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Sei die Veränderung ...

Diesen Beitrag widme ich offiziell der lieben Caty, die immer an mich glaubt und für die ich ein Vorbild bin, so wie sie für mich ein Vorbild ist. Sie ist einer der positivsten Menschen, die ich kenne und hat mir manchmal sehr bedeutende Denkanstöße gegeben. Sie bleibt für immer in meinem Herzen und ein Teil in meinem großen Lebenspuzzle. Danke, Caty!

Zuerst wollte ich nur wenigen davon erzählen und es lieber für mich behalten. Doch nun sind ein paar Tage vergangen und ich habe mich für die Verbreitung meiner durchgeführten Aktion entschieden. Gerade, weil ich euch das nicht erzähle, um anzugeben, sondern um als Vorbild zu wirken und meine Intention zu erläutern. Außerdem trage ich ein Tattoo an meinem linken Arm, das mich daran erinnert, dass ich die Veränderung sein sollte, die ich mir für die Welt wünsche. Hier also ein besonderes Nachmittagserlebnis, das als Gefühl anfing und als Gefühl aufhörte.

 

Du hast nicht alles verfolgen können? Dann lies hier einfach nach, was genau mit meinem Fuß passiert ist!

Ich verspürte an diesem einen Tag einen unglaublichen Drang, den Strand zu säubern, den ich am Abend zuvor besucht hatte. Ich weiß echt nicht mehr, welcher Wochentag war, das ist für meine Geschichte aber auch echt unwichtig. Ich packte also eine Tasche mit Mülltüten, meinem Taschenmesser, einer Flasche Wasser, meinem Handy (zum Musik hören) und Handschuhen. Ich wusste ja nicht, was für Müll auf mich wartete. Außerdem fuhr ich einfach in Badehose los, da die Sonne schon den ganzen Tag hinter Wolken versteckt war. Als ich am Pa Hin Sai Beach ankam und meine Füße die ersten Sandkörner berührten, verzogen sich die Wolken und zeitgleich lächelte mich auf einmal die Sonne an. Anstatt mich zu ärgern, grinste ich der Sonne frech zurück und zog mir die Handschuhe an. Mit meiner liebsten Trance-Musik im Ohr ging es sogleich los.

Ich muss euch sagen, die Strände hier in Asien sind wirklich schön, und meiner Meinung nach bedeutend schöner als die Strände der Ost- und Nordsee, doch sie sind manchmal einfach so unglaublich mit Müll überfüllt, dass mein Herz blutet anstatt sich freuen zu können. Da die Situation mit den Stränden mittlerweile aber fast schon Normalzustand ist, sind wirklich saubere Strände meistens so sauber, weil sie jeden Tag von dem Dreck befreit werden.

Ich wusste in dem Moment des Aufräumens davon und mir war klar, dass der Strand nicht lange sauber bleiben würde. Aber darum ging es mir auch gar nicht. Ich war hier, weil ich wenigstens für einen Nachmittag einen befreiten Strand sehen wollte. Ich darüber hinaus, wollte ich der Grund dafür sein, dass er so aussah.

 

Dementsprechend gut fühlte ich mich auch, als ich mich nach einer Weile umdrehte, um den bereits gesäuberten Abschnitt zu betrachten. Mit meinem Fuß war das Bücken nicht so einfach und das Laufen im weichen, trockenen Sand durchaus gefährlich, wenn ich nicht achtsam war. Doch genau das war ich. Meine Krankenhaus-Massage-Frau hatte mir empfohlen viel zu laufen, also war es an sich nicht falsch. Ich durfte mich nur nicht weiter verletzen.

Der erste Müllsack war nach etwa 50 Metern voll
Der erste Müllsack war nach etwa 50 Metern voll

Die erste Mülltüte war nach etwa 50 Metern Strand voll. Und der Strand war vergleichsweise wenig verdreckt. Jedenfalls schnitt ich gerade ein paar Seile aus einem zwischen zwei Steinen eingequetschten Knäuel, da kamen zwei Mitarbeiter vom Resort, das zu dem Strandabschnitt gehörte, den ich gerade säuberte. Sie bedankten sich bei mir und ich bekam eine Dose Cola überreicht. Ich grinste breit und bedankte mich ebenfalls. Wie cool war das denn? So machte das Ganze noch viel mehr Spaß.

