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10 Thais im Urlaub

"Dabei sein ist alles!"

10 Thais treffen an einem Freitag im Coffeeat ein – 2 Familien, 2 Singles, 3 Kinder, mehr kann ich erstmal nicht erkennen. Mit einem Mal ist alles laut, stressig, unübersichtlich. Ich verstehe natürlich kein Wort und grüße deshalb nur auf Thai. Sawadee Kap! Meine Augen erblicken ein kleines schwarzes Mädchen. Es sieht echt knuffig aus und … spricht Thailändisch?! Wie verrückt ist das denn? Meine Ohren melden meinen Augen, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und es ist ja auch voll ungewohnt. Nach längerem Nachdenken ist ein Schwarzer, der Deutsch spricht eigentlich genauso ungewöhnlich. Ich grinse.

Ich halte mich noch zurück und beobachte das rege Treiben aus meinem Liegestuhl. Wahrscheinlich wirke ich auf die Fremden wie angewachsen. Oder ich selbst fühle mich so, da ich jeden Tag viele Stunden darin sitze, damit mein Fuß heilt.

Ich werde von Jah aus meinen Gedanken gerissen, als sie mich fragt, ob ich zum Schnorcheln mitkommen möchte. Ich entscheide mich, die Gruppe zu begleiten und Fotos vom Ausflug zu machen. Mit dem Taxi geht es dann auch schon los in das südliche Fischerdorf von Koh Kood, Ao Yai. Dort gestaltet sich das Einsteigen ins Boot mit den Krücken und einem halben Meter breiten Steg, der eher nach blind zusammengenagelten Brettern aussieht, etwas schwierig und mich erfasst die Angst, ich könnte ins Wasser fallen. Ich bin schon mal fast mit meinem großen Rucksack vom Brett gefallen, über das ich auf die Fähre nach Trat gelangen sollte. Doch ich passe auf und setze mich beim Einsteigen einfach hin. So läuft beziehungsweise sitzt diesmal alles gut. Was sich erst später herausstellen wird: Jah spricht mit Leuten aus dem Dorf über jemanden, der mir wegen meinem Fuß helfen könnte. Doch dazu am Ende des Beitrags mehr.

Kurze Zeit später tuckert der alte Kahn aus der Bucht und als der Anker etwa 10 Minuten später ins Wasser gelassen wird, beginnt das Spektakel. Alle wickeln sich in die Rettungswesten, der Junge bekommt direkt zwei angezogen. Das kleine Mädchen verschwindet in der viel zu großen Weste für Erwachsene. Das ist eindeutig anders als Urlaub bei Deutschen, die wahrscheinlich dieses rettungsuntaugliche Gerät reklamieren oder die sofort eine Weste entdecken würden, bei der der TÜV abgelaufen ist.

Passt wie angegossen.
Passt wie angegossen.
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Nacheinander steigen alle mit Tauchmasken, aber ohne Flossen, und vor allem mit ihren normalen Sachen ins dunkeltürkisfarbene Wasser und entfernen sich, hangelnd an einem Seil, vorsichtig vom Boot. Der Sohn hat mit seinen zwei Westen gar nicht die Möglichkeit zu schwimmen, weil er nicht wirklich im Wasser ist. Er treibt einfach zur Hälfte über Wasser und wird daher vom Vater in die richtige Richtung geschubt. Ein super witziger Anblick. 

[Warum lassen die Thais eigentlich ihre Klamotten beim Schwimmen an? Später erklärt mir Jah, dass Thais sehr schüchtern sind und ihren Körper in der Öffentlichkeit ungern zeigen. Echt verrückt, diese Thais.]

 

Kurz erinnert mich der Anblick dieser 10 schnorchelnden Menschen an leuchtend neonorangene Bojen, die ziellos im Meer herumirren würden, wären sie nicht an einem Seil befestigt. Nur gut, dass ich meine Kamera dabeihabe.

