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Vy, der Tuktuk Fahrer

"Erstaunlich, wie viel Menschen geben können, wenn sie eigentlich gar nichts besitzen." - Martin Bremer


Als ich mit dem Bus am Rande von Siem Reap ankam, fühlte ich mich etwas betrogen, weil das genau das war, was im Internet erzählt wurde: Man wurde außerhalb der Stadt abgesetzt, um einen Fahrer anzuheuern, den man dann auch die nächsten Tage buchen sollte. Mein Fahrer hieß Vy und war von kleiner Statur, schmächtig und unauffällig, fast schon etwas niedlich. Mit großer Vorsicht und in einem langen Gespräch klärten die 2 Däninnen und ich, dass er uns für 2$ pro Person zum Hostel bringen sollte. Außerdem machten wir aus, dass er mir seine Nummer gab und ich mich dann bei ihm melden konnte, wenn wir ihn brauchten. Sein Satz „To 100% you will never write me.“ hat wohl in mir ausgelöst, dass ich etwas mehr über ihn wissen wollte. Er erwähnte auch gleich seine Familie, die er irgendwie durch den Monat bringen musste.

 

Ich wollte ihm eine Chance geben und meldete mich, nachdem er uns am ersten Abend ordnungsgemäß gefahren und abgesetzt hatte, direkt am Tag darauf. Für 15$ fuhr er mich dann insgesamt 5 Stunden lang durch den großen Ring der Angkor Wat Tempelanlage, wartete jedes Mal, bis ich mit der Besichtigung fertig war und fuhr mich dann zum nächsten Tempel. Ich wollte herausfinden, ob er wirklich eine Familie zu ernähren hatte und lud ihn auf eine Kokosnuss ein. Da ich Hunger hatte, bestellten wir auch etwas Leckeres zu essen. Im Gespräch erzählte er mir von den Zuständen und seinen Arbeitsverhältnissen. Er war Buddhist und hatte mal 4 Jahre lang in einem Tempel gelebt. Dann gab es 2 Jahre, da hatte er in der Pub Street in Siem Reap gearbeitet. Ich war schockiert, als er mir erklärte, dass er für 30 Tage Arbeit (kein einziger freier Tag) 60$ Lohn bekam. Er hatte all die Zeit keinen Urlaub bekommen. Ich weiß gar nicht, wie er all das bezahlen konnte. Am Ende lud er mich von ganz allein zu sich nach Hause ein, damit ich einen Einblick bekommen konnte. Ich sagte sofort zu.

Das Zimmer, in dem er mit seiner Frau Na und der gemeinsamen 3-jährigen Tochter wohnt, kostet im Monat 40$. 

Er träumt davon, aus diesem winzigen Raum (15m²) ausziehen und sich ein kleines Grundstück kaufen zu können. Seine Frau ist im 4. Monat schwanger, sie erwarten einen Jungen. Ich fragte ihn, ob es dann alles nicht noch schwerer werden würde. Da lächelte er und sagte: „Ja, aber ich liebe Kinder. Und irgendwie schaffen wir das schon.“

Sein jetziger Job bei der Tuktuk Agentur bringt ihm je nach Nachfrage mal 100$ und auch mal 300$ ein. Er hat jetzt schon Angst vor der Nebensaison, da er dann meistens nicht mal 100$ verdient. Er fügte hinzu, dass seine Agentur sogar 60$ pro Monat von ihm verlangt, einfach, damit er dort arbeiten darf. Wenn er den Betrag nicht zahlt, werfen sie ihn raus und suchen sich einen neuen Fahrer. Somit bleiben manchmal nicht mal 40$, um seine Familie zu ernähren. Er meinte auch, immer, wenn er mehr bekommt, als er braucht, legt er alles sofort zur Seite. Seinen Traum von einem schöneren Zuhause will er wirklich in die Tat umsetzen, so schlecht die Voraussetzungen auch sind.

Na kocht uns gerade Mittag. Eine Küche gibt es nicht. Sie bereitet das Essen in der hinteren Ecke des Zimmers zu.
Na kocht uns gerade Mittag. Eine Küche gibt es nicht. Sie bereitet das Essen in der hinteren Ecke des Zimmers zu.

Vy ist genauso alt wie ich, hat ein echt beschwerliches Leben, das ihm durch Mangel an Geld viele Chancen nicht gewährt. Und trotzdem lächelt er auffallend oft, ist ruhig und freundlich, kann echt gut Englisch reden und gibt alles, um seiner Familie die Sicherheit zu gewähren, die sie benötigt. In meinen Augen ist er ein junger Mann mit einem großen Herzen, der einen großen Traum verwirklichen möchte.

 

Ich habe ihm versprochen, ich teile seine Whatsapp-Nummer im Internet, um Werbung für ihn zu machen. Sollte irgendwann einmal einer von euch nach Siem Reap reisen, um sich den Angkor Wat anzuschauen, bitte meldet euch bei Vy und lasst euch von ihm in die zauberhafte Welt der antiken Tempel der Khmer entführen.

 

 

Vy Whatsapp: +855 96 224 8800

Ich bin sehr dankbar für den Einblick in sein Leben, für das Essen und die außerordentliche Gastfreundschaft! DANKE VY!
Ich bin sehr dankbar für den Einblick in sein Leben, für das Essen und die außerordentliche Gastfreundschaft! DANKE VY!

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Kommentare: 1
  • #1

    Jana (Sonntag, 04 März 2018 11:00)

    Mein lieber Martin,
    ich finde die Idee sehr schön, über Menschen, denen du auf deiner Reise begegnest, zu schreiben. So können wir noch besser an deiner Reise teilhaben, lernen aus verschiedenen Ländern Menschen kennen (und wie sie leben - anhand der Bilder) und auch du kannst es später einmal nachlesen und vergisst es nie. :)
    Weiter so und pass trotzdem immer gut auf dich auf.
    Auch Oma freut sich immer sehr auf neue Blogs und Videos von dir. Ich drucke ihr immer alles ganz schnell aus. Sie wünscht dir weiterhin gute Besserung und wünscht dir Glück auf deiner weiteren Reise.
    Liebe Grüße von Oma und Mama