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Reisen ohne Plan

Gili Gili Gili

 

Wir waren sehr daran interessiert, mehr von Indonesien zu sehen als Bali. Zumal wir nach einigen Tagen noch überhaupt nicht überzeugt von dieser Insel waren. Am selben Tag, an dem wir den Barracuda fingen und unser Abendbrot am Strand genossen, hatte ich Fährentickets nach Gili Trawangan besorgt. Dies ist eine von drei sehr berühmten und stark frequentierten Inseln nahe der Insel Lombok, die östlich von Bali liegt und etwa dieselbe Größe wie Bali hat. Zum Dreiergespann der Gili-Inseln gehören Gili T, Gili Meno und Gili Air. Alle drei dieser Inseln sind vergleichsweise winzig. Es gibt keine Autos und auch keine Motorroller, man darf also laufen oder Fahrrad fahren. Aber vor allem kann man mal die Ruhe vom Verkehrslärm genießen, was ich auch besonders begrüßt habe.

Für 175.000 Rupiah, oder auch 11 €, wurden wir in etwa 40 Minuten nach Gili T verschifft. Bei der Ankunft waren wir umzingelt von Touristen und anderen Reisenden. Wir mussten von der Fähre herunterklettern und durchs Wasser laufen - nur ein bisschen verrückt. Ich war froh, dass ich keinen Koffer durch den Sand ziehen musste.

Es erwartete mich das wirklich schönste Hostel, das ich bisher gebucht hatte: Ein kleiner Pool, überall Sitzgelegenheiten auf Bambusplattformen, eine Bar und überall Grün. Es war still und ich fühlte mich wie im Paradies. Falls mal jemand von euch nach Gili T reist, ich empfehle euch das Jati Village. Das Besondere an dem Hostel ist nicht nur das mega freundliche Personal, sondern auch Jati – der 5 Monate alte Otter, der dem Ort seinen Namen verleiht. Ich durfte sogar mit ihm im Pool schwimmen, was mir vielleicht wirklich nur ein einziges Mal in meinem Leben passieren wird.

Nach einem um eine Nacht verlängerten Aufenthalt und einer Einladung von Dan, dem Barkeeper des Hostels, entschieden Dustin und ich doch wirklich nach Lombok rüberzufahren und seine Familie zu besuchen. Er wollte uns ermöglichen, das Leben der Indonesier hautnah zu erleben. Und das Angebot haben wir natürlich sofort angenommen. Übrigens war zu der Zeit noch Ramadan, der Fastenmonat, der von Moslems gefeiert wird. So konnten wir zwar nicht unbedingt das alltägliche Leben auf Lombok erfahren, allerdings setzten wir uns dadurch mit diesem, in unseren Augen, sinnlosen „Brauch“ auseinander. Es ist unsere Meinung und die haben wir nach fast einem Monat, in dem wir diese Fastenzeit jeden Tag mitbekamen. Dafür durften wir aber mit Händen essen, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Man ist seinem Essen näher, berührt es mit dem eigenen Körper und es fühlt sich einfach anders an, ein bisschen urtümlicher.

Den letzten Abend war ich sogar noch mit Dan im Fitnessstudio, das man sich so vorstellen kann, als würde man beim Betreten 40 Jahre in die Vergangenheit reisen, überall alte Hanteln und Gewichte, und die Seilzüge sahen manchmal auch nicht mehr belastbar aus. Doch allein den Körper wieder zu beanspruchen war für mich das pure Glück. Ich konnte nicht viel machen, bis mein Körper völlig kraftlos war. Das Gefühl danach war einfach perfekt. Ihr könnt euch das vielleicht nicht vorstellen, aber ich habe es so extrem vermisst!

I love Gili T - türkises Wasser und wunderschöner Strand laden zum stundenlangen (Sonnen)baden ein
I love Gili T - türkises Wasser und wunderschöner Strand laden zum stundenlangen (Sonnen)baden ein
Mich erwartete die verrückteste Unterwasserwelt, die ich bisher beschnorchelt habe, sogar Motorroller waren unter Wasser
Mich erwartete die verrückteste Unterwasserwelt, die ich bisher beschnorchelt habe, sogar Motorroller waren unter Wasser
wunderschöne grüne Berge und eine traumhafte Reisterrassenlandschaft
wunderschöne grüne Berge und eine traumhafte Reisterrassenlandschaft

Benk, der Goldgräber

 

Als Dan zurück nach Gili T musste, liehen wir uns Motorroller aus und fuhren in den Süden Lomboks. Er hatte uns den Ort Kuta empfohlen. Uns fiel auf, dass wir in diesen Tagen im Besitz von 2 Motorroller waren, weil die ersten noch in Bali standen. Nun ja, es kam halt alles anders, als wir es anfangs geplant hatten. (Wenn ihr wüsstet, wo ich mich gerade befinde, würdet ihr genauso schmunzeln wie ich).

