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Pattaya, Indonesien und Barracudas

Oh ja, ich schreibe mal wieder. Das liegt aber nur daran, dass ich es gerade auch wirklich möchte. Ich sitze nämlich im Vorgarten eines Bungalows inmitten einer kleinen Insel namens Gili Trawangan. Sie gehört zu Lombok, einer der größeren Inseln Indonesiens. Die Insel ist so klein, dass es keine Motorräder und Autos gibt. Stattdessen fahren alle mit Fahrrad, nehmen eine der Pferdekutschen oder laufen. Der Strand ist bildhaft schön, das Wasser traumhaft türkis und man trifft so allerhand interessante Leute aus aller Welt.

 

Was bisher geschah:

 

Es wirkt vielleicht ein bisschen so, als wäre ich verloren gegangen, als ich endlich wieder laufen und reisen konnte. Als wäre ich abgetaucht. Ich denke, das trifft es ganz gut. Ich bin abgetaucht ins Leben, das ich endlich führen kann. Und es gibt keinen Tag, an dem ich mich schlecht oder komisch oder fehl am Platz fühle. Ich denke natürlich manchmal an die Möglichkeiten, die ich habe, wenn sich mein Reisegeld dem Ende zuneigt. Ob ich in einem dieser Länder bleiben würde oder zurück nach Deutschland gehe. Ich habe mir dann immer gleich klar gemacht, dass mein Gefühl mir schon zeigen wird, wohin ich gehöre. Aber zuerst einmal der chronologische Ablauf meiner bisherigen Reise Teil 2 (nach meiner Verletzung):

Geplant war ein Roadtrip durch Indonesien – über die Insel Java und Bali. Doch vorher musste ich erstmal meinen Flug dorthin nehmen. Ich machte einen Zwischenstopp in der thailändischen Stadt Pattaya – eine Hochburg des Tourismus. Sie ist für Thailand sogar das Epizentrum touristischer Einnahmen und hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Die Stadt ist auch bekannt für den Sextourismus, der ihr keinen guten Ruf verschafft. Doch ich konnte mich selbst davon überzeugen und fand es weniger schlimm als erwartet. Natürlich habe ich in 3 Tagen nicht alles mitbekommen, doch es war schon eine Menge. Darunter der Strand, vor dem hunderte von Speedbooten darauf warten, Passagiere zu anderen Inseln zu transportieren. Vom Strand aus ist die Skyline der Stadt zu sehen, was ich persönlich echt schön fand. Pattaya hat mir wahrscheinlich auch gefallen, weil dort das pure Leben herrschte, das ich seit meiner ruhigen Zeit in Koh Kood sehr vermisste. Ich ließ mir ein paar wohltuende Massagen verpassen, lief vorsichtig die Straßen entlang und genoss das bunte Treiben. Aus vielen Bars und Stripclubs kamen Rufe, die mich festhalten und hineinziehen wollten. Doch ich blieb standhaft, lächelte fröhlich zurück und ging meines Weges. Es war ein gutes Gefühl, Nein sagen zu können ohne sich schlecht zu fühlen. Es gibt noch viel mehr Kleinigkeiten, die diese Stadt in meinen Augen zu einer sehr charismatischen und interessanten Stadt machen. Vielleicht schreibe ich dazu später mal einen extra Post. 

Pattayas Skyline, Strand und Speedboote
Pattayas Skyline, Strand und Speedboote

Nach Pattaya ging es nach Bangkok und – nur mit meiner Bauchtasche bestückt – in den Flieger nach Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Es war ein Gefühl der Freiheit, in ein komplett neues Land zu fliegen und einfach dem Schicksal zu vertrauen, dass mein Rucksack dann auch dort sein würde. Spät in der Nacht landete der Flieger und mit einem Taxi kam ich recht zügig und deutlich billiger, als ich es von Deutschland gewöhnt war, ins Hostel am Stadtrand. Ich nutzte den darauf folgenden Tag für die Suche nach einer indonesischen Simkarte. Dafür brauchte ich mehr als 5 Stunden, weil doch echt kaum einer Englisch sprechen konnte. Somit durchsuchte ich 3 riesige Shoppingzentren nach Simkarten, bis ich endlich ein gutes Angebot fand (6€ für 15GB LTE). Dass mich nahezu niemand verstand, hätte ich von einer Hauptstadt aber niemals erwartet.

 

Dann ging es im selben Prozedere (nur ich und meine Bauchtasche) in den nächsten Flieger nach Bali. Und das wird ja sicherlich einige Urlauber unter euch interessieren, was uns dort so erwartet hat.

Jakarta - mit Abstand die langweiligste Hauptstadt bisher
Jakarta - mit Abstand die langweiligste Hauptstadt bisher
Pantai Kuta - Surfstrand auf Bali
Pantai Kuta - Surfstrand auf Bali

Bali

 

Zuerst einmal solltet ihr keine Erwartungen an Indonesien haben. Lasst euch nicht von irgendwelchen traumhaft schönen Fotos bei Instagram oder Reiseblogs täuschen. Ich dachte zum Beispiel, Denpasar ist eine Hauptstadt. Genannt wird sie auch so, aber es fühlt sich komplett anders an und entspricht nicht der unseren Ansicht von Hauptstadt. Denpasar wirkt eher wie ein flächendeckendes Riesenghetto ohne hohe Gebäude. An machen Stellen wird es wirklich städtischer, doch insgesamt ist Denpasar eher eine Ansammlung kleinerer Städte und Dörfer. Der Verkehr ist grauenhaft, gefährlich und unvorhersehbar – zumindest anfangs war ich sehr geschockt (deutlich mehr als in Bangkok).

