sich das Visum nicht von den Thais machen lassen, sondern es sich selbst besorgen. Ihr findet gleich heraus, was davon mir auch passiert ist. Ich nahm mir fest vor, ich würde sagen, wenn ich etwas nicht wollte und darauf achten, dass ich das Wichtigste bei mir trage, damit mir im Notfall nichts passieren konnte.

Als wir auf dem Weg zum Night Market in Trat waren, stieß ich auf eine Agentur, die für 600 Baht (etwa 17 Euro) eine Reise nach Siem Reap anbot. Dies sollte mit einem Minivan und Bus vonstattengehen. Sie versicherten mir, ich würde komplett nach Siem Reap gebracht, um das Visum sollte ich mich alleine kümmern. Damit war ich einverstanden.

Am nächsten Tag, den 1. März 2018, wartete ich 9:30 Uhr auf den Minivan, der etwas verspätet eintraf. Schnell wurde mein Rucksack nach hinten geschmissen und ich auf den letzten freien Platz verfrachtet. Der erste Teil der Reise bis zur Grenze dauerte, mit einer kurzen Pause von 10 Minuten, etwa 4 Stunden. Ich durfte weder mein Wasser noch meine Kopfhörer aus dem Rucksack holen. Also dümpelten meine Gedanken um alles, was am heutigen Tag noch auf mich warten würde, um das, was ich in meiner Heimat vermisste und wie ich selbst bisher die Reise wahrnahm.

An der Grenze angekommen, erwartete uns bereits der größte Trubel. Kreuz und quer einherfahrende Mopeds, Autos, denen die Mopeds fast egal waren, Gefährte, die nicht mal nach einem Gefährt aussahen und … sehr viel Müll. Das wäre für viele sicherlich ein schockierender Anblick, manch andere kennen solche Zustände vielleicht sogar schon von Zuhause. Ich selbst fand es traurig, aber es war nicht neu und es schockierte mich in dem Moment nicht. Ich habe bereits davon gelesen und mich damit beschäftigt.

Wir stiegen aus und befanden uns an einer Art Restaurant. Thais kamen auf uns zu und erklärten uns, wir sollten ihnen die Reisepässe geben (erster Zweifel war da). Sie sagten, das Visum würden sie für uns besorgen (zweiter Zweifel) und es koste nur 1500 Baht (etwa 40 Euro, nach Angaben des Internets 300 Baht mehr als erwartet – dritter Zweifel). Aber sie verteilten Kärtchen, die das Ganze etwas seriöser wirken ließen. Ich war bereit 300 Baht mehr zu bezahlen, denn dadurch sparte ich mir elendes Gerenne und Stress. Eine Stunde später klebte das Visum im Pass, ich hatte echt leckeres Essen bekommen sowie ein erfrischendes Eis und zwei Däninnen hatte ich auch kennengelernt. So war zumindest die Chance etwas geringer, dass ich verloren ging.

Der Bus brachte uns an das Grenzterminal, an dem man seine Stempel bekam. Die Gruppe rannte und ich kam kaum hinterher. Mit Krücken bei 34 Grad zu laufen ist der sportliche Gegenpart vom in der Sauna sitzen – der Effekt ist derselbe: Literweise Schweiß am ganzen Körper. Es dauerte rund eine Stunde, bis alle wieder im Bus saßen. Man musste ja auch vom ersten Stempel noch zu einem zweiten laufen, damit man offiziell in Kambodscha angekommen ist. Nebenbei bemerkte meine Nase einen dauerhaften, unangenehmen Geruch von Müll und Verwesung, der von überall herkam. Ich war sehr froh, wieder im Bus zu sitzen und den letzten Teil der Reise anzutreten. Es gab noch kurz Zeit eine Familie kennenzulernen, die mit im Bus saß. Sie kamen aus Tschechien. Da habe ich gleich ein paar Sätze auf Tschechisch gesprochen. Sie wollten für 3 Tage nach Siem Reap um der Tochter den Angkor Wat Tempel zu zeigen. Sie waren bereits schon mal dort, doch die Tochter lag mit Angina im Bett und konnte dieses Monument nicht bestaunen. Ich hoffe, diesmal klappt es!