 

Kuta war kaum als Dorf zu bezeichnen, aber an den vielen Restaurants, Homestays und Hostels zu erkennen. Wir nutzten drei Tage, um 4 oder 5 Strände zu erkunden. Und wieder mal lernten wir Locals kennen. Zum Beispiel Benk, einen Goldgräber, doch auch dieses Mal durfte ich nicht selbst suchen (was ich mir schon in Chanthaburi, Thailand gewünscht hatte). Ich durfte mir das Prozedere ansehen, das zwar interessant war, aber wir hatten nicht mal Gold zu Gesicht bekommen. Benk lud uns ebenfalls zu einem Abend am Strand ein, wir sollten ein paar Mädels mitbringen. Diese trafen wir an einem der schönsten Strände in der Gegend. Es waren 5 Mädchen aus Deutschland. Und was besonders cool daran war: Ich hatte genau diese 5 Mädels schon einmal getroffen, nur noch nicht angesprochen. Als ich in Bali in einem Club war, hatte ich 5 Mädchen im Pool schwimmen sehen. Es stellte sich also an diesem Abend am Strand, mit Benk, ein paar seiner Freunde, Dustin und den 5 Mädels heraus, dass wir schon mal zur selben Zeit am selben Ort gewesen sind. Das Leben schreibt halt die verrücktesten Geschichten. Noch verrückter war, dass Benk sich an Dustin wandte, um ihn zu überreden, dass wir die Mädchen betrunken machten, damit er und seine Freunde sie mit nach Hause nehmen konnten. Weitere Einzelheiten erspare ich euch an dieser Stelle. Sehr schockierend und unbegreiflich, wie ein cooler Typ wie er von einer auf die nächste Sekunde so dermaßen unsympathisch werden konnte. Wir wollten ihn danach nicht mehr treffen.

Der Kuta-Beach im Süden von Lombok
Der Kuta-Beach im Süden von Lombok
Der Mawi Beach westlich von Kuta in Lombok - wunderschöner Sonnenuntergang
Der Mawi Beach westlich von Kuta in Lombok - wunderschöner Sonnenuntergang

Ramadan, der Pläne-Vernichter

 

Wir verließen Kuta, um in Mataram unser Visum zu verlängern. Doch anscheinend war nicht nur Ramadan, sondern auch offizielle Ferien, sodass das Amt gar nicht geöffnet war. Wenigstens ins Fitnessstudio gingen wir und abends erkundeten wir den sehr bekannten Senggigi-Beach, an dem ordentlich was los sein sollte. Aber der Ramadan machte uns einen Strich durch die Rechnung und so waren wir die einzigen Gäste im Marina-Café, in dem eine Band wirklich gute Live-Musik spielte.

Unser Plan, wenn man diese Fetzen von Planung so nennen kann, änderte sich wieder mal. Aber das war gut. Denn wenn man flexibel und offen genug ist, hat man weniger Stress und es finden sich mehr Möglichkeiten. Unsere beste Möglichkeit war demnach, das Visum in Mataram zu verlängern und den Senggigi Beach nochmal nach Ramadan zu besuchen. Gerade nach den Ferien hätten wir für das Visum unendlich lange warten müssen, wären wir zurück nach Bali gereist und hätten es dort verlängert. Denn da will es JEDER verlängern.

Wir entschieden uns, die Tage, die wir warten mussten, zurück nach Gili T zu gehen und die Ruhe der Insel ein weiteres Mal zu genießen. Ramadan sollte auch mit einer großen Feierlichkeit zu Ende gehen, was wir uns nicht entgehen lassen wollten. Während Gili T tagsüber trotz der vielen Touristen sehr ruhig war, konnte man abends sogar tanzen gehen oder Live-Musik genießen.

Über AirBnB fand Dustin ein Haus direkt am Dschungel, das er direkt für eine Woche buchte. Auf dem Rückweg von Gili T nach Lombok machten wir noch für eine Nacht Halt auf Gili Air, einfach um zu wissen, inwieweit sich diese Insel von Gili T unterschied. Sie ist deutlich ruhiger und für Pärchen perfekt geeignet.

 

Jetzt sitze ich hier auf der Terrasse meines Dschungelhäuschens und beobachte schwarze Affen, die direkt hier leben. Ich hoffe wirklich, dass das Geschriebene für euch wenigstens ein bisschen interessant ist, denn meine Motivation zu schreiben ist immer noch gleich Null. Hahaha

eine Kamera - viele glückliche Gesichter
eine Kamera - viele glückliche Gesichter
Perfekter Augenblick eingefangen
Perfekter Augenblick eingefangen

Ausblick auf die nächste Zeit

 

 