Weiterhin gibt es in Denpasar die Legian-Street, in der im Grunde alle Geschäfte auf Tourismus ausgelegt sind. Einige Clubs beleben die Nacht, einige wenig vertrauenserweckende Männer sitzen am Straßenrand und fragen, ob man Marihuana, Viagra oder direkt eine Frau kaufen möchte. Wenn man Pech hat, wird man von einigen Souvenirverkäufern oder Massagesalons festgehalten und dazu gedrängt zu kaufen oder eine Massage zu nehmen. Für mich persönlich ein großes Grauen. Ich spürte diese Armut, den Druck, dem diese Menschen ausgeliefert sind. Der einzige Ausweg – lügen. Ich spürte das und es war mir nicht wohl in dieser Gegend. Es dauerte zwei Tage, bis man sich daran gewöhnt hatte und an all den Ständen vorbeigehen konnte, ohne stehen bleiben zu müssen.

 

Dustin kam dann auch endlich aus Vietnam und wir mieteten Scooter, für umgerechnet 2€ pro Tag. Da uns niemand erlaubte, nach Java zu fahren, da dort die Kriminalitätsrate sehr hoch ist und viele Menschen Motorroller klauen, änderten wir unseren Plan und wollten die 5 Wochen einfach auf Bali umherfahren und alles erkunden.

Pantai Kuta - Sonnenuntergang der besonderen Art
Pantai Kuta - Sonnenuntergang der besonderen Art
typische Landschaft in Nordbali
typische Landschaft in Nordbali

Alles kommt anders, als man denkt

 

Wir fuhren direkt nach Ubud, einer wirklich schönen Stadt im Herzen Balis. Restaurants reihten sich aneinander, auch hier waren viele Souvenirshops vorhanden, doch wir wurden nicht so verzweifelt bedrängt. Erstaunlicherweise trafen wir auf dem Weg dorthin kaum Touristen oder Reisende. Es schien, als würden sich alle nur an zwei oder drei Orte auf Bali aufhalten und dann behaupten, dass diese Insel wunderschön sei. Doch in meinen Augen erfährt man erst, wie ein Land wirklich ist, wenn man sich abseits der touristischen Zentren bewegt, mit einem Roller genauso durch die Stadt fährt wie die Einheimischen und insbesondere, wenn man abseits der ausgetretenen Wege mit Einheimischen in Kontakt kommt, zum Essen eingeladen wird oder gemeinsam mit ihnen ihren Bräuchen nachgeht.

Als wir Ubud verließen, um an die Nordostküste zu fahren, hätten wir nicht gedacht, dass wir für 40 Kilometer über 2 Stunden brauchen. Die Straßen schlängelten sich durch hohe Gebirgspässe oder durch abgasverseuchte Kleinstädte. Für mich war diese Fahrt schlichtweg ein faszinierendes Erlebnis.

Wir erreichten den kleinen Ort Amed und suchten, ohne vorher zu buchen, direkt vor Ort nach einer Bleibe. Wir stießen auf ein frisch eröffnetes Hostel, somit waren wir die ersten zwei Gäste. Am Abend hörten wir Glockenklänge. Dustin wollte unbedingt wissen, was das war und so folgten wir der Musik.

Es waren einige indonesische Männer, die originale Gamelanmusik für ein kommendes Fest probten. Einer von ihnen – sein Name war Loling – lud uns am Ende zum Barracuda-Fischen ein. Ich war so froh darüber, denn am nächsten Morgen erlebten wir den wahrscheinlich schönsten Morgen der bisherigen Reise. Wir saßen auf einem schmalen Boot, das gerade so Platz für uns drei hatte. Dustin hatte bereits einen 7 Kilo schweren Barracuda gefangen, was wirklich atemberaubend war, genauso wie der Moment danach. Vor uns startete die Sonne den Tag mit ihren gelben Strahlen, die durch einige hartnäckige Wolken brechen wollten. Und hinter uns lag der imposante, riesige Vulkan der Insel Bali, dessen unverkennbare Silhouette golden angeleuchtet wurde. Es war ein magischer Augenblick, pure Natur, wunderschön.

Der Tag ging wundervoll weiter, als wir beim Frühstück zu einem Abendbrot am Strand eingeladen wurden. Es war ebenfalls eine der besten Mahlzeiten, die ich bisher zu mir nehmen durfte. Unglaublich, wie lecker alles war und auch zum Abendbrot begleitete uns am Horizont der diesmal ins Tiefrote getauchte Mount Batur.

 

Ich hatte mich an diesem Tag um etwas gekümmert, das ich euch aber erst im nächsten Beitrag verraten werde. Es sei so viel gesagt: Es kommt alles anders, als man denkt.

HDR-Langzeitbelichtung des Mount Batur auf Bali, als wir am Strand saßen und zu Abendbrot aßen
HDR-Langzeitbelichtung des Mount Batur auf Bali, als wir am Strand saßen und zu Abendbrot aßen

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