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Trat's Crazy Thai Crew

Noch von völliger Enttäuschung über meine geänderten Pläne übermannt, kam ich Ende März nach einer anstrengenden Fahrt aus Kambodscha in Trat an. Ich sollte mich da mit Jah treffen, die mit mir gemeinsam von Trat nach Koh Kood zurückfahren wollte.

Ich hätte aber niemals gedacht, dass so dreiste Thais an der Grenze von Kambodscha nach Thailand auf Reisende warten und satte 60€ für eine 2-stündige Fahrt verlangen. Also Achtung an alle, die ebenfalls aus Kambodscha kommen, für den Grenzübergang Phsar Prum solltet ihr mehrere Personen sein, die sich die Kosten für das Taxi teilen können, sonst müsst ihr mit hohen Kosten oder langen Wartezeiten rechnen.

Es hatte sich aber zufälligerweise eine andere Deutsche gefunden, die ebenfalls in die Richtung wollte und so konnten wir uns die Kosten für die Fahrt bis nach Chanthaburi teilen (15€ für jeden). Die Stadt liegt etwa auf der Hälfte bis nach Trat. Die andere Hälfte bin ich dann mit einem Minivan gefahren, der mich gerade mal 3€ gekostet hat.

Ich hatte kein mobiles Internet zu der Zeit, konnte Jah also nicht kontaktieren, als ich in Trat ankam, sodass ich erstmal etwas aß und kostenloses Wlan benutzte. Es klappte dann aber alles, sodass wir auch noch ein paar Besorgungen machen konnten.

Nun erwartete mich am Abend etwas wirklich Tolles, womit ich nicht gerechnet hatte. Jah meinte nur, dass ihre Schwester kurz vorbeischaut. Es kamen dann aber irgendwie drei Freundinnen. Erster witziger Fakt war, dass ich eigentlich nichts von dem verstand, was sie da redeten. Einzig, wenn das Wort Farang fiel, konnte ich erahnen, dass sie über mich redeten. Ich nickte dann immer lässig und schmunzelte, weil ich so dermaßen gut Thai konnte, dass ich wusste, dass sie über mich reden.

Witzig war auch, dass wir dann alle mit den Mopeds durch die leere Stadt gerast sind, mit urgewaltigen - haltet euch fest - 45 km/h. Safety first, war eher die Devise dieser netten Damen. Ich saß als Beifahrer hinter einer dieser Frauen und konnte mit Leichtigkeit alles vor mir sehen. Sie war so klein, dass meine Sicht als Hintermann gar nicht eingeschränkt war.

Am Essenstisch in einem echten Thai-Restaurant, in dem nur echte Thais saßen, war ich eine totale Ausnahme. Und wahrscheinlich schauten alle so verwundert, weil ich mit meinen nicht mal 30 Jahren zwischen den etwas älteren, aber immer noch jung gebliebenen Damen saß oder ihnen auf Krücken hinterherhumpelte. Wie ein verletztes Küken in einer verrückten Hühnerschar. Ich lernte nun auch ihre Namen kennen, die ich mir endlich mal sofort merken konnte: No Leg - sie hatte aber noch beide Beine! Und wird wohl auch eher Noh Lek geschrieben. Sie war richtig hibbelig und gut drauf und ich schätzte sie auf Anfang 40, vom Kleidungsstil sogar 20. Sie war aber 58. Die zweite, ebenso stylish gekleidete und sehr jung aussehende Freundin hieß Ning Nong, sie war 52. Also noch einfacher kann man es einem Deutschen nicht machen, sich einen thailändischen Namen zu merken. Die dritte, eher ruhige Frau sollte ich Apple nennen. Ich weiß bis heute nicht, ob das ihr wirklicher Name ist. Aber wenn man mir schon so einen deliziösen Namen anbietet, verweigere ich das nicht. Schaut doch selbst mal, wie alt ihr diese Damen schätzen würdet:

v.l.n.r: Apple, Ich Jah, Ning Nong; vorn: No Leg
v.l.n.r: Apple, Ich Jah, Ning Nong; vorn: No Leg

In thailändischer Manier verputzten wir eine Menge Essen für einen gewohnt niedrigen Preis. Überall wurde mit Löffeln und Stäbchen Essen hin- und hergeschoben und durcheinander gemischt. Manchmal sprachen sie Thai mit mir: "Mai pet!" oder "Pet mai?", was so viel heißt wie: "Nicht scharf!" und "Scharf?". So lernte ich doch am schnellste eine fremde Sprache, indem ich einfach ins kalte Wasser geschmissen wurde.

Bei dem Versuch, das thailändische Wort für Banane auszusprechen, was in etwa nach "gluej" klingt, konnte sich Jah nicht mehr halten und auch die anderen mussten lachen. Erst später, als sie keinen Lachflash mehr dadurch bekam, konnte mir Jah erklären, dass es anders betont das Wort für das männliche Geschlechtsteil ist. Als ich das wusste, fragte ich sie, ob sie eher große oder kleine Bananen mochte und mein Grinsen deutete daraufhin, dass ich da ganz schön frech war. Aber Wortwitze müssen eben manchmal sein.

Die flotten Mädels waren nach dem üppigen Abendessen allerdings noch nicht satt, also cruiste die Crazy Thai Crew weiter durch die menschenleere Stadt zu einem versteckten Keine-Ahnung-wie-man-sowas-nennt. Jedenfalls gab es da Desserts. Es bestand aus gecrushtem Eis, Kokosmilch, Nüssen und Wasserkastanien in rosa Jelly. Es war eine neue und erstmal gewöhnungsbedürftige Geschmacksmischung, aber an sich war es angenehm süß.

 

Als dritte Station erwartete mich eine Art Festplatz, an dem wir die Mopeds abstellten und für den gestorbenen König ein Gebet sprachen.

Auch, wenn ich nicht viel von dem Gesprochenen verstand, so war es für mich ein Abend, an dem mein Gesicht ein dauerhaftes Grinsen aufweisen konnte. Mir waren diese Thai Damen super sympathisch und sie wirkten auf mich sofort so, als würden sie sich trotz der Sprachbarriere alle um mich kümmern und mir nur das Beste wünschen. Ich habe mich super wohl gefühlt und war Jah und ihren Freundinnen sehr dankbar für diesen eigentlich total normalen Abend. Für mich mit Krücken war es aber ein ganz verrückter, positiver Abend gewesen, den ich so schnell nicht vergessen kann.

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