Ich sammelte noch eine Weile weiter alle Kleinteile, die ich aufspüren konnte und ihr müsst wissen, bei so etwas bin ich unglaublich genau. Ich pickte sogar kleinste Styroporteile aus dem Sand.

Nach nicht ganz 100 Metern fuhr ich kurz zurück ins Coffeeat, um mir Sonnencreme, ein Shirt und mein Cap zu holen. Außerdem brauchte ich echt eine Pause, da alles an mir klitschnass geschwitzt war. Die Sonne hier ist rücksichtslos und kennt keine Gnade! Die Mülltüten hatte ich übrigens einfach stehenlassen, weil ich nicht damit rechnete, dass jemand freiwillig ohne mich weitermachte.

Als ich nach vielleicht 40 Minuten zurückkam, stand alles noch so da wie vorher. Vor der Sonne nun viel besser geschützt, legte ich gleich wieder los. Und dann kam doch echt wieder jemand auf mich zu, der zwei Dosengetränke in der Hand hielt. Es war der Chef vom Resort, der sich nochmals bei mir bedankte. Gleichzeitig sah ich ein älteres Pärchen in meine Richtung laufen und ich spürte schon, dass die nicht nur am Wasser entlangspazieren wollen. Sie sprachen mich an und meinten, sie beobachteten mich schon eine Weile. Nun würden sie mir gern helfen wollen.

Ich will dazu sagen, dass ich einerseits darauf gewartet habe, dass mir irgendjemand zu Hilfe kommt, weil ich dasselbe tun würde, wenn jemand vor meinen Augen den Müll sammelt. Andererseits hätte ich den Strand auch alleine aufgeräumt. Da ich nun aber Verstärkung hatte, sagte ich mir (und das ist doch ein toller Gedanke):

 

Ich kann andere Menschen mit meinem Tun motivieren und muss sie noch nicht mal direkt ansprechen.

Wir waren noch einige Zeit aktiv am Aufräumen, als sich meine Kraft langsam dem Ende neigte. Auch die zwei Portugiesen verabschiedeten sich. Es waren vielleicht insgesamt drei oder vier Stunden vergangen, ich hatte ehrlich kein Zeitgefühl mehr. Ich war einfach sehr aufmerksam und bedacht, wo ich lief und ob es Müll einzusammeln gab. Als mein Blick jedoch zurückschweifte, erblickte ich einen sauberen Strand, der zugleich auch noch sicherer war als zuvor. Ich war dermaßen erschöpft, dass ich nur noch für eine Abkühlung ins Wasser wollte. Das Wasser hatte allerdings Badewannentemperatur. Also lief ich eine Weile ins Tiefere, bis ich etwas Wunderschönes bemerkte.

Ich fühlte, wie glücklich ich war. Ich war so unglaublich glücklich über meine Idee. Darüber, dass ich meinem Drang gefolgt war, ohne daran zu denken, was andere davon halten könnten, wenn da irgendein Typ mit schwarzen Mülltüten über den Strand humpelte. Ich hatte (fast) ganz alleine einen mehrere hundert Meter langen Strandabschnitt gereinigt und für die Touristen und Badenden sicherer gemacht. Es sah so schön aus, wirklich natürlich. Und ich habe eine kleine Veränderung herbeigeführt, von der wahrscheinlich niemand am morgigen Tag wissen würde. Aber ich wusste es und das zählte! Ich habe sogar zwei fremde Menschen dazu gebracht, mir zu helfen. Ich habe Dankbarkeit ausgedrückt bekommen und letztlich hatte ich mir mit dieser Aktion selbst Glück geschenkt. Wie sich später herausstellte, waren die Stunden am Strand sogar sehr gut für meinen Fuß.