Ein bisschen leid tat mir das kleine Mädchen mit der Ausrüstung für Erwachsene schon.
Ein bisschen leid tat mir das kleine Mädchen mit der Ausrüstung für Erwachsene schon.
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Einer der Thais trinkt schon seit der Ankunft Alkohol, was ihn mir direkt unsympathisch erschienen lässt. Er legt auch eine Art Balzverhalten an den Tag, indem er seinen Bauch präsentiert. Das heißt, er zieht sein Shirt so weit hoch, dass der Bauch Luft bekommt, der Rest bleibt verdeckt. Ausgerechnet dieser Thai bleibt auf dem Boot, als alle im Wasser sind und trinkt weiter. Und wenn mich meine Augen nicht täuschen, spielt er da mit einer Pistole herum!? Meine deutschen Alarmglocken läuten sofort schrill und Adrenalin durchzuckt meinen Körper. Ich weiß nicht so recht, was ich tun soll, also verhalte ich mich einfach ruhig und hoffe, dass nichts passiert. Nach einer Weile werden die Leuchtbojen wieder aufgesammelt und der Kutter fährt uns noch an eine zweite, versteckte Stelle, an die man nur zu Wasser gelangt.

Das gleiche Prozedere beginnt und alle, bis auf der betrunkene Playboy und eine Frau, welcher von dem eigentlich beruhigenden Schaukeln des Bootes übel  geworden  ist, werden zurückgelassen, um dort ein weiteres Mal völlig planlos, aber mit superguter Laune nach Fischen und Korallen Ausschau zu halten. Mich erstaunt es, mit wie viel Freude sie dieses Spektakel betreiben und dabei wohl kaum etwas vom eigentlichen Schnorcheln mitbekommen. Aber umso mehr erfreue ich mich an der Freude dieser Gruppe. Ich selbst kann leider nicht ins Wasser und suche mir einen gemütlichen Platz. Ich entscheide mich für den Bug des Schiffes, an dem ich ein bisschen Sonne abbekomme und ins offene Meer schauen kann. Vorsichtig setze ich mich auf das geschundene Holz, darauf achtend, mir keinen Holzsplitter einzufangen. Dann – endlich ein kurzer Moment der Ruhe. Während ich die Sonne auf der rechten Seite genieße, vor mir das türkisfarbene Meer, das leise vor sich hin rauscht, und das Boot beruhigend auf und ab schaukelt, höre ich von links hinten die sanften Kotzgeräusche der Thaifrau an mein Ohr tönen. Wieder muss ich lächeln, denn ich bin froh, dass mir von so einem bisschen Geschaukel nicht schlecht wird. Und während ich jede Kleinigkeit wahrnehme, mache ich mir klar, dass dies eine einzigartige Situation ist. Ich genieße sie ganz für mich alleine, und in diesem Moment weiß ich auch schon, dass ich darüber schreiben werde.

Plötzlich! Hinter meinem Rücken fallen zwei Schüsse aus der Schreckschusspistole des viel zu coolen Typen. Alter Schwede! Mein Ohr fiept und mein Herz pumpt schnell vor Aufregung. Doch es legt sich genauso schnell wieder, da er glücklicherweise niemanden getötet hat. Ich versuche noch, die paar Minuten auszukosten, die mir bleiben, bis alle wieder an Bord sind und zurück zum Dorf gebracht werden. In mir wünscht sich ein Teil sehr stark, dass ich mitschnorcheln könnte. Diese Ecke, in der wir angelegt haben, ist so wunderschön, und es ist schade, dass ich nicht mitmachen kann. Aber ein anderer Teil sagt sich, dass ich hierhin zurück kann, wenn ich vollständig gesund bin.

