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Der mega lustige Tanzabend

Zouk, die Zweite

Ich wollte in Kuala Lumpur unbedingt ein bisschen zu elektronischer Musik tanzen. Also fragte ich die Einheimischen oder wenn ich mit einem GRAB Fahrer unterwegs war, wo denn so die angesagtesten Clubs in dieser Stadt wären. Und immer wieder wurde mir gesagt, für elektronische Musik solle ich den Zouk Club aufsuchen. Gesagt, getan. Ich gab diesen Ort an einem Freitagabend als Ziel für meinen GRAB-Fahrer ein und dieser brachte mich auch direkt dorthin. Ich wunderte mich etwas, da ich weder Musik schallen noch bunte Lichter aufblitzen sah. Als ich dann, von Google Maps geleitet, an einem lokalen indischen Restaurant ankam, entdeckte ich das nicht beleuchtete Namensschild auf dem Dach: ZOUK. Ich konnte mir mein erstes Lachen nicht verkneifen und dachte mir, wenn ich schon mal da bin, esse ich wenigstens etwas Leckeres. Mit vollem Bauch und dem wirklich echten Zouk Club im Navi angepeilt, ging es dann voller Vorfreude weiter.

 

Die Hosengeschichte

Als ich ankam, hörte ich schon die dumpfen Bässe aus dem Eingang krachen. Wer mich kennt weiß, dass ich dann schon nicht mehr stillhalten kann und unbedingt tanzen will. Es machte sich aber in mir das Gefühl breit, dass es noch ein kleines Problem zu beseitigen gab. Und so war es auch: Ich kam nicht in den Club. Grund? Ich hatte kurze Hosen an. So ein Mist! Der Club hat echt einen Dresscode. Ich wusste, ich würde nicht zurückfahren, um eine meiner Aladdinhosen anzuziehen. Da konnte ich auch gleich zu Hause bleiben. Was gab es noch für eine Chance? Ich fragte einfach, ob sie direkt am Eingang Hosen verkauften, was sollte ich auch anderes machen? Sie gaben mir als Antwort, dass ich das wirklich konnte. Ich musste erneut herzhaft auflachen, da ich damit nicht gerechnet hatte. Ich wollte die Hose jedoch erstmal begutachten, bevor ich sie kaufte. Es war – und das ist das Witzigste an dieser Hosengeschichte – eine schwarze Jogginghose. Klar, die passt jedem! Aber bei einem Club mit Dresscode würde ich persönlich auch Jogginghosen verbieten. Ich grinste einfach, zog mich um und hatte nun meine kurze Hose in der Hand. Sollte ich damit tanzen? Nein, der Club verfügte über Schränke mit Schloss, in denen man seine Wertsachen und (in meinem Fall die kurze Hose) verstauen konnte.

 

Die Toilettengeschichte

Endlich drinnen! Man, war ich am Grinsen. Der Abend hatte noch gar nicht richtig angefangen und ich hatte bereits den höchsten Gute-Laune-Pegel erreicht. Doch es wurde ja noch getoppt. Während ich mir ein Smirnoff Ice für sage und schreibe 5 Euro die Flasche gönnte, sah ich die Angestellten froh und munter tanzen. Dann musste ich das erste Mal auf Klo. Und diesen Service werde ich mein Leben lang nicht vergessen, denn das hat sicherlich noch nie jemand von euch erlebt: Als ich hereinkam, standen dort etwa 5 Angestellte und sorgten sich um mein Wohl. Es fing damit an, dass mir einer von ihnen eine freie Kabine suchte, direkt die Tür öffnete (mit einem sehr angenehmen „Here, please, Sir!“) und sie hinter mir zuzog. Ich grinste fröhlich der Kloschüssel entgegen, spülte und öffnete die Tür. Direkt wurde mir ein Wasserhahn zugewiesen und für mich betätigt. Ich musste einfach nur die Hände drunterhalten. Der Seifenspender wurde für mich von einem zweiten Angestellten gedrückt und alle dieser kleinen Aktionen kommentierten die Männer mit „Please, Sir“. Alle in der Toilette lächelten, aber ich am meisten. Denn sich in einer Club-Toilette wie ein König zu fühlen, ist einfach der beste Service, den man sich vorstellen kann. Es ging aber noch weiter, als einer der Männer jedes einzelne Papiertuch herauszog und mir in meine nassen Hände gab. Während er also dafür sorgte, dass meine Hände wirklich trockneten, wickelte ein anderer einen Kaugummi aus. Ja, der war wirklich für mich.

Die Jungs fragten nicht mal aufdringlich nach Trinkgeld, sodass ich mich entschied, ihnen beim zweiten Toilettenbesuch dann auch etwas Trinkgeld dazulassen. Beim ersten Mal war ich einfach zu fasziniert und musste verarbeiten, was da Tolles passiert war.

 

Letztlich fand ich im Club noch einen Aufkleber, dass die Plattformen nur für die Frauen bestimmt waren. Irgendwie auch witzig. Außerdem verlor ich, aufgrund der kleinen Taschen der Jogginghose, beim Springen zur Musik mein Smartphone und fand es nicht, als ich danach suchte. Kurz blieb mein Herz stehen, weil das natürlich keinem gern passiert. Dann fragte ich einfach eine Gruppe von Leuten, ob sie ein schwarzes Telefon gefunden hätten. Der eine blickte auf den Boden und hob ein schwarzes Handy auf. Es war tatsächlich meins. Ich steckte es weg und tanzte freudestrahlend weiter. Irgendwann, nach etwa 3 Stunden in diesem Club, fühlte ich mein schwaches Bein und entschied mich nach Hause zu fahren. Die nächsten zwei Tage hatte ich übrigens in beiden Beinen Muskelkater.

 

Ich habe mittlerweile gelernt, auch allein im Club zu tanzen und glücklich zu sein, denn es reicht durchaus, wenn es die richtige Musik ist, dass ich mich gut fühle. So konnte ich diesen Abend auch ganz allein, inmitten der Menge aus all den verschiedenen Menschen, vollkommen genießen.


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Kommentare: 2
  • #1

    Jana (Freitag, 24 August 2018 19:14)

    Hallo Martin, ich musste die ganze Zeit mitschmunzeln. Was für Sachen du so erlebst. Weiter so.
    Ganz liebe Knuddler für dich :) :) :)

  • #2

    Lui (Donnerstag, 30 August 2018 18:12)

    Hey Martin, schön von dir zu hören! Ich kam beim Lesen aus dem Lachen nicht raus! Toll geschrieben, als wäre man dabei gewesen.
    Es freut mich, dass du glücklich bist!
    Fühl dich gedrückt!