Der letzte Teil verlief entspannt…bis wir einen kurzen Halt machten, etwa 40 Minuten vor Siem Reap. Ich kam auf die dumme Idee nach einer kambodschanischen SIM-Karte zu fragen. Im Nachhinein weiß ich nun besser, wie ich hätte reagieren sollen und was ich hätte sagen können. Aber ich war wohl wieder zu ungeduldig mit allem. Dann steckte die SIM-Karte schon im Handy, doch es fehlte etwas Geld zum Aufladen. So bin ich (ohne Handy) mit einem Typen auf dem Roller mitgefahren, um an einem Geldautomaten Geld zu holen. Ich hatte derbe Angst, der Bus würde ohne mich losfahren, doch sie versicherten mir, er würde warten.

Am Ende habe ich 30 Dollar für 30 Tage bezahlt, dann gesehen, dass sie nur 5 Dollar benutzt hat für eine 30-Tage-Aufladung und dass es auch gar nicht mit dem mobilen Internet verbinden wollte. Also war echt alles umsonst. Zumal sie so „frech“ war und meinte, das würde schon alles funktionieren, sie wolle mir ja nichts Schlechtes, ich hätte ja schon eine Verletzung. Ich bin froh, dass es nicht 300 Dollar waren, aber 30 Dollar ohne jeden Erfolg sind auch schwer zu verkraften. Man lernt halt nur daraus. Ich habe auch versucht, mich in ihre Lage hineinzuversetzen und zu verstehen, was ihre Beweggründe dafür waren.

Wir wurden dann außerhalb von Siem Reap abgesetzt (wovor im Internet gewarnt wurde), sodass wir (die Däninnen und ich) mit einem TukTuk ins Zentrum mussten. Wir bezahlten den Fahrer nach langem Hin und Her für die einzelne Fahrt, da die Masche der Fahrer ist, dass sie für mehrere Tage gebucht werden wollen, um mehr zu verdienen. Der Fahrer war aber wirklich nett, und er setzte die Däninnen an ihrem Guest House ab. Ich nutzte das WLAN, um den Namen meines Hostels herauszufinden (den hatte ich vergessen). Die Leute waren sehr nett und behilflich und ich lernte dort auch noch eine Engländerin kennen, die ebenfalls eine Muskelzerrung in der Wade hatte. Es war eine witzige Unterhaltung.

 

Etwa 20 Uhr kam ich dann endlich an, hab mich ins Bett geschmissen und diesen Text hier verfasst. Diesmal lege ich keinen Wert auf qualitative Unterhaltung. Ihr sollt hiermit einen Einblick in die verrückte Welt des Reisens erhalten, vor allem das Reisen mit Bus in ein Nachbarland.

 

Morgen erwartet euch dafür direkt ein neuer Eintrag. Ein tiefgründiger Eintrag über die Angst und manche Gefühle, die ich beim Reisen habe. Wenn ihr einen Einblick in die wundervolle thailändische Insel Koh Kut bekommen wollt, einfach hier klicken.



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Kommentare: 4
  • #1

    Jana (Donnerstag, 01 März 2018 19:01)

    Wahnsinn. Verrückt. Das hätte ich nie gewagt. Bin sehr froh , dass alles am Ende doch gut gegangen ist.
    Bin nun gespannt auf dein zweites Reiseland.
    Ganz liebe Grüße und weiterhin gute Besserung wünscht dir Mama

  • #2

    Lutz und Rita (Donnerstag, 01 März 2018 20:13)

    Lieber reisender Martin,
    wir "leiden" mit dir... halte durch... auch eine Muskelzerrung geht mal vorbei...
    Für alle deine nächsten Vorhaben wünschen wir dir ein gutes "Bauchgefühl" und weiterhin Spaß und Freude bei deinen Unternehmungen....
    LG aus dem eiskalten Cottbus�

  • #3

    Stefan (Freitag, 02 März 2018 01:10)

    Klingt ja echt verrückt man! Bin sehr froh, dass alles geklappt hat und bin nun wieder gespannt auf die nächsten Fotos!

  • #4

    Kristine (Freitag, 02 März 2018 09:00)

    Oh je. Aber am Ende wird alles gut. Und ist es nicht gut, dann ist es noch nicht zu Ende.
    Pass gut auf Dich auf!