Das "geheime" Taucherparadies
Das "geheime" Taucherparadies

Und so verabschiede ich mich erstmal vorübergehend von dem versteckten Plätzchen und als alle wieder eingesammelt sind, geht es zurück zum Coffeeat. Dort geht der Genesungsalltag für mich in eine neue Runde und so bleibt nicht viel zu erzählen, außer dass Jah mir leckeres Essen kocht und ich Musik höre und in die Natur blicke oder die Thais beobachte. Ich sehe, wie eine der Frauen minutenlang Selfies von sich schießt. Sie ist mir auch auf dem Boot schon aufgefallen, wie sie aus allen Richtungen Schnappschüsse von sich selbst macht. Das geht also den ganzen Tag so weiter und ich frage mich, wie oft sie den Speicher ihres Handys löschen muss deswegen. Ich finde es auch schade, dass sehr viele Thais (wahrscheinlich ist das aber mittlerweile überall auf der Welt so stark vertreten) sehr viel am Handy hängen und viel mehr von sich oder Facebook mitbekommen als von der Natur um sie herum.

Am nächsten Tag will ich die Gruppe alleine lassen und zu den Wasserfällen kann ich eh nicht mitkommen. Leider bleibt auch der angetrunkene Thai im Coffeeat, sodass ich nicht wirklich entspannen kann. Aber auch das geht vorbei. Abends lädt mich die Gruppe dann zum Seafood-Essen ein und ich probiere das erste Mal Krabben. Das Fleisch ist sehr hell und zart, aber mir tun die Tiere leid, wenn sie für ein paar Gramm Fleisch, das unter ihrem Panzer versteckt ist, getötet werden.

 

Alles in allem sind wir beide, Jah und ich, sehr erleichtert, als am Sonntag alle wieder abreisen. Gerade durch den Playboy, der kein einziges Wort Englisch kann, ist das ganze Wochenende sehr anstrengend gewesen. Seitdem genießen wir wieder die Ruhe der Insel mit ein paar Gästen pro Tag.

Nach dem anstrengenden Schnorcheln erstmal twittern, wie aufregend es gerade war :D
Nach dem anstrengenden Schnorcheln erstmal twittern, wie aufregend es gerade war :D

Doch was hat es denn nun überhaupt mit der schicksalhaften Fügung auf sich?

 

Nun, Jah sprach ja mit Leuten aus dem Fischerdorf über jemanden, der meinem Fuß helfen kann. Und dieser Mann namens Pong kam einen Abend später vorbei, um sich den Fuß anzuschauen. Und was er da zu mir sagte, klang unglaublich und es schürte große Hoffnung und gute Laune in mir. Er sagte:

„In 3 Tagen kannst du wieder laufen!“

Doch hier endet der Beitrag und ob ich wirklich in drei Tagen wieder laufen konnte, werdet ihr in meinem nächsten Blogeintrag zu lesen bekommen.

Und weil ihr das bestimmt sehr frech von mir findet, bekommt ihr hier als Entschädigung fürs Warten noch einen wunderschönen Sonnenuntergang von Koh Kood.

 

Danke fürs Lesen und dieses Mal müsst ihr nicht so lange auf den nächsten Eintrag warten,

 

Euer Martin!

Tinkerbell Beach Resort Koh Kood - Ein Traum von Sonnenuntergang
Tinkerbell Beach Resort Koh Kood - Ein Traum von Sonnenuntergang

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Kommentare: 4
  • #1

    Lui (Dienstag, 17 April 2018 16:42)

    Ich hoffe er behält recht und du kannst wieder zu Fuß durchstarten ��

    Liebe Grüße !

  • #2

    Jana (Dienstag, 17 April 2018 18:57)

    Wunderbar und lustig geschrieben. Ich habe oft geschmunzelt. Freu mich, dass es wieder was von dir zu lesen gibt. Und dass es dir gut geht.
    LG und sei gedrückt :) :)

  • #3

    Kristine Messenbrink (Donnerstag, 19 April 2018 13:24)

    Ich hau mich weg!!! Die leisen Kotzgeräusche ... Die arme Frau!

  • #4

    Stefan (Freitag, 04 Mai 2018 12:43)

    geilo haha