Eigentlich sinnlos, euch davon zu erzählen, nachdem ich betont habe, wie oft sich unsere Planung in Luft aufgelöst hat. Aber so grob vorausgeschaut, werden wir am Dienstag, den 26. Juni, unsere Visum-Verlängerung erhalten und am Mittwoch zurück nach Bali fahren. Dort wollen wir noch den Süden Balis und die Insel Nusa Penida erkunden, bis Dustin dann am 8. Juli zurück nach Kanada fliegt. Für mich heißt es dann (endlich!) wieder alleine reisen. Ich werde nach Yogyakarta fliegen und dort noch eine Weile wohnen. Vielleicht gefällt mir die Stadt so gut, dass ich dorthin zurückgehe, um ein wenig mehr in die indonesische Sprache abzutauchen. Die ist nämlich extrem einfach und macht Spaß! Saya bahagia!

die typischen Langboote der Locals, bei hohen Wellen kippen die fast um, kosten aber auch nur 15.000IDR, also 1€.
die typischen Langboote der Locals, bei hohen Wellen kippen die fast um, kosten aber auch nur 15.000IDR, also 1€.
Sonnenuntergang auf Gili T, links leicht zu sehen: Bali
Sonnenuntergang auf Gili T, links leicht zu sehen: Bali

 Zusatz: Magic Magic (nichts für schwache Menschen)

 

Obwohl in Indonesien für Drogen langjährige Haftstrafen, und in schlimmen Fällen auch die Todesstrafe, ausgeschrieben sind, sind die Gili-Inseln (und Bali) wohl eine Ausnahme. Hier wird man an jeder Ecke gefragt, ob man Marihuana oder Mushrooms kaufen möchte, in Bali übrigens auch nach Viagra oder Frauen.

Dustin und ich haben in sicherer Umgebung auf Gili T einen Magic Mushroom-Shake ausprobiert. Und auch, wenn ich damit wahrscheinlich auf Unverständnis stoße: Ich finde, man sollte es einmal ausprobiert haben, es ist einfach ein natürliches Produkt. Und die 4 Stunden, die wir dort an dem Ort saßen und uns mit uns selbst beschäftigten, waren eine der schönsten Erfahrungen meiner Reise, die ich nicht missen wollen würde. Wir haben gemerkt, dass man beginnt, sich mit sich selbst zu beschäftigen und dass man mit dem konfrontiert wird, was in einem steckt, ob es Gedanken oder Gefühle sind. Für die Außenwelt ist man fast unsichtbar und es ist fast unmöglich in dieser Zeit mit „normalen“ Menschen zu sprechen. In meinen Augen klingt das nach einer wunderbaren Gelegenheit, sich selbst zu erforschen, für viele andere wohl eher nach einer Bestrafung. Wer also nicht in sich hineinschauen möchte, um die Tiefen der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt zu erkunden, der sollte so einen Shake nicht trinken. Wer allerdings genug von den alltäglichen Medien hat, die einem nur Schwachsinn an den Kopf werfen, um uns schlicht und einfach zu beschäftigen, der … naja, entscheidet selbst.

 

Ich persönlich habe von den 4 Stunden gefühlt 3,5 Stunden gelacht und gelächelt und mich persönlichen Ängsten gestellt. Danach gab es keine Phase, in der ich mich schlecht oder energielos gefühlt habe.

Abschließend würde ich dieses Erlebnis als "Reise zum eigenen erhöhten Bewusstsein" bezeichnen.

 

Danke fürs Lesen und gerne dürft ihr es teilen oder weitererzählen.

 

Euer Martin


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Kommentare: 2
  • #1

    Jana (Samstag, 23 Juni 2018 18:39)

    Lieber Martin,
    man merkt nicht, dass du total unmotiviert bist im Moment. Erst mal sind es sehr viele Seiten, sehr interessant geschrieben und mit vielen total schönen Fotos gespickt. Ich freue mich, von dir zu lesen. Wenn ich mir die Fotos so ansehe und was du schreibst, gibt es viele Momente, wo ich absolut gerne dort vor Ort sein möchte und alles mit eigenen Augen sehen möchte. Du hast ein sehr gutes Auge, um die Momente mit der Kamera einzufangen. Ich freue mich :) :) :)
    Mach weiter so, erkunde die Welt, die Menschen, vor allem die Natur und dich selbst. Ganz ganz viele neue und schöne Erfahrungen wünscht dir deine Mama, genieße die Zeit, genieße das Leben und vor allem genieße die Zeit des alleine Reisens.
    :)

  • #2

    Lutz & Rita (Sonntag, 24 Juni 2018 15:41)

    Hallo Maddin,
    schön von dir zu lesen. Deine Reiseberichte sind sehr toll verfasst...also du kannst wunderbar schreiben....das Erlebte in Worte fassen. Wir sind beide fasziniert. Gerade Lutz, der ja schon oft in Asien war....genießt jede Zeile und jedes Foto!
    Bleib gesund und reisefreudig.... und SCHREIBE weiter....
    Ganz liebe Grüße aus Cottbus-Ströbitz