 

Da lief ich also tiefer ins Meer, schaute nochmal zurück auf „mein“ Werk und auf einmal war kein Ton mehr zu hören. Ich stand da und bemerkte nicht nur das warme Wasser, sondern auch die Stille, die mich plötzlich umgab. Kein Wellenrauschen mehr, kein Wind, kein Gekreische. Und ich spürte in diesem Moment größte Zufriedenheit. Ich spürte, dass ich am richtigen Fleck war und wie ich mich selbst und dadurch auch andere glücklich gemacht hatte. Ich war stolz auf das, was ich trotz meiner Verletzung vollbracht hatte.

Das sind die etwa 4 oder 5 Tüten von mehr als 7, die wir auf den paar hundert Metern Strand gesammelt haben
Das sind die etwa 4 oder 5 Tüten von mehr als 7, die wir auf den paar hundert Metern Strand gesammelt haben

Ihr wollt sicher wissen, was alles so an Müll in den Tüten gelandet ist. Also hauptsächlich waren es Plastik- und Glasflaschen, sehr viel Styropor, Plastiktüten, Schnüre und Seile und erstaunlicherweise echt viele Schuhe. Darüber hinaus fanden wir immer wieder Angelköder, Feuerzeuge und andere merkwürdige Kleingegenstände. Am erschreckendsten waren für mich zwei Spritzen, die wirklich einfach im Sand lagen. Die erste hatte sogar nicht mal eine Kappe (siehe Foto).  

Ich schreibe euch diese Geschichte aber nicht nur einfach zum Lesen. Ich möchte, dass ihr euch eine Frage stellt:

 

Kann ich selbst auch etwas in der Welt verändern?

 

Ich denke schon! Ihr müsst nicht einen ganzen Strand säubern, aber wenn ihr mal Müll seht, ob am Strand, See oder Wald, könnt ihr doch sicherlich ein oder zwei Dinge aufheben und wegräumen. Wenn jeder von uns das tut, wird schon bald eine Veränderung bemerkbar sein. Sagt euch, dass auch ein mitgenommenes Stück Müll ein guter Anfang ist. Noch besser sind 3, 5 oder 20. Aber wir sind doch viele und so eine große Aufgabe muss man aufteilen. Wenn ihr aber mal so motiviert seid wie ich, dann geht dieser Motivation nach, geht raus und verändert die Welt zum Guten!

 

Ich bin euch jetzt schon sehr dankbar dafür!


Weitere Erlebnisse

Zu einem witzigen Beitrag, in dem ich euch schildere, wie Thais eigentlich so Urlaub machen

Wie  du deinen Aufenthalt in Thailand sehr einfach verlängern kannst


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Kommentare: 4
  • #1

    Jana (Mittwoch, 02 Mai 2018 14:36)

    Hallo Martin, ich finde das sehr schön, was du geschrieben, was du getan hast . Du hast recht und ich finde auch....jeder kann etwas tun, um die Welt im Kleinen schöner zu machen. Für sich selbst und auch für die Anderen, für jetzt und auch für die Zukunft . Ich finde das ebenfalls sehr wichtig, denn es macht das Zusammenleben schöner.
    Ich freue mich sehr, dass es dir so gut geht. :) :) :)

  • #2

    Lutz und Rita aus Cottbus (Donnerstag, 03 Mai 2018 19:55)

    Hallo lieber Maddin, schön von dir zu lesen ... und dich glücklich zu wissen...
    Wir können dein Glücksgefühl gut nachempfinden und wünschen dir noch viele solche schönen Momente und Erlebnisse... (muss ja nicht immer mit Müll zu tun haben ... *grins*)
    Alles Gute weiterhin und schreib mal wieder ... wir lesen dann gern ...
    Gruß aus Cottbus

  • #3

    Stefan (Freitag, 04 Mai 2018 12:56)

    sehr schöne aktion und wichtig finde ich noch zu erwähnen, dass man bereits darauf achtet, seinen müll nicht mehr wahllos wegzuschmeißen. Weiter so! :)

  • #4

    Kristine (Samstag, 05 Mai 2018 17:46)

    Da hätte ich mich gerne angeschlossen! Furchtbar diese Fotos in meinem Kopf mit Plasteverpackung umwickelten Wasserschildkröten. Gut gemacht! Herzliche Grüße